Werbeprospekte durchblättern – das vielleicht beliebteste Sonntagsritual
Werbeprospekte durchblättern – das vielleicht beliebteste Sonntagsritual
Es hat etwas Meditatives: Am Sonntag mit aller Zeit der Welt einen Werbeprospekt nach dem anderen durchblättern. Endlich wieder die Kiste Lieblingsbier im Angebot! Und am Donnerstag bloß nicht diese Blume verpassen, die letztes Jahr im Nu vergriffen war – da muss man schnell sein! Aber nicht am Sonntag selbst. Da hat Eile keinen Platz. Ganz in Ruhe beim Kaffee Angebote von A(ldi) bis Z(immermann) studieren – für viele gehört das fest zum Wochenende.
Gemeinsam mit den Werbeprospekten findet das OM-Wochenblatt seinen Weg in die Briefkästen. So erreichen Nachrichten aus der Region Woche für Woche die Haushalte. Gratis! Und das in einer Zeit, in der journalistische Arbeit unter immer größeren wirtschaftlichen Druck gerät, weil immer weniger Menschen bereit sind, für ein Zeitungsabonnement Geld zu bezahlen. Man mag mich altmodisch nennen, aber ich finde die Idee von den Medien als vierter Gewalt in der Demokratie nach wie vor gut. Angesichts der Entwicklungen ist die vielfältige Presselandschaft, die wir in Deutschland noch haben, aber keineswegs selbstverständlich.Und erst recht nicht mehr selbstverständlich ist, dass kirchliche Stimmen darin einen „Sendeplatz“ haben, wie diese Kolumne oder das „Wort zum Sonntag“ im OM-Wochenblatt. Besonders bewusst wurde mir das, als in der vorletzten Ausgabe des OM-Wochenblatts das Ende vom „Wort zum Sonntag“ angekündigt wurde.
In der jüngsten Ausgabe war dann aber die gute Nachricht zu lesen, dass es doch erhalten bleibt. Wie schön, dass also weiterhin die frohe Botschaft in Form von kurzen Impulsen Woche für Woche ihren Weg auf die Frühstückstische findet.
In diese Freude mischt sich aber auch Nachdenklichkeit. Das oftmals diffuse Gefühl des „alles-verändert-sich“ kann sehr schnell konkret werden. Was uns vertraut und wichtig ist, besteht nicht von selbst fort.
Auch ein anderes Sonntagsritual beziehungsweise seine flächendeckende Verfügbarkeit steht bekanntlich unter großem Druck – der Sonntagsgottesdienst. Es führt kein Weg daran vorbei: Damit in schnelllebigen Zeiten bewahrt wird, was uns am Herzen liegt, müssen wir es pflegen.

