Keiner darf verloren gehen

Unter dieses Leitwort hat Thomas Zellner seine Arbeit in der Jugendhilfe gestellt. Jetzt feierte er sein 25jähriges Betriebsjubiläum im Ev. Kinderdorf Johannesstift am Tannenweg in Vechta. Er erinnert sich noch genau an seinen ersten offiziellen Auftritt am 20. April 2001, war es doch sein Geburtstag, an dem sein Vorgänger Walter Dützer in den Ruhestand verabschiedet wurde. Thomas Zellner wuchs in Gronau in Westfalen auf. Zur Jugendarbeit kam er durch ein Praktikum beim Christlichen Jugenddorfwerk in Burgsteinfurt. Er blieb dem CJD treu und absolvierte dort seine Ausbildung. Anschließend verbrachte er ein Jahr im Rahmen eines Austausch- und Traineeprogrammes für Mitarbeitende in einer Partnereinrichtung des CJD in Milwaukee in den Vereinigten Staaten. Im dortigen YMCA sammelte er wichtige Erfahrungen, insbesondere bei den Themen Management und Finanzplanung.
„Zur Jugendarbeit bin ich auch durch mein sportliches Engagement gekommen. Ich war immer aktiv, insbesondere Fußballer und schon früh Trainer. Ich schätze die Solidarität und den Gemeinschaftssinn dieser Mannschaftssportart“, nennt der 65jährige einen der Beweggründe für seine berufliche Laufbahn.
Nach weiteren Stationen in der sozialen Arbeit in unterschiedlichen Einrichtungen des CJD in Wolfsburg und in Braunschweig, sowie einem Abstecher zu einem privaten Träger im Landkreis Osnabrück bewarb sich Thomas Zellner dann auf eine Stelle im Johannesstift in Vechta, zunächst als Erziehungsleiter und stellvertretender Dorfleiter und seit 2009 als Nachfolger von Uwe Großeholz als Einrichtungsleiter. Rückblickend kann er viel berichten über die Veränderungen in der Kinder- und Jugendhilfearbeit, aber auch im Johannesstift. So waren die Dienste Anfang des Jahrtausends wochenweise, in denen man ununterbrochen vor Ort war. „Da hat sich heute für die Mitarbeiter vieles zum Besseren gewendet“, freut sich Zellner. Und auch im Johannesstift hat sich viel unter seiner Leitung getan: Die gesamte Anlage am Tannenweg ist baulich neugestaltet worden, in Dinklage gibt es eine Außenwohngruppe mit eigenem Haus, in Lohne ein Angebot für sehr junge Kinder in zwei Kleinkindgruppen. Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Mädchenarbeit im Elsbeth-Kreft-Haus. Für ältere Jugendliche gibt es auf dem Gelände des Johannesstiftes die Jugendwohngruppe. So ist es nicht verwunderlich, dass die Zahl der Mitarbeitenden sich verdoppelt hat. Mittlerweile werden in den unterschiedlichen Wohnformen ca. 120 Kinder und Jugendliche betreut. Die Zahl der Mitarbeitenden geht gegen 150.
„2015 war besonders herausfordernd für uns mit der Welle von unbegleiteten jugendlichen Flüchtlingen. Da war es ein Glücksfall, dass wir in Endel das Haus Marienstein angeboten bekamen und so den jungen Menschen nach ihren schlimmen Erfahrungen ein Zuhause auf Zeit bieten konnten und so unseren Teil zur gelungenen Integration der meisten Menschen beitrugen“, beschreibt der Einrichtungsleiter diese Zeit. Daneben engagiert sich das Johannesstift auch bei der Inobhutnahme, wenn das Jugendamt Kinder und Jugendliche aus Familien herausnehmen muss, für die schnell ein Heimplatz gefunden werden muss.
Was für Thomas Zellner besonders wichtig, ist das Prinzip der „offenen Türen“ in der Einrichtung. „Das baut Vertrauen auf und das ist das Wichtigste für die uns anvertrauten Kinder und Jugendlichen, die oft Schlimmes erlebt haben. Aber genauso wichtig ist uns, dass wir die Eltern miteinbeziehen. Denn auch sie sind meisten Opfer gesellschaftlicher Verwerfungen und haben ihr Päckchen zu tragen“, beschreibt Thomas Zellner die Arbeit.
Das diese Arbeit Früchte trägt, zeigt sich daran, dass ehemalige Bewohnerinnen und Bewohner oft zu Besuch kommen, wenn sie in Vechta weilen. Das ist das Schönste für Thomas Zellner und sein Team, „denn keiner darf verloren gehen.“
Carsten Homann