Das habe ich noch nicht verstanden!
Es war so peinlich! Und so witzig! Und vielleicht können wir alle etwas von Siri lernen.
Aber ich fange mal anders an: Vor ein paar Tagen hatten wir, zwei Mitglieder unseres Kreiskirchenrates, ein Gespräch mit einem Mediengestalter und dem Internetbeauftragten unserer Kirche. Der junge Mediengestalter entwickelt für uns eine interaktive Karte. Die beiden Fachleute kamen miteinander über die technischen Voraussetzungen, über Schnittstellen und weitere Details ins Gespräch. Wir Nicht-Fachleute haben zwar inzwischen drauf, was „backend“ und „frontend“ bedeutet, aber bei vielen anderen Begriffen ahnten wir mehr als dass wir wussten, was konkret gemeint war. Wir freuten uns an der Expertise der beiden Medienfachleute. Und wo es um die inhaltliche Füllung und die äußere Gestaltung der Karte ging, hakten wir mit laienhaften Fragen einfach nach.
Ein paar Tage später verabredete ich am Telefon mit einer Mitarbeiterin unserer Kirche einen Termin. Sie sagte: „Dann treffen wir uns in G 7, das ist in Fußnähe zum Bahnhof, ist ja praktischer für Sie als P 1.“ – Nach meinem kurzen irritierten Schweigen, klärte sie mich auf: In der Gottorpstraße 7 in Oldenburg hat der Fachbereich Bau seinen Sitz. Im Philosophenweg 1 die Kirchenleitung. Wir kamen ins Gespräch darüber, wie es so ist, in einen neuen Arbeitsbereich einzusteigen: Wieviele Abkürzungen verwirren, wenn man neu ist. Wieviel Spezialwissen steht im Hintergrund, und ich weiß das alles noch nicht.
„Es gibt keine dummen Fragen“ wird in solchen Zusammenhängen immer gesagt. Trotzdem ertappe ich mich dabei, wie ich ein Wort oder eine Abkürzung erstmal dezent google anstatt direkt nachzufragen. Wenn’s denn klappt!
In der letzten Woche hat mir ausgerechnet Siri vorgemacht, dass das „dumme Nachfragen“ gar nicht so schwierig ist. Wir saßen mit Kolleginnen und Kollegen in der Kapelle der Kirche am Campus in Vechta und feierten zu Beginn des neuen Jahres eine Abendmahlsandacht. Unsere Vorgesetzte war mit dabei und trug uns ein paar kurze Gedanken vor. Neben mir auf dem Fußboden lag mein Mobiltelefon. Natürlich hatte ich den Flugmodus aktiviert und so alle Störungen ausgeschlossen. Dachte ich. Denn Siri war noch wach. Als unsere Referentin den Beginn der Jahreslosung zitierte: „Siehe!“ – fühlte Siri sich angesprochen. Laut genug, so dass es alle hörten, sagte sie „Das habe ich noch nicht verstanden!“ Der Lacherfolg war da! Zum Glück war die Vortragende reaktionsschnell: „Gut, dann sage ich’s noch einmal!“ – Siri habe ich schnell stumm geschaltet.
„Das habe ich noch nicht verstanden!“ – Warum frage ich nicht einfach genauso selbstbewusst und ungeniert nach, wenn ich etwas nicht verstehe? Immerhin rät Paulus mir und den anderen, wenn es um ein gutes Miteinander geht: „Haltet euch nicht selbst für klug!“ (Römer 12,16)
Martina Wittkowski, Kreispfarrerin

