Welttag des Brotes

Liebe Leserinnen und Leser,

Pfarrer Jürgen Schwartz

in diesen Tagen sind sie wieder zuhauf auf den Straßen unterwegs: große Traktoren mit noch größeren Anhängern, die die Ernte einfahren. Im Oktober feiern wir traditionell Erntedank und lassen uns daran erinnern und fragen, was wir zum Leben brauchen. Am 16. Oktober war der „Welttag des Brotes“. Dazu passt auch die Meldung, dass das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen in diesem Jahr den Friedensnobelpreis zuerkannt bekommen hat: es ist zum einen eine Würdigung ihrer humanitären Hilfeleistungen seit 1963 und zugleich ein mahnender Hinweis, nicht nachzulassen, Menschen in Not zu helfen und ihnen Grundlegendes zum Leben zur Verfügung zu stellen. Dem möchte ich die folgende Brotgeschichte an die Seite stellen.

Der Schriftsteller Frank McCourt erzählt von seinem ersten Schultag als Lehrer an einer High School in New York. Er erinnert sich noch so genau daran, weil dort etwas passierte, das sein weiteres Leben entscheidend prägte und bestimmte.

Als er den Klassenraum betritt, geht es dort drunter und drüber. Pete brüllt gerade: „Wer will mein Pausenbrot?“ Andy lässt einen dummen Spruch ab, und als Quittung fliegt ihm das Pausenbrot um die Ohren. Das Pausenbrot landet hinter Andys Ohren auf dem Boden – direkt vor den Füßen des neuen Lehrers, der gerade das Klassenzimmer betreten hat. 

Peinlich, äußerst peinlich. Plötzlich wird es mucksmäuschen still in der Klasse. Frank McCourt weiß es ganz genau: Jetzt wird es sich entscheiden, ob er als Lehrer anerkannt wird oder nicht. Er überlegt; er sagt nichts; es kommt ihm wie eine halbe Ewigkeit vor. Dann folgt er einer inneren Eingebung. Er bückt sich. Er hebt das Pausenbrot auf und wickelt es sorgfältig aus … schließlich beißt er hinein. Ganz genussvoll isst er es vor seiner Klasse auf.

Später erzählt Frank McCourt: „Ab diesem Zeitpunkt hingen mir die Schüler an den Lippen. Ich habe einfach das getan, was ich am besten kann. Anstatt zu unterrichten, habe ich Geschichten erzählt.“ – Frank McCourt ist später Schriftsteller geworden und hat viele tolle Romane und Geschichten geschrieben. Seine Lieblingsgeschichte war und blieb aber immer die Geschichte mit dem Pausenbrot in seiner ersten Schulklasse. 

Nicht nur Pete und Andy, sondern alle Schüler in der Klasse haben in diesem Moment wohl erstmalig begriffen, dass Brot nicht nur irgendetwas ist, das einem die Mutter morgens in die Schultasche steckt. Nein, Brot ist mehr – Brot ist ein Lebensmittel, also ein Mittel zum Leben. Und dies hat ihnen ihr Lehrer nicht mit Hilfe einer theoretischen Abhandlung beigebracht, sondern indem er etwas vorgemacht hat, was er für richtig gehalten hat. Frank McCourt hat später gesagt: „Ich war der erste Lehrer in ihrem Leben, der ein Sandwich vom Boden aufgehoben und es vor versammelter Mannschaft verdrückt hat.“

Helfen wir mit bei der Bitte aus dem Vaterunser: „Unser tägliches Brot gib uns heute.“

Bleiben Sie behütet.

Jürgen Schwartz ist evangelischer Pastor in Lastrup und in Lindern.

Frank Willenberg

Ev. Schulpfarrer in Cloppenburg. Administrator dieser Website, die im Auftrag des Kirchenkreises erstellt wurde.