Herz zeigen – nicht nur zum Christfest

Liebe Leserinnen und Leser,

die Hirten hatten sich aufgemacht. Sie wollten sehen, wovon der himmlische Bote gesprochen hatte. Geradezu skandalös, was wir da im Lukasevangelium lesen. (Lk 2,15) Denn Hirten waren bei vielen Zeitgenossen verachtet. Aber gerade diesen einfachen Menschen vertraut der Engel seine Botschaft an. Am Ziel angekommen finden die Hirten etwas ganz Unscheinbares vor: eine Mutter mit ihrem neugeborenen Kind. (Lk 2,8-19)

Vielleicht waren die Hirten, die hier sicher etwas ganz Außergewöhnliches erwartet hatten, zunächst über diese Normalität enttäuscht, die sie vorfanden. Doch sahen die Hirten die Geburt im Licht der Verkündigung des Boten Gottes, die sie erfahren hatten: „ … euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr … „ (Lk 2, 11) Die Bezeichnung „Heiland“ für „Retter“ wurde damals vielen gegeben, nicht zuletzt dem Kaiser Augustus. Doch Jesus ist nicht etwa einer von ihnen, sondern als Christus und Herr ist er der Einzige, dem diese Bezeichnung zusteht. Die Erkennungszeichen dieses Heilands sind dabei die Windeln und die Krippe. Mit anderen Worten: die Armut und die kindliche Hilflosigkeit.

Was zeichnet die Hirten aus? Die Hirten glauben dem Wort und folgen ihm unverzüglich. Sie haben das Geschehen im Lichte der Rettung erkannt und tragen diese Botschaft des Engels in die Welt. So breitete sich bei den Hirten Freude aus. Ihr Leben wurde durch dieses großartige Erlebnis der Geburt von Jesus fundamental verändert. In ihnen strahlte buchstäblich das Licht der Rettung auf. Wer solches erlebt, kann nicht anders als unaufhörlich Gott zu loben: „Sie priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten…“  (Lk 2,20)

Das Christfest ist die Einladung auch an uns, sich darauf einzulassen, dass Gott gern bei uns ist und uns – als „Windelherr und Krippenfürst“, wie Martin Luther sagte – ganz nahekommt. In dieser Kleinheit und Schwäche, in diesem zerbrechlichen und auf Andere angewiesenem Kind zeigt Gott uns sein Herz.

Wenn Gott so gern bei den Menschen sein will, wenn er sich ganz in die Welt der Menschen hineingibt, dann sollen auch wir gern bei den Menschen sein und ihnen freundlich helfen. Das kann jede und jeder an ihrem und seinem Platz, dort, wo Gott uns gerade hingestellt hat.

Ihnen und Ihren Familien wünsche ich ein gesegnetes Christfest und ein friedvolles Jahr 2026!

Holger Ossowski, Pfarrer in Garrel