GI-Hiltrud Warntjen

Hiltrud Warntjen, Krankenhauspfarrerin in Vechta

Geistliche Impulse von Pfarrerin Hiltrud Warntjen, Vechta

Kraft und Liebe und Besonnenheit

„Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“ (2. Tim 1,7) So übersetzt Martin Luther den Vers aus dem 2. Timotheus-Brief.

Viele Menschen haben gute Gründe, sich zu fürchten. Fühlen sich abgehängt. Leiden unter schwierigen, unsicheren Lebensverhältnissen. Haben vielleicht mehrere Jobs, um irgendwie über die Runden zu kommen. Oder als Rentner, Rentnerin mit einer kleinen Rente. Ein selbstbestimmtes Leben? Ein Traum! Und auch die, denen es gut geht, die in gesicherten Verhältnissen leben, sind nicht furchtlos. Fragen sich: was ist, wenn ich vieles oder gar alles verliere?

Der Geist der Furcht. Oder auch: Geist der Verzagtheit. So spürbar in diesen Zeiten. „Das kann doch jetzt nicht immer so weitergehen“, höre ich immer wieder mal jemanden sagen. Im Vertrauen. „Das muss doch endlich wieder normal werden! Das ist ja nicht zum Aushalten! Wenn man doch irgendwas machen könnte!“ Menschen spüren deutlich, wie sich aus ihren Erfahrungen der vergangenen Monate ein immer dichteres Netz der Angst webt. Haben das ganz starke Gefühl, dass eine Zeit des Verlierens begonnen hat. Ein Ungeist, das ist er, dieser Geist der Furcht. Und Angst. Und Verzagtheit.

„Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“

Gott hat uns mehr geschenkt. Kraft, Liebe, Besonnenheit: Damit stattet Gott mich aus. Oder, mit den Worten der Bibel in gerechter Sprache: Gott gibt uns einen Geist der tätigen Kraft und der liebevollen Zuwendung, einen Geist, der zur Vernunft bringt. Ganz egal in welcher Übersetzung, für mich ist dieser Text unglaublich aktuell. Sich nicht der Angst und Furcht ergeben. Denn das ist nicht Gottes Geist, den wir da wirken lassen. Sondern leben   in tätiger Kraft, liebevoller Zuwendung und einem Geist, der zur Besonnenheit bringt. Leben aus Gottes gutem Geist.

„Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“

Was tun? Die Fesseln der Furcht abschütteln. Keine Angst mehr haben. Christus wurde auferweckt. Jesus ist auferstanden. Gottes Zeichen für uns, dass wir nie verlassen sind. Egal was geschieht. Gottes Geist macht mir Mut. Mein Gottvertrauen in meinem Leben leuchten lassen. Das ist die Herausforderung für jede und jeden. Immer wieder neu.

„Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“

Einen Schritt zurücktreten. Neue Kraft schöpfen aus dem Vertrauen in Gott. Dass wir unser Bestes geben. Und sicher sein, dass es weitergehen wird mit uns. Weil Gottes Leuchten unendlich ist. Und in diesem Leuchten werden immer wieder neue Formen geboren. Voller Kraft, voller Liebe und in aller Besonnenheit. Bitten wir Gott um Hilfe. Vielleicht so: Gott, du Quelle allen Lebens. Zeigen, wes Geistes Kinder wir sind, das möchten wir. Und mit deinem Geist leben. Das Leben gestalten. Gegen die Furcht aufstehen und uns aufrichten. Mit Kraft, Liebe und Besonnenheit. Lass dich spüren, wenn wir dich um deinen Geist bitten.

Komm, du Geist der Kraft. Stärke mich. Erfülle mich. Mach mir Mut. Erinnere mich an meine Stärke. Lass mich mutig und frei weitergehen. Geist der Kraft, sei mit mir. Dass ich die Dinge bewältige, die vor mir liegen. Und die Menschen unterstütze, die mich brauchen.

