Erwartungen (nicht) erfüllt
Montagmorgen – und der Griff geht sofort zum Smartphone. Der Blick in die entsprechenden Apps und auf die Homepages. Heute fällt die Schule nicht aus. Das ist zurzeit ja schon fast eine außergewöhnliche Nachricht. Wir haben uns als Familie schon so schön daran gewöhnt. „Landkreis Vechta: Witterungsbedingter Unterrichtsaufall“. Ein WhatsApp Status nach dem anderen, mit dem immergleichen Bild.
Diese Meldung gibt es manchmal schon abends, manchmal erst morgens. Aber es gibt sie sehr häufig in diesem Winter. Wir müssen keine Kinderbetreuung organisieren. Wir haben keinen langen Arbeitsweg. Und so heißt es immer wieder: Entspannt aufstehen, frühstücken und mal abwarten, ob es Aufgaben von der Schule gibt. Je nach Witterung dann den Schnee im Garten genießen oder sich vor der Eisfläche in Acht nehmen.
Aber an diesem Montagmorgen kommt alles anders als erwartet. Jetzt schneit es und trotzdem fällt die Schule nicht aus. Das passt doch so gar nicht in das Bild der letzten Wochen. Das passt nicht allen von uns in ihre Erwartungen. Es dauert ein wenig länger an diesem Montag, um in Gang zu kommen. Die Freude über die weiße Pracht will sich nicht mehr so einstellen, wie das Anfang Januar noch der Fall war. Schnee hatten wir doch schon so viel. Und dann ist wieder alles glatt. Und dann noch nicht mal schulfrei. Eine ganz neue Erkenntnis für Schüler/innen in diesem Winter. Ja, man kann auch bei Winterwetter zu Schule gehen.
Einen anderen Blick darauf haben ältere Generationen. Bei manchen Menschen kann man das Gefühl bekommen, dass sie sich früher regelmäßig durch wahre Schneestürme kilometerweit zu Fuß zur Schule gekämpft haben. Und das war ganz normal. Heute würde die Schule ja immer viel zu schnell ausfallen. Nur weil ein paar Flocken vom Himmel fallen. Es sind ganz unterschiedliche Erwartungen. Was ist normales Winterwetter? Was ist zumutbar? Was ist gefährlich? Und wer entscheidet darüber und nach welchen Maßstäben? Da werden nicht immer die eigenen Erwartungen erfüllt.
Ich merke, dass es mir mit dem Glauben oft ganz ähnlich geht. Ich habe ein Bild von Jesus und ich habe ganz bestimmte Erwartungen an ihn. Ich meine zu wissen, was er über andere Menschen denkt. Vor allem über die Menschen, über die ich mich ärgere. Ich bilde mir ein zu beurteilen, was er zu aktuellen Themen zu sagen hätte. Vor allem bei Themen, die mich ärgern.
Aber immer wieder erlebe ich, wie Jesus meine Erwartungen nicht erfüllt. Er passt in keine meiner Schubladen hinein. Jesus erfüllt nicht alle meine Erwartungen. Er erfüllt auch nicht alle meine Wünsche. Aber er erfüllt seine Verheißungen. Das, was er verspricht, das gilt.
Für diesen Winter mag das weiterhin gelten: Morgens der Blick aus dem Fenster und der Blick in die App. Manchmal passend zu den eigenen Erwartungen, manchmal nicht.
Für den Glauben gilt: Der Blick in die Bibel. Der Blick auf das, was dieser Jesus mir zu sagen hat. Manchmal passend zu meinen Erwartungen, manchmal nicht. Aber immer wieder neu sein Wort für mich.
Viel Freude dabei wünscht
Pastor Tim Rathjen

