Auf einen Kaffee mit Gott

„Komm doch einfach mal auf einen Kaffee vorbei!“ Bald wird es hoffentlich wieder leichter möglich sein, sich spontan mit einem Freund oder einer Freundin zu verabreden. Vielleicht draußen auf der Terrasse, mit frischem Coronatest in der Tasche.

Es tut gut, eine kleine Pause im Alltag einzulegen. Sich spontan mit einem vertrauten Menschen auszutauschen. Einfach mal zu erzählen, was oben aufliegt: der Stress im Beruf, immer mit Maske, das strengt noch mehr an. Die Kinder immer noch im Homeschooling, das zerrt an den Nerven. Die Sorge um Freunde weit weg – dort, wo Corona und die politischen Verhältnisse die Menschen um die Wette zu beuteln scheinen. Einfach mal erzählen, das Herz ausschütten – vor einer, die nicht in meiner Haut steckt.

Es macht auch Spaß, ihr den Garten zu zeigen, die kleinen Dinge, an denen ich mich freue: die spät gepflanzten Tulpen, die jetzt endlich blühen. Die ersten Gemüsepflanzen, die den Frost überstanden haben. Ich hoffe auf gesunde, reiche Ernte! „Geteilte Freude ist doppelte Freude“, sagt man, und „geteiltes Leid ist halbes Leid“. „Freut euch mit den Fröhlichen, weint mit den Weinenden.“ (Römer 12,15) Diesen Tipp gibt Paulus den Christinnen und Christen. Und es stimmt: Einfach mal alles erzählen und spüren, dass der andere daran Anteil nimmt, das tut gut.

Ein guter Freund hört zu, interessiert sich, fragt nach. Freut sich mit an dem, was gut läuft. Eine gute Freundin fragt manchmal auch kritisch nach: „Meinst Du nicht, dass Du da ein bisschen überreagiert hast?“ Oder sie hat eine gute Idee, wie ein Problem sich angehen lässt: „Hast Du das schon einmal probiert?“ Ein guter Freund macht Mut: „Das schaffst Du schon; lass Dir Zeit!“*

Ganz am Anfang meiner Zeit als Pfarrerin war ich manchmal ziemlich im Stress, und das war mir wohl anzumerken. Eine Frau aus dem Gemeindekirchenrat gab mir den mütterlichen Rat, an den ich noch oft denken muss: „Wenn Ihnen alles zu viel wird, dann kochen Sie sich eine schöne Tasse Tee und machen erstmal eine Pause.“

Und es stimmt: sich mit einer schönen Tasse Tee an einen angenehmen Ort zu setzen, das entspannt die Lage schon oft. Einfach durchatmen, genießen. Auf diese Weise gewinnt man etwas Abstand von der mit Problemen und Zeitdruck überladenen Situation. Und hier tut der Abstand wirklich gut! Manchmal ordnen sich die Dinge dann schon so. Mir hilft es, mir einen Plan zu machen und dann vom Wichtigen zum Unwichtigen abzuarbeiten, was dran ist.*

Ob es nun Tee oder Kaffee ist: Die Pause macht‘s. Der Moment zwischendurch, an dem ich mir etwas gönne und kurz aus dem alltäglichen Geschäft auftauche.

Wie wäre es, wenn ich mir bei einer Tasse Kaffee oder Tee, die ich alleine genieße, vorstelle, dass da noch jemand ist. Jemand, der sich für mich interessiert, der mich sieht. „Ich sitze oder stehe, so weiß du es, du verstehst meine Gedanken von Ferne“, betet jemand in Psalm 139. Ich probiere es aus, halte Ihm hin, was mich beschäftigt. Und dann wird er mir zum Freund oder zur Freundin. Hört zu, versteht. Ein Liedvers fällt mir ein, den ich irgendwie noch im Hinterkopf habe: „Herr, du gibst uns Hoffnung, du änderst unser Leben: Großes wird groß, Kleines wird klein“. Und plötzlich habe ich das Gefühl, er redet mit mir. Macht mir Mut, hilft mir zu ordnen.

Martina Wittkowski
Kreispfarrerin im Kirchenkreis Oldenburger Münsterland

Ev. Schulpfarrer in Cloppenburg. Administrator dieser Website, die im Auftrag des Kirchenkreises erstellt wurde.