Schenk mir auch Stärke, wo es richtig ist, anderen Menschen zu widerstehen. Oder „Nein“ zu sagen, wo es nötig ist.

Komm, du Geist der Liebe. Wärme mich. Befreie mich. Mach mein Herz weit. Lass mich die sehen, die Liebe brauchen. Begleite mich, wenn ich helfe. Den anderen, die andere zu lieben versuchen – wie mich selbst. Dass ich Einsame besuche, deren Not niemand sieht. Und die, die nichts Gutes mehr in ihrem Leben erkennen. Mit wachen Ohren, die zuhören und verstehen, von Herz zu Herz.

Komm, du Geist der Besonnenheit. Breite dich aus in mir. Sei mir nahe. Dass ich tue, was richtig ist und nötig. Dass ich die Dinge überlege. Und sie in Ruhe und mit Verstand tue. Dass ich nicht spontan alles tue, was mir in den Kopf kommt. Sondern dass ich auswähle, die Möglichkeiten gut abwäge. Und manches auch lasse. Steh mir bei. Dass ich die Menschen achte, ja beachte, die meine Entscheidungen betreffen.

Komm, du Geist der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.

 

Urlaub

14 Tage Urlaub an der Nordsee. Immer ein Geschenk. Diesen Sommer ein besonderer Genuss. Die würzige Luft. Die weite Sicht. Und natürlich das Meer. Bewegt. Immer zu hören. Meeresrauschen. Erfrischendes Wasser an heißen Tagen. Spazieren gehen. Am Strand. Ausschau halten. Nach schönen Muscheln. Nach Schneckenhäusern und Steinen. Und fündig werden. Sammlerglück! Da liegen so viele Schätze im Sand. So nach und nach füllt sich mein kleiner Rucksack auf dem Rücken.

Auf der Terrasse des alten Ferienhauses die gesammelten Kostbarkeiten sortieren. Ich staune: welch eine Vielfalt! Selbst unter den „Verwandten“: die Austernmuscheln zum Beispiel. Sie ähneln sich und sind doch so verschieden. Kleine und Große. Braun, dunkelgrau oder auch fast weiß schimmernd. Welch eine Freude! Einmalig, einzigartig, unverwechselbar. Unendlich kostbar.

Andere Menschen hatten sie liegen gelassen, nicht beachtet. Es gab doch so viele von ihnen. Und so, auf dem Tisch, im Trockenen, wirken sie doch sehr blass. Stumpf. In keiner Weise besonders bemerkenswert. Was soll man von ihnen schon halten? Ein ähnliches Gefühl haben viele Menschen meist auch, wenn sie sich klar machen: es gibt mehr als 8 Milliarden Menschen auf dieser Erde. Fühlen sich als einzelner Mensch unbedeutend, nichts Besonderes. So wie solch eine nichtssagende Muschel.

Aus der Küche hole ich eine kleine Wanne, gefüllt mit Wasser. Und lege meine Schätze hinein. So im Wasser, glänzen sie wie Edelsteine. Schimmern in vielen Farben, die vorher nicht zu sehen waren: rot, grün, blau, gelb, golden, warmes braun, sanftes grau. Die gleichen Muscheln – im Sand von vielen unbeachtet, gewöhnlich, nichts Besonderes eben. Und jetzt – benetzt vom Wasser, einzigartig schön. Jede etwas ganz Besonderes. Einmalig, einzigartig, unverwechselbar. Unendlich kostbar.

Mir wurden diese Austernmuscheln zu einem Gleichnis für uns Menschen. So, wie jede Auster bei aller Ähnlichkeit einzigartig ist – keine zwei Muscheln sind absolut gleich – so verhält es sich ja auch mit uns Menschen. Und so, wie das Besondere der Muscheln erst sichtbar wird in Verbindung mit dem Element, aus dem sie herkommen, aus dem Wasser nämlich, so kommt das Besondere der einzelnen Menschen erst zum Vorschein in Verbindung mit ihrem Ursprung, mit Gott. Mit Gottes Augen betrachtet, ist jeder Mensch einmalig, einzigartig, unverwechselbar. Unendlich kostbar.

