GI-Jürgen Schwartz

Geistliche Impulse von Pfarrer Jürgen Schwartz, Lastrup und Lindern

 

Und es hat „Zoom“ gemacht…

Tag ein, Tag aus –  immer dasselbe. Über tausendmal bist du schon den Weg zur Schule oder zur Arbeit gegangen. Immer der gleiche Trott. Nichts Besonderes. Aber dann fällt dir eine Sache auf, die dir bisher noch nie aufgefallen ist: War das immer schon da oder ist das neu?

Den Film kannst du fast mitsprechen und dennoch fällt dir plötzlich ein Detail auf, das du vorher noch nie beachtet hast.

Oder es ist so, wie Klaus Lage es vor vielen Jahren besang: zusammen aufgewachsen, vielleicht immer in derselben Klasse gewesen und auf einmal stellst du fest: Oh, mit diesen Augen habe ich sie oder ihn noch gar nicht gesehen.

Dieses genaue Hinschauen mit Aha-Effekt bezeichnet Klaus Lage mit: „Es hat Zoom gemacht“; ein Geistesblitz von oben. Schlagartig wird einem etwas Neues klar.
„Zoom“ – das Wort kennen wir alle, und wir praktizieren es täglich, wenn wir mit Daumen und Zeigefinger gleichzeitig über das Display von unserem Smartphone wischen, um Dinge zu vergrößern, um genauer hinzuschauen, um zu zoomen.

Manchmal wünschen wir uns ein solches „Zoom-Erlebnis“ im Alltag. Endlich geht dir ein Licht auf. „Zoom“ – und wir verstehen das Antragsformular. „Zoom“ – und die Vokabeln sind kein Problem mehr. „Zoom“ – und wir verstehen die Kinder. Leider ist das mit dem „Zoom“ nicht ganz so einfach; nur auf dem Smartphone geht das mit zwei Fingern.

Manch einer wünscht sich auch ein „Zoom–Erlebnis“ in Bezug auf seinen Glauben. Wir hören zwar Predigten von Gott, aber irgendwie hat es noch nicht „Zoom“ gemacht.

Eine „Zoom-Geschichte“: Als Jesus gestorben war, machen sich zwei seiner Freunde traurig auf den Weg nach Hause. Da gesellt sich ein Mann zu ihnen, und sie reden über das, was sie bewegt. Als es Abend wird, beschließen sie, gemeinsam zu essen. Und dann macht es bei den zwei Jüngern „Zoom“. Erst jetzt erkennen sie, dass die dritte Person der auferstandene Jesus ist (nach Lukas 24,13-32).
Bei uns im Alltag ist es vielleicht ähnlich. Manchmal fühlen wir Gott nicht; manchmal scheint er weit weg zu sein. Zwar versuchen wir, möglichst im Sinne Jesu zu leben, oft zu beten … aber trotzdem: es macht nicht „Zoom“;  wir spüren ihn nicht. – Gott ist anders als wir Menschen uns ihn vorstellen, und manchmal macht es auch erst hinterher „Zoom“,  und wir erkennen, dass Gott doch da war, dass er ganz nah bei uns war und wir nur auf das falsche Detail „gezoomt“ hatten. Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim „Zoomen“ – und viel Erfolg beim Entdecken von Gottes Spuren in Ihrem Leben. Bleiben Sie behütet.

Aus der Schwäche zur Stärke

Manchmal ist es gar nicht so einfach, sein Leben zu leben. 

Manchmal kann man den Eindruck gewinnen, als habe sich jeder und alles gegen einen verschworen. Wie kann man da wieder herauskommen, wo alles aussichtslos scheint?

Eine alte Geschichte aus dem Mittelalter erzählt von einer solchen Situation.

