Andachten

Herzlich willkommen, Neuanfang!

Herzlich willkommen, Neuanfang!

„Und Sie heißen immer noch Wittkowski, daran hat sich nichts geändert?“ fragt mich der Mitarbeiter des Roten Kreuzes beim Blutspenden, um meine Identität zu checken. Ich bestätige. „Ist ja auch noch nicht so lange her, ihre letzte Spende.“ – Irgendwie reizt mich die Bemerkung zum Widerspruch: „Na ja, solche Veränderungen können dann ja ganz plötzlich kommen.“
Unser kleines Gespräch ist zu Ende, aber meine Gedanken gehen weiter. Veränderungen, sie kommen oft tatsächlich langsam. Manche entwickeln sich fast unbemerkt. Andere werden über Monate gründlich bedacht – und dann fällt die Entscheidung. Die wird von einem Moment zum anderen wirksam. Ich trage einen neuen Namen – oder ich arbeite auf einer anderen Stelle.
Mir fällt die Kurzgeschichte von Bertholt Brecht wieder ein: »Ein Mann, der Herrn K. lange nicht gesehen hatte, begrüßte ihn mit den Worten: ›Sie haben sich gar nicht verändert.‹ ›Oh!‹ sagte Herr K. und erbleichte.«
„Sie haben sich gar nicht verändert!“ – Das ist auf Äußerlichkeiten bezogen ab einem gewissen Alter ein nett gemeintes Kompliment. Man hört es gerne. K. aber wird blass, weil er noch etwas anderes hört: den Stillstand. Könnte der auch das Denken betreffen? Die Art, das Leben und die Menschen zu sehen? Bin ich mit meinen Ansichten und meiner Haltung stehen geblieben?
Bei mir wurden und werden Veränderungen fast immer durch Begegnungen mit Menschen angestoßen. Mein Blick auf ein Thema verändert sich, wenn ich jemandem zuhöre, der davon existenziell betroffen ist. Wenn ich erfahre, was eine Frage für einen Menschen bedeutet, der mitten darin steckt.
Ich erinnere mich an einen Abend in einer Studentenkneipe. Ich unterhielt mich lange mit einer überzeugten Katholikin über die Marienverehrung. Ich musste ihre Überzeugung nicht teilen, um ihren Zugang zum Gebet besser zu verstehen. Das Gespräch hat eine Veränderung in mir ausgelöst.
Mich hat vor kurzem der Song „Herzlich willkommen, Neuanfang“ von Cluedo angesprochen, als ich ihn zufällig hörte. Er bringt für mich eine freundliche Offenheit zum Ausdruck: für neue Erfahrungen, für andere Sichtweisen und für Veränderungen, die in mir selbst beginnen.
Genau diese Offenheit wünsche ich mir für unsere Kirche und unsere Gesellschaft.
Am Samstag feiern wir das Reformationsfest. Es erinnert daran, dass Veränderung möglich ist und manchmal nötig wird. In diesem Jahr feiern wir unter dem Motto „Reset Hoffnung“.
Immer wieder neu anfangen, für Veränderungen offen sein und aus der Kraft der Hoffnung heraus gestalten, das möchte ich.
Martina Wittkowski, Kreispfarrerin