Damit wir einander auch so sehen, stellte Gott uns „seine Brille“ zur Verfügung: die Liebe! Die meisten Eltern kennen diese Brille sehr gut. Durch sie betrachtet sind nämlich die eigenen Kinder nicht irgendein Baby oder Kleinkind wie Millionen auf dieser Erde. Ja, die eigenen Kinder sind für die Eltern etwas ganz Besonderes: ein Wunder! Einmalig, einzigartig, unverwechselbar. Unendlich kostbar.

Gott träumt, dass wir uns alle diese Brille aufsetzen. Viel öfter als wir das normalerweise tun. Unsere nächsten Angehörigen mit den Augen der Liebe ansehen, unsere Nachbarn, die Menschen in unserer Stadt, überhaupt alle, mit denen wir es zu tun bekommen. Auch uns selbst durch diese Brille betrachten. Uns selbst so sehen, mit welchen Begabungen und Fähigkeiten Gott uns beschenkte. Und Gott dafür danken. Jede und jeder von uns ist begabt. Ein Wunder! Einmalig, einzigartig, unverwechselbar. Unendlich kostbar.

Die Taufe macht das sichtbar. Führt uns an den Ursprung unseres Lebens heran. Mit Gottes Augen, durch die Brille von Gottes Liebe betrachtet, vom Wasser der Taufe benetzt, glänzt jeder Mensch in seiner Einzigartigkeit auf. Erinnern wir uns heute morgen: wir sind getauft! Gottes Kinder. Und Gottes Zusage gilt. Gottes Versprechen, bei uns zu sein, uns zu bewahren und zu behüten und zu segnen! Gottes Wertschätzung und Liebe, die uns begleiten unser Leben lang. Wir sind und bleiben: ein Wunder! Einmalig, einzigartig, unverwechselbar. Unendlich kostbar.

Meine Muscheln erinnern mich daran. Die Steine tun es auch. Legen Sie doch mal ein paar Kieseln oder Muscheln in eine Schale mit Wasser. Und staunen  über die wunderbaren Farben, die feine Zeichnung! Und denken daran: wenn Gott sich schon solche Mühe gab mit einer Muschel, mit einem Stein, wie viel mehr dann mit mir! Wenn Gott in sie schon solch eine Schönheit hinein legt, wie viele Gaben schenkt er mir! Und natürlich auch den Menschen neben mir. Sie alle, wir alle sind und bleiben: ein Wunder! Einmalig, einzigartig, unverwechselbar. Unendlich kostbar.

 

Wieder ein Jahr älter

„Leben ist ein Geschenk, mehr als  Du denkst, mehr als Du hoffen kannst. Leben ist ein Geschenk, mehr als Du kennst. Leben, Leben ist mehr … ist ein Geschenk.“ Wunderbar besingt dies neue geistliche Lied der Gruppe Ruhama das Leben.

„Mehr als du hoffen kannst!“ Ja, so ist es. Gerade habe ich Geburtstag gefeiert. Mit etwas Familie. Und ein paar FreundInnen. So viele Jahre schon – geschenkt. Und die Zeit vergeht, Nimmt mich mit in ihrem Galopp. Kaum beginnt ein neues Lebensjahr, geht es bald schon wieder seinem Ende entgegen. Jahr um Jahr scheint sich das Tempo noch zu steigern.

„Leben, Leben ist mehr … ist ein Geschenk!“ Jede Geburt birgt immer schon den Tod in sich. Wenn ich das so annehme, empfange ich freundlich das Geschenk, älter zu werden. Immer älter. Dann nimmt mir die voranschreitende Zeit nichts. Sondern gibt mir, im Gegenteil, etwas Kostbares..