Ein einflussreicher Mann begeht ein großes Unrecht; um seine schlimme Tat zu vertuschen, sucht er zum einen nach einem Sündenbock; zum anderen besticht er seine möglichen Verfolger. Obwohl der unschuldige Mann in den Verhören immer und immer wieder seine Unschuld beteuert, wird er angeklagt. Auch der Richter wurde bestochen. Um den Schein eines gerechten Urteils zu wahren und „seine Hände in Unschuld waschen zu können“, sagt er zu dem Angeklagten: „Da mir dein Ruf als ordentlicher und verantwortungsvoller Mann bekannt ist, werde ich dein Glück in Gottes Hände legen. Ich werde auf jeweils ein Stück Papier die Worte ‚Schuldig‘ und ‚Unschuldig‘ schreiben. Du wirst wählen, und das wird die Vorherbestimmung, dein Urteil, sein.“

Der Richter hatte aber zwei Papiere mit demselben Wort vorbereitet: ‚Schuldig‘. Dem Angeklagten war klar, dass dieses nette Angebot eine Falle war – selbst ohne die Einzelheiten zu kennen. Als der Richter ihm die Papiere hinhielt, atmete der Mann tief durch, schloss die Augen, wartete einen Moment und … – im Gerichtssaal war es ganz still; alle waren gespannt und schauten auf die ausgestreckte Hand des Richters.

Als der Angeklagte die Augen wieder öffnete, nahm er ein Blatt aus der Hand des Richters, legte es in seinen Mund  und verschluckte es.

Ein Raunen ging durch den Gerichtssaal. Alle schauten sich erstaunt und zugleich aufgebracht an; einer sagte laut: „Was hast du gemacht?! Wie sollen wir nun das Ergebnis wissen?“

Der Angeklagte sagte: „Ganz einfach. Lest einfach den übrig gebliebenen Zettel; dann wisst ihr, was auf dem Zettel stand, den ich verschluckt habe.“

Mit einem Grummeln und heimlichem Ärger musste der Richter den Angeklagten frei sprechen und laufen lassen; dieser wurde nie wieder belästigt.

Es gibt schwierige Situationen in unser aller Leben. Nicht aufzuhören, um nach einem guten Ausweg zu suchen, bleibt eine ständige Herausforderung. Aus mancher Schwäche kann – bei Nachdenken und mit ein bisschen Phantasie – vielfach ein Vorteil erwachsen. Es braucht die Vorstellung, dass es gut werden kann. Es braucht die Hoffnung, dass es gelingen kann. Es hilft das Wissen und der Glaube: „Meine Zeit steht in deinen Händen.“ (Psalm 31,16).

Bleiben Sie behütet.

What a wonderful world…

Im Radio spielen sie gerade das Lied „What a Wonderful World“ von Louis Daniel „Satchmo“ Armstrong. 

 

Ohne Zweifel, es ist ein ungewöhnliches, ein besonderes Lied. Auch wenn es kein Kirchenlied ist und auch in keinem Gesangbuch zu finden ist, ist es dennoch ein Lobgesang; ein Gegengewicht gegen alles, was an Bedrückendem auch da ist. Ein Lobgesang auf Gottes bunte Schöpfung. Es stammt aus einer Zeit, in der vielen Menschen nicht zum Singen zumute war.

Als die Menschen gegen Rassismus und den (Vietnam-)Krieg demonstrierten, hatte der Trompeter und Jazzmusiker Louis Armstrong dieses Lied erstmalig gesungen. Das war 1967. Mit seiner unverwechselbaren, herben Stimme singt er – voller Freude und aus tiefer Dankbarkeit – das Lob der Schöpfung in friedloser Zeit: „What a Wonderful World!“

„Ich sehe grüne Bäume, rote Rosen – sie blühen für dich und mich. Und ich denke so bei mir: was für eine wunderbare Welt!
Ich sehe den blauen Himmel, weiße Wolken, den vom Licht verwöhnten Tag und das ehrwürdige Dunkel der Nacht – und ich denke mir: was für eine wunderbare Welt!

Die Farben des Regenbogens, die sich am Himmel so hübsch ausmachen,
spiegeln sich in den Gesichtern der Menschen wider, die ihn sehen.
Ich sehe Freunde, die sich mit „Na, wie geht’s?“ begrüßen – was sie eigentlich meinen ist: „Ich liebe dich!“

Ich höre kleine Babys schreien, sehe, wie sie aufwachsen – sie werden eines Tages mehr lernen, als ich je gewusst habe.
Und dann denke ich mir: was für eine wunderbare Welt!“

Vielleicht fragt sich jetzt der eine oder andere: Ist das nicht ein bisschen naiv – gerade angesichts dessen, was um uns herum an Schrecklichem da ist? – Ich denke, naiv wäre das Lied nur dann, wenn der Sänger seinen Blick von dem abwenden würde, was in der Welt geschieht. Das tut er aber nicht. Vielmehr singt er gegen alle Schreckensbotschaften den Lobgesang auf das Leben. Er macht dies in der Zuversicht, dass es so viele Dinge gibt, die wunderbar sind und bleiben: das Grün der Bäume und das Rot der Rosen; das Brabbeln der kleinen Babys, die die Kraft ihrer Stimme erproben, und die Freunde und Nachbarn, die mich begrüßen.

