Der Mensch ist wichtig

Martina Fisser, Geschäftsführung/Leitung der Diakonie im Oldenburger Münsterland

Im Diakoniebüro geht es trotz Corona manchmal zu „wie im Taubenschlag“. Das Telefon klingelt, parallel läutet es an der Haustür, der Drucker läuft am laufenden Band und aus den Büros kommen leise die Stimmen der Kollegen*innen am Telefon. Und manchmal wird eine Stimme auch etwas lauter und ich höre die Ungeduld in der Stimmlage. So geht es mir auch.

Ich überlege mir morgens auf der Fahrt ins Büro einen Tagesplan und dann kommt es doch ganz anders. Und mein Plan zerfällt zu Staub. Der ausschlaggebende Punkt ist immer ein Mensch, der aktuell nach Hilfe fragt. Der oder die Hilfesuchende kommt ohne Termin und hat nur eine kurze Frage. Ich lasse alles liegen und fange ein kurzes Gespräch an. Nachdem ich die Frage beantwortet habe kommt plötzlich noch eine Frage und auf einmal erzählen die Betroffenen ganz viele Dinge aus ihrem Leben. Was schiefgelaufen ist und wer sie geärgert hat. Ich versuche nicht auf die Uhr zu schauen und an meine Arbeit auf dem Schreibtisch zu denken.

Und dann spüre ich die Reaktion darauf. Mein Gegenüber sagt plötzlich: „Ach ja, sie haben bestimmt noch Arbeit und ich halte Sie auf.“ Das macht mich betroffen und ich merke, dass ich plötzlich ganz ruhig werde.

So eine Situation wollte ich immer vermeiden. Was ist so wichtig, dass es nicht warten kann? Meine innere Ruhe überträgt sich auf unser Gespräch und die Situation entspannt sich deutlich. Am Ende des Gespräches lachen wir beide und mein Gegenüber verlässt mein Büro mit einem Lächeln im Gesicht. Gerade habe ich wieder so eine ähnliche Situation im Büroalltag erlebt.

Das ist genau das was ich immer wollte. Nichts ist wichtiger als der Mensch. Und was ist wertvoller als Zeit schenken? Manchmal braucht es Geduld, damit Mensch sich öffnen. Ich brauche diese Geduld im Umgang mit Menschen. Die Situation muss ich annehmen, damit Menschen sich öffnen können. Und morgen ist auch noch ein Tag und meine Arbeit auf dem Schreibtisch muss warten.

Herr, ich bitte Dich: Nimm mich an die Hand und lass mich zwischen Ungeduld und Hektik die Menschen sehen, die mich brauchen. Lass mich die Situationen für unsere Hilfesuchenden mit Kraft und Stärke angehen. Amen.

Frank Willenberg

Ev. Schulpfarrer in Cloppenburg. Administrator dieser Website, die im Auftrag des Kirchenkreises erstellt wurde.