„Mehr als du denkst!“ Schon wieder ein Jahr älter! Wie die Zeit vergeht! Gerade noch lief mein Körper zur Höchstform auf! Da geht das Leben auch schon seinem Ende entgegen. Allzu schnell ist die Mitte überschritten. Kaum ist der Sommer da, schon werden die Tage wieder kürzer. Noch zeigen sich bunte Blüten, noch stehen Bäume in vollem Grün. Und ahnen doch schon den unerbittlich nahenden Abschied des Sommers.

„Leben ist ein Geschenk!“ Beizeiten die Jugend loslassen. Beizeiten sich neu machen. Sich immer wieder neu erfinden. Neugierig bleiben. Meine Gedanken erinnern die vorbeirasenden Monate und Jahre. Bis in die ferne Kindheit, in der die großen Ferien wirklich und wahrhaftig noch groß waren. Heute ist es, als läge zwischen zwei Weihnachten nur ein Wimpernschlag. Kaum hat etwas begonnen, so ist es auch schon wieder zu Ende.

„Mehr als du kennst!“ Doch: ist es nicht besser, älter zu werden? Als nicht älter zu werden? Ja, ich lebe gern. Schaue in der sommerlichen Schwüle auf meine Lebenszeit. Aus Jahren werden Tage, Stunden, Minuten. Je weiter, je feiner ich schaue, kommt es mir vor, als sei mein Leben nicht eins gewesen, sondern zwei, drei, viele. Blicke ich über den heutigen Tag, ist auch der Morgen schon eine Ewigkeit her. Was war los in den letzten Stunden? Was sah ich, hörte ich, spürte ich, dachte ich, sagte ich, tat ich?

„Mehr als du hoffen kannst!“ Lasse ich meine Zeit verstreichen? Oder laufe ich ihr hinterher? Lasse ich andere über sie bestimmen? Oder entscheide ich selbst, was ich mit ihr anfange? Wage ich mich hinaus ins Leben? Nachdenklich trete ich vor den Spiegel. Sehe ein Gesicht, das mehr als nur ein paar charmante Lachfältchen hat. Die jungen Jahre sind ganz eindeutig vorbei. Will ich sie zurück? Mich erneut vom kleinsten Windhauch verunsichern lassen? Nein. Das alles will ich nicht mehr. Früher war nicht alles besser. Die Welt war nicht größer. Die Möglichkeiten nicht unbegrenzter. Das erzählen wir gern, um über unsere Bequemlichkeit hinwegzutäuschen. So tausche ich gern meine jungen Jahre gegen das bewusste Älterwerden. Beeinflusse, was in mir los ist. Entscheide, welchem Zielen ich mich verschreibe: Kontrolle oder Freiheit? Dahinvegetieren oder Leben?

„Leben ist ein Geschenk!“ Verantwortung übernehmen für das, was in mir geschieht. Sorge tragen für mich. Selbst bestimmen, was in mir noch wachsen, reifen soll. So verliert das Altern seinen Schrecken. Und ich erkenne: die eigentliche Angst ist nicht die vor dem Tod. Sondern die vor dem Leben. Das Schlimmste, was uns passieren kann: im Sterben zu erkennen, nicht richtig gelebt zu haben: das Geschenk nicht ausgepackt, das Talent nicht erkannt, den Ruf der Seele nicht erhört, den Sinn nicht erfasst.

„Leben ist ein Geschenk!“ Für mich ist da nur dieser Weg: aus der Angst vor meiner Endlichkeit mitten in sie hineingehen! Ja, ich altere. Ja, es wird vorbei gehen. Ja, es kann wehtun. Und doch will ich wachsen und blühen in den kräftigen und warmen Farben des Herbstes. Mich gut aufgehoben fühlen im Kreis des Lebens. Freudig auf das blicken, was ich schon erkenne. Bunt soll es sein. Überraschendes, Unvorhersehbares mitbringen. Ganz da sein will ich für das Geschenk. Ausprobieren, was sich mir bietet. Nicht stehenbleiben. Weitergehen, weitermachen, neugierig sein. Mich begeistern lassen. Vertrauen, was auch kommt. Dass Türen sich öffnen, durch die ich hindurch schreiten will. Immer wieder. Ein Jahr älter, ein Jahr hoffnungsvoller, ein Jahr zuversichtlicher. Alles bleibt möglich. „Leben ist ein Geschenk!“ Aus Gottes Hand.