Und das Lied erzählt davon, wie die Farben des Regenbogens am Himmel die Gesichter von uns Menschen verzaubern. Oder mit anderen Worten: das Schöne, von dem ich mich berühren lasse, und die Melodien, die mich ergreifen, entfalten ihre je eigene Kraft, so dass ich gerne mit einstimme in diesen Lobgesang, der – gegen allen Augenschein – behauptet: „What A Wonderful World!“ Bleiben Sie behütet.

Mit Rückenwind

Beim Abendessen mit Freunden. „Puh, das war anstrengend…

Die ganze Strecke über hatten wir nur Gegenwind. Die Rundtour mit den Fahrrädern war schön, aber der Wind … er kam immer von vorne.“, erzählt der Gastgeber. Vorsichtig fragt jemand zurück: „… nicht einmal ein bisschen Rückenwind?“

Warum finden viele Menschen, dass sie es besonders schwer haben? Im Leben. Im Beruf. In ihren Beziehungen. Woher kommt dieses subjektive Gefühl, selbst wenn es einem objektiv eigentlich gut geht?

Einen Grund sehen Forscher darin, dass Widrigkeiten einem leichter in Erinnerung bleiben und glückliche Fügungen dagegen eher aus dem Gedächtnis verschwinden. Ihre Beobachtung nannten die Wissenschaftler die „Asymmetrie von Gegenwind und Rückenwind.“ Es sei wie beim Fahrradfahren. Wenn man bei einer Tour mit Gegenwind zu kämpfen hat, wünscht man sich nichts sehnlicher, als dass diese Quälerei bald aufhören möge. Schiebt einen hingegen der Wind von hinten, dann empfindet man das einerseits kurzfristig als angenehm; andererseits vergisst man es aber genauso schnell wieder. In der Rückschau bleibt die Erinnerung, dass man es einmal wieder besonders schwer hatte. – Und so ist es häufig. Die Widrigkeiten des Lebens bleiben eher haften.

Muss das so sein? Muss das so bleiben? Beim evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer las ich: „In der Dankbarkeit gewinne ich das rechte Verhältnis zu meiner Vergangenheit. In ihr wird das Vergangene fruchtbar für die Gegenwart.“

Das bedeutet: Die Dankbarkeit dient als Erinnerung an den Rückenwind, der mir zuteil wurde. Es ist ein Geschenk für das Unerwartete, für Hilfe und Kräfte, die ich geschenkt bekam.

So kann ich erkennen, dass jeder Tag ein Geschenk, ein Glücksfall, ist; dass vieles, was wir als so selbstverständlich hinnehmen, gar nicht ist: die Luft, die wir atmen, dass wir „Händ und Füße, Zung und Lippen regen“ (Evangelisches Gesangbuch 447,3). Auch  wenn nicht jeder Tag gut ist, so gibt es doch jeden Tag etwas Gutes; das kann ich aufheben und in meine Schatzkiste der Erinnerung legen: Das Licht des frühen Morgens.  Das Frühstück, das ich genieße. Die Anwesenheit von Menschen, die mir zugeneigt sind. Eine Musik, die mich glücklich macht. Ein gutes Wort, das ermutigt. Alles in allem: Jeden Tag eine frische Brise Rückenwind!  

In der Sprache der Bibel bedeutet übrigens Wind dasselbe wie Geist. Beide beleben das Leben auf ihre je eigene Weise. Das ist eine schöne Beschreibung für den Heiligen Geist: der Geist Gottes als Rückenwind! In diesem Sinn wünsche ich Ihnen kräftigen Rückenwind!

Bleiben Sie behütet.

