Ich weiß, dass mein Erlöser lebt

Liebe Leserinnen und Leser,

alles hatte er verloren: seine Familie, seinen Viehbestand, seine Weiden und Äcker. Sein einst großes Vermögen hatte sich in Nichts aufgelöst. Und zu allem Überfluss war er nun auch noch krank geworden. Schlimmer geht es nicht, mögen da viele denken. Aktuelle Bilder und Ereignisse kommen uns in den Sinn. Der betroffene Hiob versteht die Welt nicht mehr: fühlt er sich doch unschuldigt und versteht nicht, warum über ihn und seine Familie soviel Leid gekommen ist. Sein Leid brüllt er geradezu aus sich heraus und wirft es Gott vor die Füße. Gleichzeitig ruft er Gott als seinen Anwalt an, der als sein Fürsprecher schon zu Lebzeiten seine Unschuld vor der Welt beweisen soll. Dieses Vertrauen spiegelt sich in seinen Gebeten wider. Martin Luther bezeichnet das Gebet als “… ein Schiff, das gegen reißende Strömung flussaufwärts fährt“ (Römerbrief-Vorlesung 1515/1516).

Luther sieht Hiobs Wunsch noch in einem anderen Licht und übersetzt: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebet, und er wird mich hernach aus der Erden auferwecken. Und werde darnach mit dieser meiner Haut umgeben werden und werde in meinem Fleisch Gott sehen.“ (Hiob 19,25-26) Die Theologie sah in dieser alttestamentlichen Bibelstelle einen Hinweis auf die Auferstehung Jesu Christi im Neuen Testament. Dahingehend folgt Georg Friedrich Händel (1685-1759) in seinem Oratorium „Der Messias“ in einer Arie: „For now is Christ risen from the dead, the first fruits of them that sleep.“ (1 Kor 15,20) Im 1. Korintherbrief liegt eines der der ältesten Zeugnisse der Auferstehung vor. Als Zeugen werden fünfhundert Brüder, Jesu Bruder Jakobus, alle Apostel und Paulus selbst genannt. (1 Kor 15,6-8)

Das, was die Osterberichte bezeugen, übersteigt unsere eigene Vorstellung. Keineswegs jubeln die Jünger sofort, als ihnen der Auferstandene erscheint. Sie haben stattdessen Angst: Unglaube, Zweifel und Ratlosigkeit nehmen von ihnen Besitz. Im Lukas-Evangelium halten die Jünger den Auferstandenen sogar für ein Gespenst (Lk 24,36-49). Was ist mit dem Wort „Gespenst“ gemeint? Mit einfachen Worten können wir sagen: eine unbewältigte Vergangenheit, die in einer gefährlichen Art und Weise in die Gegenwart hineinwirkt. Unvergebene Schuld z.B. kann die Vergangenheit zu einem Gespenst werden lassen. Das kann Angst auslösen. Um diese Angst abzustreifen, muss ein Mensch diese bewusst suchen. Der Auferstandene fordert die Jünger auf, sich dieser Begegnung zu stellen. Thomas darf sogar seine Hand in die Seitenwunde des auferstandenen Jesus legen. In diesem Augenblick erkennt Thomas, wen er vor sich hat und kommt so zum Glauben.

Der Gruß des Auferstandenen „Friede sei mit euch“ begabt seine Jünger mit der „Kraft aus der Höhe“. Lassen auch wir uns von der lebendigen Gegenwart des Auferstandenen berühren, indem wir die Vergebung empfangen und bewahren wir uns -wie einst Hiob- unseren Kontakt zu Gott im Gebet. Ein frohes Osterfest in diesen bewegten Zeiten wünscht Ihnen und Ihren Familien

Holger Ossowski, ev.-luth. Pfarrer in Garrel und Kreisdiakoniepfarrer des Kirchenkreises Oldenburger Münsterland

Frank Willenberg

Ev. Schulpfarrer in Cloppenburg. Administrator dieser Website, die im Auftrag des Kirchenkreises erstellt wurde.