Lasst uns Sonnenblumen pflanzen…

Pastor Jürgen Schwartz aus Lastrup-Lindern schlägt vor, Sonnenblumen zu pflanzen.

Dazu ein Interview mit ihm:

Herr Schwartz, Wie sind Sie auf die Idee gekommen?

Wir müssen uns in dieser Zeit beschäftigen. Der Kontakt zu anderen Menschen muss sehr stark eingeschränkt werden …

… und dann sollen wir uns mehr der Natur zuwenden?

Genau. Es geht um ein Doppeltes: zum einen um das Hier und Jetzt; zum anderen um die Zukunft.

Wie meinen Sie das?

Wir brauchen jetzt eine sinnvolle Aufgabe; etwas, was wir tun können – für uns und für andere und auch für unsere Mit-Welt.

Und deshalb Sonnenblumenkerne einsetzen.

Es wird einige Zeit brauchen, ehe das erste Grün herauskommt; aber dann wird die Pflanze groß und größer. Und im Spätsommer wird sich eine schöne blühende Pracht zeigen, die uns signalisiert, dass das Leben weitergeht.

Die Aussicht ist herrlich.

Kinder und Erwachsene können Samenkörner einpflanzen, das Wachsen erleben. Man kann später messen und zum Beispiel ein Sonnenblumen-Tagebuch führen, in dem alle wichtigen Beobachtungen eingefügt werden.

Das kenne ich auch noch aus meiner Schulzeit. Da haben wir das mit Bohnen gemacht.

Das geht natürlich auch. – Wir lernen und erleben aber nicht nur das Wachsen, sondern auch Schweres.

Was soll dabei schwer sein? Ein bisschen Gießen, später das Hinauspflanzen in den Garten … das ist doch ganz einfach.

Schon, aber wir werden aller Voraussicht nach auch erfahren müssen, dass nicht jedes Samenkorn durchkommt. Leben und Sterben gehören zu unserem Menschsein mit dazu. Vor zwei Jahren haben die Schnecken in unserem Garten Party gefeiert und die kleinen Pflanzen als Buffet genutzt. 

Und wie soll das jetzt gehen?

Am schönsten wäre es, wenn man einen kleinen Blumentopf nimmt, ihn mit Erde befüllt und dann ein Samenkorn hinein legt. Man kann aber auch z.B. gebrauchte, ausgewaschene Joghurtbecher verwenden; jedoch sollte man unten mindestens zwei kleine Löcher – vorsichtig ! – hinein schneiden, damit überschüssiges Wasser abfließen kann und der Same nicht zu feucht wird. Und dann alles nach draußen stellen. Wenn man die Sonnenblumen in der warmen Wohnung vorzieht, dann besteht die Gefahr, dass sie zu schnell wachsen und später umknicken.

Und wenn es nachts in Gefrierpunktnähe kommt … dann sollte man den Topf beziehungsweise die Becher in die Garage stellen; und tagsüber wieder hinaustragen. Das ist eine verantwortungsvolle Aufgabe für die Kinder.

Und wie geht es dann weiter?

Es wird einige Zeit dauern, aber dann zeigt sich eine kleine Pflanze; manchmal ist die Hülle vom Samenkorn noch dran; die fällt aber später selbstständig ab.

Wie die Eierschale am gekochten Ei?

Ja. Nur mit dem Unterschied: die Pflanze „schüttelt“ selbst die Schale ab. Wenn später die Wurzeln aus dem Loch im Blumentopf oder aus dem Joghurtbecher hinausgehen, dann ist es Zeit, die Pflanze nach draußen in den Garten zu setzen und dort ihr Wachstum zu beschauen, zu begleiten und zu fördern.

Das scheint gar nicht so schwer zu sein. Dazu braucht man gar keinen „grünen Daumen“. Das alles geht natürlich auch mit Bohnen. Warum schlagen Sie vor, gerade eine Sonnenblume zu pflanzen? Es gibt doch so viele schöne andere Pflanzen.

Na klar, es ist möglich, auch anderen Samen mit den Kindern zusammen einzupflanzen. Aber eine Son-nenblume ist in vielfacher Hinsicht ein Gleichnis für unser Leben, und wir können viel von dieser Pflanze lernen.

Wie meinen sie das?

Die Sonnenblume ist wohl die einzige Pflanze, die ihre Blütenblätter nie zumacht. Auch wenn es regnet oder stürmt, bleibt sie offen. Wir verkriechen uns manchmal. Wenn es stürmisch wird, müssen wir es zum Teil auch tun – so wie jetzt gerade.

Das stimmt.

Die Sonnenblume macht noch ein Zweites. Die Sonnenblume richtet ihren Kopf immer nach der Sonne aus: Sie folgt dem Lauf der Sonne –  von Osten Richtung Süden und weiter in Richtung Westen. Sie gibt uns eine Empfehlung.

Eine Empfehlung? Einen Tipp?

Die Sonnenblume lässt uns danach schauen, wohin wir unser Leben ausrichten. Was ist wichtig in deinem Leben? Woher bekommst du Kraft und Stärke? Woran orientierst du dich?

So hatte ich das bis jetzt noch gar nicht gesehen. Das lässt mich ins Grübeln kommen – gerade in dieser Zeit.

Noch ein Drittes. Die Sonnenblume ist nicht für sich selber da. Sondern mit ihren gelben Blütenblättern erfreut sie uns und mit ihren Samenkörnern die Bienen und  viele andere Tiere. Die Sonnenblume zeigt uns, dass das Leben weitergeht und dass wir füreinander und miteinander leben.

Dazu fällt mir ein Satz ein: „…und wenn morgen die Welt unterginge, dann würde ich heute einen Apfelbaum pflanzen.“

Diese Redewendung, die zumeist Martin Luther zugeschrieben wird, zeigt, dass wir – gerade in diesen herausfordernden Zeiten – Zeichen der Ermutigung, des Lebens und der Hoffnung brauchen und selbst auch setzen sollten. Die Aktion „Wir pflanzen Sonnenblumen“ ist eine solche.

Das kann jeder und jede von uns machen. Wir haben eine Aufgabe. Wir kommen raus an die frische Luft. Wir finden einen neuen Zugang zu unserer Mit-Welt. Wir können uns später an der Farbenpracht freuen.

Und wir haben auch später den Samen für die Aussaat im kommenden Jahr.

Wie halten Sie das persönlich?

Seit vielen Jahren ziehe ich Sonnenblumen vor; den einen Teil setze ich später in den eigenen Garten; die Mehrzahl gebe ich an andere. Das will ich in diesem Jahr auch wieder machen – mit den Samenkörnern aus dem vergangenen Jahr. Das Trocknen und Überwintern der Körner ist eine eigene, neue Geschichte. Im letzten Jahr waren es über 300 Becher.

Vielen Dank für das Gespräch und die schöne Anregung und gutes Gelingen bei der Aussaat.

 

Frank Willenberg

Ev. Schulpfarrer in Cloppenburg. Administrator dieser Website, die im Auftrag des Kirchenkreises erstellt wurde.