Suchet der Stadt Bestes…

Mitten hinein in die neuen Herausforderungen und zwischen die Corona-Eilmeldungen spricht mich ein Wort aus dem Alten Testament an. Beim Propheten Jeremia heißt es:
„Suchet der Stadt Bestes und betet für sie“. (Jeremia 29,7).
Für mich bedeutet das unter anderem: Verantwortung vor Gott und den Menschen!Das markiert dieser Satz. Und das gilt in besonderer Weise in den Herausforderungen unserer Tage.
Wie durch ein Brennglas gesehen bündeln sich in dieser Situation menschliche Verhaltensweisen der positiven wie der negativen Art. Neben der Haltung „Jeder ist sich selbst der Nächste“ gibt es Mut machende Beispiele der Verantwortungsübernahme für andere. Und so möchte ich Danke sagen:

  • Danke an all diejenigen, die dafür sorgen, dass Kranke, Alte und Menschen mit Behinderung versorgt werden.
  • Danke an all diejenigen, die die Supermärkte beliefern, die Kartons auspacken und Waren einsortieren.
  • Danke an die Lehrerinnen und Lehrer, Erzieherinnen und Betreuungskräfte, die zur Notversorgung für Kinder bereitstehen.
  • Danke an die Politikerinnen und Politiker, an die Verwaltungskräfte Mitarbeitenden, die sich hoffentlich gut beraten lassen und Entscheidungen treffen, die uns helfen.
  • Danke an die Mitarbeitenden bei Zeitung und Radio, im Fernsehen und in den „sozialen Kanälen“, die ihren Dienst machen und uns Nachrichten liefern.
  • Danke an die Paketdienste und die Postzustellenden, die uns versorgen mit Sachen, mit Briefen und Mitteilungen.
  • Danke an die Notdienste bei Feuerwehr, Polizei, Telefon und Heizung.

Ich könnte noch lange weitermachen. Und merke: Eigentlich ist das ganz einfach, „Danke“ zu sagen. Deswegen möchte ich mich heute einfach nur bedanken.Bei all denjenigen, die in dieser schwierigen Zeit ihren Mann und ihre Frau stehen. Bei all denen, die dafür sorgen, dass ich auch in Krisenzeiten sicher bin: Es wird weiter gehen.

Und ich merke: Mein Dank reicht noch weiter:

  • Danke sage ich meiner Familie und meinen Freunden. Ganz egal, wie blöd ich mich verhalten habe; sie waren für mich da.
  • Danke sage ich unseren Nachbarn für die kleinen Gespräche quer über den Gartenzaun. Sie gaben und geben mir ein Gefühl von Heimat und Vertrautheit und Normalität.
  • Danke sage ich meinen Kollegen, dass wir unterschiedlicher Meinung sein können und uns trotzdem immer wieder unterstützen.

Und ich bedanke mich heute bei all denen, die Trost spenden; die Hoffnung geben;die einfach da sind; die Einkäufe für andere erledigen; die anrufen und fragen: „Wie geht es Dir?“; die eine Nachricht auf das Handy schicken oder eine E-Mail schreiben … und so ein Lebenszeichen senden und Anteilnahme zeigen.

Danke.

All das sind Zeichen der Sorge für den Nächsten. Das ist Eintreten für den Nächsten.

Das ist Barmherzigkeit und Nächstenliebe pur. Gerade jetzt geht es nicht um ängstliche Hysterie, sondern um ein Handeln in Nächstenliebe und in ruhiger Verantwortlichkeit.

Gut überlegte Maßnahmen und die tägliche Situationsanalyse auf der einen Seite und das Gebet für erkrankte und gesunde Menschen auf der anderen Seiten – beides gehört zusammen.

Manch einer denkt an den Liedvers von Jochen Klepper: „Die Hände, die zum Beten ruhn, die macht erst stark zur Tat. Und was der Beter Hände tun, geschieht nach seinem Rat.“ (Evangelisches Gesangbuch, EG 457,11)

Darum: „Suchet der Stadt Bestes und betet für sie.“

Bleiben Sie behütet.

 

Kraft, Liebe und Besonnenheit

Liebe Leserinnen und Leser,

in dieser Zeit hilft mir ein Mutmach-Wort aus dem Neuen Testament, das ich gerne weitergebe:

 „Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit (2.Timotheus 1,7).

Kraft, Liebe und Besonnenheit – diese drei Tugenden und Haltungen brauchen wir im öffentlichen und im privaten Bereich.

Die Liebe drängt nach der Umarmung oder zumindest dem Handschlag. Die Besonnenheit lässt uns das freundliche Zunicken vorziehen – oder auch den Stups mit dem Ellenbogen als neue Form der Begrüßung.

