Müssen Babys Socken tragen?
So manch Oma-Mutter-Beziehung – und insbesondere so manche Schwiegermutter-Schwiegertochter-Beziehung wird von dieser Frage auf die Probe gestellt. Hitzige Diskussionen über ein paar Gramm Stoff für kleine Füßchen entstehen: „Wir haben unsere Kinder auch groß bekommen!“ „Heute macht man manches eben anders!“ Und ehe man sich versieht, geht es längst nicht mehr um die konkrete Frage, sondern um das große Ganze. Ein veritabler Generationenkonflikt kann seinen Lauf nehmen: „Was mischt die sich da überhaupt ein, wird mir denn gar nichts zugetraut?!“ „Ich meins doch nur gut, dann darf ich ja überhaupt nichts mehr sagen!“ Und so weiter und so fort. Söckchen oder nicht Söckchen – das ist hier die Frage.
Ich hätte dazu einen Antwortvorschlag, muss allerdings eine biblische Geschichte vorausschicken. Nämlich die vom überaus weisen König Salomo, Herrscher von Israel in alttestamentlicher Zeit (nachzulesen in 1. Könige 3,16–28):
Zwei Frauen treten vor den König, die letzte richterliche Instanz. Beide wohnen im selben Haus, und im Abstand von wenigen Tagen haben beide ein Kind geboren. „Doch“, so klagt die eine, „in der Nacht starb der Sohn dieser Frau, weil sie sich auf ihn gelegt hatte. Da stand sie mitten in der Nacht auf, nahm mir meinen Sohn weg, während ich schlief, und legte mir ihren toten Sohn in den Arm. Als ich am Morgen aufstand, um mein Kind zu stillen, da war es tot! Doch bei Tagesanbruch sah ich genauer hin und merkte: Das war gar nicht mein Sohn, den ich geboren hatte!“ Daraufhin ruft die andere: „Nein! Mein Sohn lebt, und dein Sohn ist tot!“
So streiten sie vor dem König. Zeugen gibt es keine. Da lässt Salomo ein Schwert bringen und spricht: „Zerschneidet das lebende Kind in zwei Teile! Gebt der einen Frau die eine Hälfte und der anderen die andere!“ Entbrannt in der Liebe zu ihrem Sohn entgegnet die eine: „Ach, mein Herr, gebt ihr das Kind lebendig und tötet es nicht!“ Die andere aber spricht: „Es sei weder mein noch dein – lasst es teilen!“ Und so erhält die Frau, die sich durch ihre Selbstlosigkeit als wahre Mutter erwiesen hat, das Kind lebendig.
Was für eine Geschichte! Die Heilige Schrift ist einfach fantastisch!
Aber nun zurück den Babysocken. Mein salomonischer Vorschlag lautet: An das eine Füßchen kommt konsequent ein Socken, das andere bleibt durchgängig barfuß. Und die Variante, bei der der Fuß dranbleibt, ist die richtige!
Pfr. Johannes Rohlfing, Friesoythe