 

Für dich soll’s rote Rosen regnen

Eine Rose oder gleich einen ganzen Strauß verschenken. Das ist der klassische Liebesbeweis. Die Rose, das Symbol der Liebe. Die Schönste der Blumen. Und doch hat sie zugleich verletzende Dornen. Wohl nirgends ist das Risiko größer, verletzt zu werden, als in der Liebe. Wenn ich mich dem anderen öffne und sie oder ihn ganz bewusst in mein Herz schauen lasse. Wenn ich ihm oder ihr auch verborgene Gefühle und Empfindungen zeige, die ich sonst niemand anvertrauen würde. Ja, so ist die Liebe.

Nur durch diese Offenheit entsteht ein gegenseitiges Verstehen. Ein Verständnis, das wirklich in die Tiefe geht. Und sofort bin zugleich auch unendlich verletzbar. Rosen haben Dornen. Lieben geht nicht ohne Risiko. Liebe wagt immer den ersten Schritt. Liebe wartet nicht, bis sie selber genügend bekommen hat. Liebe verschenkt sich. Ohne zu wissen, ob überhaupt etwas zurückkommt. Liebe gibt Vorschuss.

Vielleicht, dass ich anderen einen Gefallen erweise, mich für sie engagiere und einsetze. Und dann hinterher nicht mal ein Dankeschön! Vielleicht, dass ich anderen mit den besten Absichten helfen möchte. Doch sie wollen diese Hilfe gar nicht. Vielleicht, dass andere sogar behaupten, ich wolle mich durch meine Hilfsbereitschaft nur selbst hervortun. Das alles kann sein.

Rosen haben Dornen. Lieben geht nicht ohne Risiko. Die Bibel wagt es, von Trost und Hoffnung angesichts von Schmerzen, von Leid und Tod zu sprechen. Da tragen die Dornen Rosen. Und Tröstung und Trost ereignen sich. Im letzten Buch der Bibel, in der Offenbarung, lesen wir: „Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen.“ (Offb 21,4) Umfassender Trost angesichts des Leids. Für alle.

Wenn uns jemand die Tränen abwischt, dann ist das eine Geste großer, behutsamer Zärtlichkeit. Eine Mutter wischt dem Kind die Tränen ab, wenn das Schlimmste überstanden ist. Wenn das Ende des Unglücks wie ein Silberstreif am Horizont in Sicht ist. Tränen abwischen ist eigentlich ein sehr bescheidener Dienst. Ändert nichts an den grundlegenden Umständen. Tränen abwischen geschieht ganz sanft, nicht gewaltsam. Allerdings muss ich dabei stillhalten. Sie mir abwischen lassen. Sonst geht es nicht. Schreien und zappeln darf man nicht. Trotzdem schluchzen wir oft noch, während unsere Tränen getrocknet werden.

Durch unseren Schmerz müssen wir durch. Durch unsere Niederlagen, unsere Misserfolge, unser Scheitern. Durch die Folgen unseres Tuns und unseres Lassens. Durch all das, was offensichtlich unvermeidlich ist. Doch wenn wir durch den dunklen Tunnel hindurch sind, dann wird Gott wie einer sein, der uns die Tränen abwischt. Der weiß, was wir leiden. Der nicht fragen muss. Gott wird sein wie eine Mutter, die Bescheid weiß. Die die Tränen trocknet. Wie wenn Gott sagen wollte: Du brauchst jetzt nicht mehr zu weinen. Es wird alles gut. So ist die Liebe.