Die Liebe zeigt uns aber ganz bestimmt den richtigen Weg. Die Liebe sagt: Rücksicht auf andere ist wichtiger als die eigene Gelassenheit.

Wenn wir jetzt unerwartet mehr Zeit haben durch abgesagte Veranstaltungen – oder weil wir zuhause bleiben müssen, dann können wir sie nutzen für Besinnung, Gebet, für das Lesen in der Bibel und im Gesangbuch.

Wir denken an die Menschen, die gesundheitlich mit den Folgen des Virus kämpfen. Wir denken auch an die Menschen, die spürbar unter den wirtschaftlichen Konsequenzen des Virus zu leiden haben. Menschen haben Angst um ihren Arbeitsplatz. Geschäftsleute bangen um das wirtschaftliche Überleben.

Für sie alle und für uns selbst wollen wir beten:

 „Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden. Amen.“

Kein Zweifel: Der Corona-Virus und seine gravierenden Folgen fordern uns heraus.

Den wissenschaftlichen Forschergeist, um einen Impfstoff zu finden.

Den verantwortlichen Umgang miteinander.

Auch den zeitweiligen Verzicht oder auf Änderungen im Blick auf beliebte Veranstaltungsformate. Bei Sport und Unterhaltung, in den Vereinen und in den Kirchen.

Aber wir müssen Gott deshalb nicht außen vorlassen. Zukunft hat Gott diesem Planeten und allen, die auf ihm leben, zugesagt. „Solange die Erde steht, sollen nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht“ (1.Mose 8,22). Das war Gottes großer „Deal“ mit den Menschen; das ist Gottes bleibende, lebensfreundliche Zusage nach der großen Flut.

Jedoch: Wir Menschen müssen das unsere mitbeitragen. Wir müssen die Erde zu unserem Schonraum, zu unserer Mit-Welt, erklären. Wir müssen unserer Bewahrungsverantwortung gerecht werden.

Mitnichten deutet sich der Untergang der Welt an – da gibt es andere, gefährlichere Themen, Gott sei es geklagt – sondern die Notwendigkeit der Intensivierung unserer Fürsorge für diesen Lebensraum – nicht nur für unsere Um-Welt, sondern für unsere Mit-Menschen, eben für unsere Mit-Welt.

Wir lernen neu, dass nichts selbstverständlich ist. Das Leben ist – alles in allem – ein Geschenk; es ist eines, das nicht selbstverständlich ist; wir sollten mit ihm sorgsam umgehen. Diese Einsicht bleibt. Oder: sie muss neu in Erinnerung gerufen werden. Auch dann, wenn die Corona-Krise überstanden ist. Vielleicht gerade dann erst recht!

Als Christinnen und Christen leben wir nicht aus der Angst, sondern aus dem Vertrauen. Bei allem, was jetzt an Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen ist, wissen wir: „Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“

Das ist die beste Voraussetzung, jetzt das Richtige zu tun, um Gefahren für die Zukunft zu vermeiden und gleichzeitig tief in der Seele zu spüren: „Gott ist bei uns – am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“ Auf ihn vertrauen wir, egal, was kommt.

Bleiben Sie behütet.

Zielorientiert handeln

Liebe Leserinnen und Leser!

Wie schaffen wir es, unser Ziel zu erreichen? Das, was wir uns vorgenommen haben, was wir uns ersehnen: einen guten Abschluss in der Schule, die Fertigstellung eines Projektes oder …? – Eine kleine Geschichte hilft dabei.

Eines Tages entschieden die Frösche, einen Wettlauf zu veranstalten. Um es besonders schwierig zu machen, legten sie fest: Gewinner sei derjenige, der den Balkon von dem höchsten Schlossturm als Erster erreiche. Am Tag des Wettlaufes versammelten sich viele weitere Frösche in der Nähe des Schlossteiches, um zuzusehen. Endlich ging es los.
Nun war es so, dass keiner der zuschauenden Frösche wirklich glaubte, dass auch nur ein einziger der teilnehmenden Frösche tatsächlich das Ziel erreichen könne. Statt die Läufer anzufeuern, riefen sie: „Oje, die Armen! Sie werden es niemals schaffen!”; andere sagten: „Das ist einfach unmöglich!”, und wieder andere schüttelten nur den Kopf und sagten: „Das schafft Ihr nie!”

