Grünkohl, Kaffee und Tattoos

Bei einem Empfang mit einem Glas Sekt begrüßt zu werden, das ist eine ganz normale Sache. Überraschend ist es allerdings, zu Beginn einer Predigt einen kleinen Pappbecher mit der Aufschrift „feel good“ gereicht zu bekommen. So war es Ende April bei unserer Kreissynode, die wir wie immer mit einem Gottesdienst eröffneten. Der Pappbecher war bis zur Hälfte mit einem grünlichen Smoothie gefüllt. Wir wurden aufgerufen, die Zutaten zu erraten: Kiwi, Banane, Spinat, Ingwer und – Grünkohl! Zum Glück hat ein Feinschmecker unter uns ihn herausgeschmeckt, denn er war nun der grüne Faden der Predigt. Winterhart, widerstandsfähig, voller gesunder Stoffe, frostresistent, gut verwurzelt und – wer hätte das gedacht – das ganze Jahr über verwendbar in verschiedenen Variationen. „Gottes Kraft hat auch keine Zeit, sie stärkt uns immer.“ So die Botschaft der Pastorinnen. Wir waren beteiligt, wir haben geschmeckt und uns amüsiert – diese Predigt wird keiner so schnell vergessen!

Um sich zu erinnern und an etwas immer wieder anknüpfen zu können, lassen viele Menschen, nicht nur junge, sich ein Tattoo stechen. Mein Ding ist das nicht. Aber ich finde es bemerkenswert, wie tiefgründig die Bedeutung so eines Tattoos für den Einzelnen ist. Eine Tätowiererin erzählte mir, dass sie berührende Gespräche zur Vorbereitung führt. Bei einer Pop-Up-Hochzeit in einem anderen Kirchenkreis, bei der sich Paare ohne große Vorbereitung segnen oder kirchlich trauen lassen können, werden Tattoos angeboten. Ein Kreuz, ein Herz, ein Anker, eine Taube – sie erinnern an einen Moment, der unter die Haut ging. Sie sind ein bleibendes Symbol für die Verbindung zu einem anderen Menschen und für den Segen Gottes, der diese Beziehung begleitet. Ich muss an Martin Luther denken, der vor sich auf den Tisch mit Kreide schrieb „Ich bin getauft“. So hat er sich seiner Verbindung zu Gott in schwierigen Situationen vergewissert.

Kirche entdeckt neue Formate. Kirche entwickelt kreative Ideen und wagt es, an andere Orte zu gehen. Zum Beispiel mit der Kaffee-Ape, die ein Kirchenkreis im Rheinland kaufte. Mit dem kleinen aufsehenerregenden Gefährt sind kontaktfreudige Menschen aus den Gemeinden auf Schützenfesten, Märkten und bei Gemeindeveranstaltungen unterwegs. Sie berichten, was für interessante Gespräche sie bei einer Tasse Kaffee führen. Gespräche über Gott, die Menschen und die Welt.

Ich freue mich über neue kreative Formen und kleine Ideen, die in der Kirche aufkommen. Um nah bei den Menschen zu sein. Mitten in ihrem Leben. Um den Glauben schmeckbar und erfahrbar zu machen.

Martina Wittkowski, Kreispfarrerin