Drei Sterne für den Busfahrer

Ich fahre gerne mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Da komme ich raus aus meiner Bubble und erlebe die bunte Mischung von Menschen, die an einem Ort oder in einer Region wohnen. Da geht es nicht immer ohne Spannungen ab – so wie im wirklichen Leben.

In der Vorweihnachtszeit fuhr ich in Lübeck mit dem Bus von einem Verwandtenbesuch etwas außerhalb ins Zentrum der Stadt. An den Haltestellen senkte der Busfahrer den Bus bei Bedarf ab, so dass Menschen mit Kinderwagen oder Rollatoren bequem aussteigen konnten. An einer Bushaltestelle blieb trotzdem ein Absatz zum Bordstein, so dass die aussteigende Frau Mühe hatte. Ein Fahrgast pöbelte daraufhin den Busfahrer an, er habe den Bus nicht abgesenkt, ihm sei es wohl egal, wie die Menschen aussteigen könnten. Er wurde immer lauter in seinen Vorwürfen und Beschimpfungen. Der Busfahrer, wahrscheinlich schon Stunden durch den dichten Verkehr unterwegs, war getroffen. Er verließ seinen Fahrerplatz, ging nach draußen zur Hintertür und zeigte dem Kritiker, dass er sehr wohl den Bus abgesenkt habe. Die beiden standen sich feindlich gegenüber, die Worte flogen, die Spannung stieg. Ein jüngerer und ein älterer Mitfahrer schnellten hoch und gingen zur Hintertür. Mit beschwichtigenden Worten und Gesten gelang es ihnen, Handgreiflichkeiten zu verhindern. Der Busfahrer ging zurück an seinen Platz. Er war sehr aufgebracht. An der nächsten Haltestelle entschuldigte er sich kurz bei den Fahrgästen vorne, stieg aus und nahm ein paar tiefe Atemzüge an der frischen Luft, um sich zu beruhigen. Dann fuhr er weiter.

Einer der Fahrgäste, die vorher eingegriffen hatten, stieg bald aus, ging dabei kurz an der offenen Tür vorbei und sprach dem Busfahrer gut zu: „Du hast alles richtig gemacht, wirklich.“ Der andere ging zum Busfahrer nach vorne, legte ihm drei in Goldpapier gewickelte Marzipansterne auf die Ablage. „Ein bisschen Nervennahrung“, sagte er.

Ich konnte nicht erkennen, wie die Zuwendung der beiden auf den Busfahrer wirkte, aber mich selbst hat das verantwortliche und mitfühlende Handeln dieser beiden Männer berührt. Hier blitzte Frieden auf. Sie setzten sich im Kleinen ganz spontan dafür ein. Der, auf dessen Geburt die goldenen Sterne hinweisen, hat später gesagt: „Selig sind, die Frieden stiften“ (Matthäus 5). In einem Linienbus in Lübeck wurde das in die Tat umgesetzt. Meine Mitfahrer stellten sich beherzt an die Seite des zu Unrecht Angegriffen. Sie bewahrten auch den Angreifer vor der Eskalation. Friede blitzte auf. Etwas von dem, was Weihnachten ausmacht.

Martina Wittkowski