Und tatsächlich schien es so, als sollte das Publikum Recht behalten, weil nach und nach immer mehr Frösche aufgaben. Das Publikum schrie weiter: „Oje, die Armen! Sie werden es niemals schaffen!” Und wirklich: bald gaben alle Frösche auf … alle, bis auf einen einzigen. Dieser versuchte unverdrossen, an dem steilen Turm hinauf zu kletterten. Einige im Publikum amüsierten sich, andere schüttelten erneut den Kopf über so viel Uneinsichtigkeit.

Doch dann … geschah es: Der Frosch erreichte als einziger das Ziel.
Die Zuschauerfrösche waren vollkommen verdattert. Wie war das möglich?!

Nachdem der Siegerfrosch wieder unten war, stürmte eine ganze Schar von Froschreportern auf ihn zu und überhäufte ihn mit Fragen; alle wollten wissen: Wie haben Sie das geschafft, den Wettlauf zu gewinnen? – Alle Kameras, Scheinwerfer und Mikros waren auf ihn gerichtet. Es wurde mucksmäuschenstill. Die Spannung stieg. Da zog der Siegerfrosch umständlich seine Ohrstöpsel heraus  und bat darum, die Frage zu wiederholen. Ein Raunen und ungläubiges Staunen ging durch den Menge. Der Sieger war taub beim Lauf … Der Siegerfrosch zog seine Jacke an und drehte sich um. Die Kamera schwenkte auf den Text, der auf dem Rücken stand: „Sei mutig und entschlossen. Fürchte dich nicht; und lass dich durch nichts erschrecken. Denn ich, dein Gott, bin bei dir, wohin du auch gehst.“ (Josua 1,9). Bleiben Sie behütet.

Umwege

Liebe Leserinnen und Leser,

er sitzt am Fenster mit seinem Laptop, neben ihm ein Taschenkalender mit Adressverzeichnis. „Setzen Sie sich“, sagt er zu mir. Den Ständer mit dem Tropf schiebt er beiseite. „Es war nur eine kleine Attacke. Ich bin zur Beobachtung hier. Nichts Ernstes. Ein bisschen Arbeit habe ich mir mitgenommen; man kann sich ja nicht gehen lassen.“

Eine Woche später liegt er auf der Intensivstation. Als er mich sieht, lächelt er. „Es ist doch ernster. Sie haben einen Umweg um mein Herz gelegt. – Nun muss ich wohl auch einen Umweg nehmen.“ Er zeigt auf die Schläuche und Kabel. „Jetzt haben sie mich an die Kette gelegt“. Traurig und blass sieht er aus.

Mein Blick wandert, und ich entdecke eine Postkarte. „Lesen Sie ruhig. Die ist von meinen Kollegen aus der Firma.“ Ich lese: „Lieber Erhard, wir vermissen dich. Aber lass dir alle Zeit, um gesund zu werden. Wir brauchen dich. Deine Kollegen.“ Er strahlt über das ganze Gesicht. „Das tut richtig gut“, sagt er.

Die einen haben keine Arbeit, die anderen haben zu viel. Da gibt es Angst vor Unterbrechungen. Solange es noch geht, besteht kein Grund zum Innehalten, gibt es keinen Grund zur Pause. Es gibt noch so viel zu tun. Packen wir es an.

So sah es lange auch Erhard, bis es nicht mehr ging. „Jetzt bin ich an die Kette gelegt. Sie haben einen Umweg um mein Herz gelegt. Nun muss ich auch einen Umweg machen.“

Er musste wohl diesen Umweg gehen, um eine solche Postkarte mit diesen lieben Zeilen zu bekommen – Zeilen, die der Seele gut tun. Es gibt offensichtlich noch mehr als nur die Arbeit und die Verpflichtungen. So gibt es auch Gefühle. Zuneigung, Sympathie und Freundlichkeit gehören auch zu unserem Leben.

Manchmal ist eine Krankheit auch eine Chance zu einem Neubeginn und zu einer Änderung. Es gibt Hilfen für diese Änderung, lange vor dem Infarkt: Ein Gespräch mit einem Menschen meines Vertrauens, das Beten, ein Gottesdienst: das Hören auf alte Worte, die tragen und Mut geben – wie etwa Jesu Wort: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“

Bleiben Sie behütet.

Durch Mark und Bein

Der Schrei war so fürchterlich, so laut und so grässlich, so herzzerreißend und erschütternd, dass er mir durch „Mark und Bein“ ging.

