GI-Holger Ossowski

Holger Ossowski, Pfarrer in Garrel

Geistliche Impulse von Pfarrer Holger Ossowski, Garrel

Liebe Leserinnen und Leser,

wer fühlt sich schon gern übergangen? Jeder möchte doch wahrgenommen werden und zu seinem Recht kommen. Besonders dann, wenn es darum geht, genügend zum Essen und zum Trinken zu erhalten. Eine ungerechte Verteilung der Gaben kann sozialen Unfrieden bewirken: „In diesen Tagen aber, als die Zahl der Jünger zunahm, erhob sich ein Murren … , weil ihre Witwen übersehen wurden bei der täglichen Versorgung.“ (Apg 6,1) Der Ruf nach den Verantwortlichen wird schnell laut: Die Anderen sollen es richten!

 Die Apostel sehen das Problem und nehmen es ernst: aber weder entschuldigen sie sich noch versprechen sie voreilig eine sofortige Abhilfe. „Ganz schön hartherzig“, mögen da manche meinen. Doch die Apostel sehen nicht vordergründig auf die vorhandene Not, sondern nehmen sich vielmehr die Zeit, eine nachhaltige Regelung zu finden. Und dazu berufen die Zwölf den Jüngerkreis ein und beteiligen ihn an der Lösung. Für die Apostel selbst steht fest, dass sie sich allein auf die Verkündigung des Wortes Gottes konzentrieren wollen. Deshalb muss der Tischdienst von vertrauenswürdigen Personen ausgeführt werden. Damals waren es sieben Männer „ … die einen guten Ruf haben und voll Heiligen Geistes und Weisheit sind …“ (Apg 6,3)  In der Apostelgeschichte wird uns gezeigt, wie eine Gemeinde bei Schwierigkeiten für sich zu sorgen weiß. Ihre Kraft für ihr Handeln schöpft sie aus dem Gebet. Die Apostel wissen, dass Jesus sie zum Dienen rief. Sie sollen nicht weniger Diener sein als jene neu gewählten Sieben. Daran erinnert der Wochenspruch: „Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern [und Schwestern], das habt ihr mir getan.“ (Mt 25,40) Gott selbst ist es, der uns in unserem Nächsten ständig begegnet.

Göttlicher Beistand rückt in die Nähe Gottes

Liebe Leserinnen und Leser, viele von uns sind es gewohnt, sich ihre Wünsche möglichst selbst zu erfüllen. Im digitalen Zeitalter ist das noch leichter: online bestellen und bezahlen. Oft wird die Ware dann als Paket schon am nächsten Tag direkt nach Hause geliefert.

Und doch gibt es Dinge, die wir uns nicht kaufen können, sondern um die wir bitten müssen. Dazu gehört der Segen: „Der HERR segne dich und behüte dich; der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden“, lautet der priesterliche Segen im Alten Testament (4. Mose 6, 24- 26).

Nach biblischem Verständnis ist es allein Gott, der durch die Worte und Hände der Menschen den Segen weitergibt. Umfassend und reich sind die Dinge, die Gott uns schenkt. Leiblich spürbar wird diese Zuwendung Gottes besonders in dem Segen mit Handauflegung. Sie ist ein Zeichen dafür, dass die Kraft Gottes am Menschen wirksam wird.

Der Segen Gottes an den Menschen ist durch Jesus Christus Wirklichkeit geworden. Das lateinische Wort signare bedeutet segnen: sich mit dem Kreuz bezeichnen und sich zu Christus bekennen. „Gehet hin im Frieden des Herrn“: Es ist die Zusage göttlichen Beistandes mit denen Christinnen und Christen in die Welt gesandt werden. Die lebensfördernde Kraft des Segens wird ihnen zuteil durch das Wort Christi. An Trinitatis, dem Fest der Heiligen Dreifaltigkeit, wird Gott als Vater, Sohn und Heiliger Geist bekannt. Es sind drei Wesensarten und doch ist Gott eins: Schöpfung, Erlösung und Heiligung zugleich. Es ist der Glaube daran, dass Gott mich geschaffen, sein Sohn Jesus Christus mich erlöst und der Heilige Geist mich berufen und geheiligt hat.

In diesem Vertrauen sprechen wir den Segen, der uns Menschen in die Nähe Gottes rückt. Lassen auch Sie sich in diesen bewegten Zeiten in Gottes Nähe rücken.

Vom Schrecken befreit

Alle Türen sind verschlossen. Die Jünger haben sich nach außen hin abgeschottet. Sie lassen in ihrer Angst und Trauer niemanden herein. Doch plötzlich steht der auferstandene Jesus mitten unter ihnen. Die Jünger sind verwirrt und können keinen klaren Gedanken fassen. Etwas völlig Neues ist in ihrem Leben eingebrochen und will sich nicht in ihr Denken einfügen. Der Auferstandene weist die Jünger zurecht: „Was seid ihr so erschrocken, und warum kommen solche Gedanken in euer Herz?“ (Lk 24,38) Welche Gedanken gelangen in dieser Zeit in unser eigenes Herz und legen sich manchmal geradezu wie eine schwere Last auf unsere Brust und nehmen uns den Atem? Diese Angst soll um Christi Willen keine Macht mehr über uns haben. Darauf dürfen wir vertrauen: Frohe Ostern!