Was das Friseurhandwerk mit dem Beten zu tun hat

Liebe Leserinnen und Leser!

Wie oft gehen Sie zum Friseur? – Die meisten haben einen festen Rhythmus. Manche machen den nächsten Termin schon gleich beim vorigen ab. Zum Friseur zu gehen, ist eine kleine Auszeit, aus der man schick und ein bisschen erholt nach Hause geht. Beim Friseur geht es nicht nur ums Haare-Schneiden.

Wir erzählen uns einiges, während die Haare geschnitten werden. Über die Kinder, den Beruf, über den Sport, – über Gott und die Welt. Das war bei Martin Luther und seinem Barbier Peter auch so.

Martin Luther hat mit seinem Friseur über das Beten gesprochen. Er hat ihm dann sogar ein kleines Büchlein gewidmet: „Wie man beten soll – für Meister Peter, den Barbier“ von 1535.

Darin vergleicht er jemanden, der betet, – wie soll es anders sein – mit einem, der die Haare schneidet:

„Mit dem Gebet ist es wie mit einem guten, fleißigen Barbier: Der muss seine Gedanken, seinen Sinn und seine Augen ganz genau auf das Schermesser und auf die Haare richten und darf nicht vergessen, wo er im Strich oder im Schnitt ist. Wenn er aber zugleich viel plaudern und anderswohin denken oder gucken will, so würde er einem leicht Mund und Nase, und die Kehle dazu abschneiden. – Wie viel mehr verlangt das Gebet das Herz einzig, ganz und allein, wenn anders es ein gutes Gebet sein soll.“

Martin Luther sagt seinem Barbier, dass die Konzentration beim Beten mindestens genauso wichtig ist wie beim Haare-Schneiden. Jesus sagt: Geh in „dein Kämmerlein, wenn du beten willst.“ (Matthäus 6,6) Da lenkt dich nichts vom Beten ab. Das „Kämmerlein“, den guten Ort zum Beten, den muss ich suchen.

Als Jugendliche, als ich anfing mit Beten, bin ich bei uns zu Hause ins Moor gegangen. Da gab es eine bestimmte Stelle, einen Felsen am Rand einer Wiese. Das war mein Gebetsplatz. Da war ich ungestört. Dahin ging ich zum Beten. „Mein Ort zum Beten“, der ist für viele in der Kirche. Andere haben zu Hause so einen Ort. Mit einem Kreuz. Mit einer Kerze. Ungestört muss ich sein, wenn ich bete. Kein Telefon oder Handy. Ruhe. Keine Ablenkung… – Und Zeit. Keine Hektik. So kann ich ganz da sein vor Gott. Und er ist auch da.

„Geh in dein Kämmerlein“, sagt Jesus. Da bist nur du – und da ist Gott. Bete ehrlich, sagt er. Bete ohne Maske. Spiel niemandem etwas vor, nicht den anderen, nicht dir selbst, nicht Gott. Gott kennt dich bis ins Tiefste, du kannst ihm einfach dein Herz ausschütten. Auch deine Zweifel und Fragen, dein Unglaube, der dich bedrängt, hat Platz im Gespräch mit Gott.

Beten geht nicht nur in wohl geformten, liturgisch korrekten Worten. Beten, das können nicht nur die, die immer geschliffene Worte finden oder sich auskennen mit der Bibel und dem Glauben. Beten ist nichts anderes als ein Reden des Herzens mit Gott, das schreibt Luther seinem Barbier. Das Herz kann auch mal schweigen – oder es stammelt oder stottert eben. Also: Bete einfach. So wie Dein Herz es dir sagt.

Martina Wittkowski, Kreispfarrerin OM