Das Quietschen der Kreide auf der Tafel habe ich noch im Ohr, als ein Mitschüler zitternd die Aufgabe zu lösen versuchte.

Doch ich erinnere mich auch an den wohlig warmen Klang der Melodien, die die Gedanken in die Höhe mitnahmen; und an das liebe, fürsorgliche Lächeln und die helfende Hand mit den anteilnehmenden Worten am Krankenlager: „Schön, dass es dich noch gibt.“

Jeder und jede kennt Situationen, die einen – bis ins tiefste Innerste – erschüttern im Negativen oder auch im Positiven anregen; und wir erinnern uns an das Gefühl, wenn uns diese Gegebenheit dann durch „Mark und Bein“ geht: Ein Schauer läuft einem den Rücken herunter, entweder ein kalter oder ein wohlig warmer, oder wir bekommen Gänsehaut.

Das, was uns zur Redewendung geworden ist, stammt aus der Bibel. Dort geht „Gottes Wort“ durch „Mark und Bein“. Im Hebräerbrief heißt es: „Denn das Wort Gottes ist lebendig und kräftig und schärfer als jedes zweischneidige Schwert und dringt durch, bis es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein …“ (4,12).

Manchmal sind die biblischen Worte und Geschichten auch so: herausfordernd, ermutigend, entlarvend, wegweisend … – Es gibt Worte, die sind schön wie eine Melodie. Sie bringen etwas in uns zum Klingen. Sie berühren uns und bewegen uns. Und auch wenn die Worte verweht sind und die Silben verstummt, dann ist sie noch in uns, diese Melodie, uns begleitend und erfüllend, wo vorher nur Leere oder Stummheit waren oder Sorge und Gereiztheit oder ein Wust von Gedanken.

Es gibt Worte, die sind schön wie eine Melodie. Sie handeln nicht nur von Freude; sie handeln auch von Schmerz, von der Trauer darüber, nicht gelebt zu haben oder nicht leben zu können; von der Fröhlichkeit, da zu sein; von der Freude, auf dem Weg des Lebens zu sein – auch im Angesicht von Klage und Leid. Für mich selbst gehört Jesu Ruf dazu: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“ (Matthäus 11,28).

Worte, die uns umwerben, uns gewinnen wollen. Es ist eine Einladung zum Leben; eine Melodie, die auf Zukunft hin verweist. Wir werden auf unsere Sehnsucht angesprochen … erlösend, befreiend, belebend. Ein wohliger Schauer läuft über den Rücken, ein Glücksgefühl breitet sich im Bauch aus … es geht eben durch „Mark und Bein“.

Vier-Punkte-Programm

Liebe Leserinnen und Leser,

nein, keine weitere Neujahrsansprache, sondern vier Tipps für unser Leben, für unser Zusammensein in Familie und Gesellschaft und für unseren Umgang mit unserer „Mit-Welt“. Sie stammen von Erich Kästner, dem Schriftsteller, der „Emil und die Detektive“, „Das fliegende Klassenzimmer“ und viele andere tolle Romane und Geschichten schrieb.

In all den Veränderungen braucht es Fixpunkte, von denen aus wir uns den Herausforderungen stellen, um gemeinsam die Zukunft zu gestalten, denn: „Jeder kann es spüren, wann die Mitverantwortung neben ihn tritt und schweigend wartet, dass wir handeln, helfen, sprechen oder uns weigern oder gar empören – je nachdem. Und wenn wir es nicht fühlen, so müssen wir es eben lernen.“

Jedoch: Wie geht das – angesichts so vieler verschiedener, zum Teil einander widersprechender Meinungen? Erich Kästner erinnert an den alten Archimedes. Dieser suchte für die physikalische Welt einen festen Punkt, von dem aus er sich zutraute, die Welt aus den Angeln zu heben. Nun aber, so meint Kästner, käme es darauf an, die politische, wirtschaftliche, soziale und moralische Welt in die richtigen Angeln hinein zu heben.

Und er benennt dafür „vier archimedische Punkte“.

Erstens. Jeder Mensch höre auf sein Gewissen. Denn das Gewissen ist wie eine Uhr, deren Ticken man zwar überhören kann, die aber meistens richtig geht.

Zweitens. Jeder Mensch suche sich Vorbilder. Einen Menschen, der im richtigen Augenblick gesagt und getan hat, wovor wir manchmal zögern.

