GI-Sabine Prunzel

Geistliche Impulse von Pfarrerin Sabine Prunzel, Bösel und Visbel-Langförden

Liebe Lesende, waren Sie gestern beim Weltgebetstagsgottesdienst?

Wenn Sie jetzt mit „nein“ antworten, sage ich Ihnen: Sie haben wirklich etwas
verpasst. Sie haben verpasst, weltweit mit Menschen im Gebet und nicht nur über
Viren verbunden zu sein.
Hinter der Idee eines weltweiten Gebetstages steht die Überzeugung: „Informiert
beten und betend handeln“. Im Grunde ist es das Motto christlichen Handelns
schlechthin, informiert zu beten und betend zu handeln.
Jedes Jahr hören wir von Frauen eines anderen Landes. Gestern ging es um die
Menschen in Zimbabwe. Wir haben von ihren Problemen gehört und unterstützen sie
mit unserem Gebet und mit unserer Unterschrift, dass wir von Deutschland aus auf
die Zurückzahlung der Schulden verzichten wollen, damit von dem Geld in Zimbabwe
Krankenhäuser gebaut und Ärzte eingestellt werden können. Und wir unterstützen
sie mit Geld, das wir in den Gottesdiensten für ihre Projekte sammeln.
Immer wieder hören wir davon, wieviel Kraft das den Frauen gibt, dass sie weltweit
wahrgenommen und gehört werden.
Wie gut das tut, wenn uns jemand zuhört und mit uns solidarisch ist, wissen wir ja
selbst aus eigener Lebenserfahrung.
Das letzte Mal, dass der Weltgebetstag von Frauen aus Deutschland vorbereitet
wurde, war 1992. Da hatten Deutschland, Österreich und die Schweiz das Thema:
„In Weisheit mit der Schöpfung leben“. Das ist fast 30 Jahre her. Und wie aktuell ist
das Thema heute?
Die Frauen aus Zimbabwe haben uns gebeten für ihr Land zu beten, dass die
Herrschenden nicht in die eigene Tasche und das Land in den Ruin wirtschaften und
das Volk hungern oder die Heimat verlassen muss. Sie haben uns auch erzählt, was
gut in Zimbabwe funktioniert. Wo Lösungen für Probleme gefunden wurden. Junge
Frauen z.B., die sich weltweit mit anderen vernetzen. Kirchen haben dafür ihre
Räumlichkeiten und einen PC zur Verfügung gestellt, damit Frauen und auch Männer
das tun können.
Worum würden wir heute, wenn der Weltgebetstag von Deutschland aus vorbereitet
würde, weltweit um Solidarität bitten?
Ich würde mir Gebet und Unterstützung darin wünschen, dass wir uns als Land nicht
spalten lassen von Menschen, die einen Keil in die Gesellschaft treiben und
jahrzehntelang erkämpfte Grundrechte wieder aufheben wollen.
Und ich würde mir wünschen, dass in Umweltfragen Vernunft siegt und nicht
Lobbyismus und wirtschaftliche Interessen.
Dann würde ich davon erzählen, dass junge Menschen bei uns aktiv für ihre und
unsere Zukunft kämpfen. Dass alte Frauen, manche mit Rollatoren, in Bremen auf
die Straße gegangen sind mit Schildern „Omas gegen rechts“. Ich würde davon
erzählen, was wir ausprobiert und für praktikabel befunden haben, um die Plastikflut
einzudämmen und wo wir uns einschränken ohne dass wir deswegen schlechter
leben müssten. Ideen, die wir im weltweiten Netz gefunden haben.
Nach dem Weltgebetstag ist vor dem Weltgebetstag: der nächste ist -wie immer- am
ersten Freitag im März.
Sabine Prunzel
Pfarrerin in Bösel und Visbek – Langförden