Drittens. Jeder Mensch erinnere sich seiner Kindheit. Sich ihrer zu erinnern, heißt nämlich, ohne lange überlegen zu müssen, was gut und böse, was echt und falsch ist.

Viertens. Jeder Mensch erwerbe sich Humor. „Der Humor … lehrt uns die wahre Größenordnung und die gültige Perspektive. Er macht die Erde zu einem kleinen Stern, die Weltgeschichte zu einem Atemzug und uns selber bescheiden.“

Diese Empfehlungen von Erich Kästner atmen biblischen Geist: Das Gewissen als Kompass; das rechte Wort zur rechten Zeit; die Vergewisserung, was gut und böse ist; und schließlich der heitere Abstand zu sich selbst.

Das sind, wie ich meine, gute Wegweiser, an denen wir uns orientieren können – wie an dem von Gott gesandten Stern in dunkler Nacht. – Bleiben Sie behütet.

Karotten, Eier  und Kaffeebohnen – Über den Umgang mit Problemen

Die Haustür knallte. Der Rucksack flog in die Ecke unter der Treppe. Stampfend und wutschnaubend kam er in die Küche. „Die sind doof. Das Leben ist ungerecht. Das ist mir alles zu viel“, so brach es aus ihm heraus.

Sie setzte sich zu ihm, hörte zu und versuchte, ihn zu trösten. Doch es gelang nicht.

Da nahm sie drei gleich große Töpfe, füllte sie halbvoll mit Wasser, stellte alle auf den Herd und brachte alle zum Kochen. Dann füllte sie den einen Topf mit Karotten und den zweiten mit Eiern; das heiße Wasser aus dem dritten Topf schüttete sie in ein Gefäß mit gemahlenen Kaffeebohnen. Nach einiger Zeit schüttete sie die Karotten durch ein Sieb, holte die Eier heraus und füllte den Kaffee in eine große Tasse. Sie fragte ihr Gegenüber: „Was siehst du?“

Er sagte: „Karotten, Eier und Kaffee.“ Sie forderte ihn auf: „Nun nimm die Karotten in deine Hand und fühle sie. Anschließend schäle die Eier und nimm diese in die Hand und sag mir, was du gefühlt hast.“ Nachdem er es gemacht hatte, sagte er: „Während die Karotten weich sind, sind die Eier hart.“ Sie forderte ihn nun auf, einen Schluck Kaffee zu trinken.

Er tat es. Auch wenn ihm dieser sehr schmeckte, fragte er, immer noch gestresst von den vorherigen Erlebnissen: „Was soll das?“

Sie sagte: „Sowohl die Karotten als auch die Eier und der Kaffee waren im heißen Wasser. Jedoch haben alle darauf ganz unterschiedlich reagiert. Die Karotten waren anfangs hart und wurden durch das heiße Wasser weich. Die ungekochten Eier sind zerbrechlich und innen weich; nach dem Wasserbad wurden sie hart. Der gemahlene Kaffee hat sich aufgelöst und das Wasser in aromatischen Kaffee verwandelt.“

„Ja, und?“, fragte er ein wenig genervt zurück.

„Schau“, sagte sie: „Die Frage lautet: Wie gehst du mit Problemen um? Wie eine Karotte, wie ein Ei oder wie eine Kaffeebohne? Verhältst du dich wie eine Karotte, die zuerst stark zu sein scheint; aber wenn sie mit Problemen in Berührung kommt, weich wird und ihre Stärke verliert? – Oder reagierst Du wie die Eier? Du hast ein weiches Herz, das allmählich versteinert und ganz hart wird, wenn Probleme auftauchen. – Oder ähnelst Du den Kaffeebohnen, die das heiße Wasser nutzen, um es in Kaffee zu verwandeln?

Hab einen anderen Blick auf die Dinge. Sieh die Probleme als Chance, um daraus etwas Neues zu machen.“

Er schaute sie lange an, dann lächelte er und gab ihr einen Kuss auf die Stirn.

Übrigens: diesen Tipp habe ich von dem Apostel Paulus; er schrieb: „Passt euch nicht den Maßstäben dieser Welt an. Lasst euch vielmehr von Gott umwandeln, damit euer ganzes Denken erneuert wird.“ (Römer 12,2). – Bleiben Sie behütet.