Manchmal pustet eine Mutter dann auch noch, um die letzten Spuren zu trocknen. So wie damals, als Adam und Eva geschaffen wurden. Und Gott sie anpustete. Wie der Auferstandene am Ostertag die Jünger anblies und sagte: „Empfangt den heiligen Lebensatem Gottes. Ich lebe und ihr sollt auch leben.“ Der Lebenswind Gottes trocknet auch unsere Tränen. So wird Gott sein. Und so ist er jetzt schon. Den Gott, der unsere Tränen abwischt, den gibt es auch jetzt schon. Zu Gott können wir immer mit unseren kaputten Knien kommen. Es kann sein wie nach Hause zu kommen. Die verkrampften Hände und Herzen lösen. Die Tränen laufen lassen.

Gott ist wie eine Klagemauer. Einmal wird Gott unsere Tränen abtrocknen. Schon jetzt dürfen wir Gott alles sagen. Und vor Gott sein, wie wir sind. Uns ausweinen. Gottes gute heilige Geistkraft trocknet unsere Tränen – schon heute. Und wer weiß, vielleicht werden uns auch rote Rosen regnen. Rosen der Liebe. So wie im Chanson:

„Für dich soll’s rote Rosen regnen. Dir sollten sämtliche Wunder begegnen. Die Welt sollte sich umgestalten und ihre Sorgen für sich behalten. Für dich soll’s rote Rosen regnen. Dir sollten sämtliche Wunder begegnen. Das Glück sollte sich sanft verhalten, es soll dein Schicksal mit Liebe verwalten. Für dich soll’s rote Rosen regnen. Dir sollten ganz neue Wunder begegnen. Dich fern vom alten neu entfalten, von dem, was erwartet, das meiste halten.“

 

Das Beste zum Schluss

Zum Schluss kommt immer das Wichtigste. Wenn wir auseinander gehen, zählen die letzten Worte. Zum Schluss: „Fahr vorsichtig!“ „Ich hab Dich lieb!“ „Ruf an, wenn Du da bist!“ Zum Schluss. „Kannst Du die Tür ein Stück auflassen?“ ruft das Kind Richtung Zimmertür. Zum Schluss – da gibt es keine langen Erklärungen mehr. Nur das Wichtigste – in Kürze.

Nach 13 Kapiteln ist der Brief an die Hebräer fertig geschrieben. Wohl von einem Hörer der Jünger von Jesus. Und vom Hörensagen lassen sich gut 13 Kapitel füllen. Und er hatte gut zugehört. Seitenweise Ausführungen und Erklärungen. Wie man leben soll als Christ. Am Schluss ganz einfach und klar:

„Bleibt fest in der brüderlichen Liebe. Gastfrei zu sein vergesst nicht; denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt. Denkt an die Gefangenen, als wärt ihr Mitgefangene, und an die Misshandelten, weil auch ihr noch im Leibe lebt.“ Das Wichtigste zum Schluss.

Es ist die Gastfreiheit, die es hier im Brief ans Ende schafft. Sie ist so wichtig, sie hat das letzte Wort. Gastfrei zu sein, bei Freunden und bei Fremden. Das wundert nicht. Jesus und Paulus und so viele Jünger waren ja selbst Reisende. Die Ausbreitung des Evangeliums wäre ohne Gastfreundschaft niemals so weit gekommen. Kein Wunder, dass der Brief mit dieser Bitte schließt. Das Wichtigste zum Schluss. Am Ende des Tages sollte jeder einen Platz am Tisch haben. Bei Freunden und zur Not, bei Fremden. Das Wichtigste zum Schluss.

„Bitte informieren Sie sich vorab!“ Das lese ich im Moment fast überall. Wann darf ich rein, wie darf ich rein, und mit wie vielen? Denn Zutritte sind beschränkt.
In diesen Zeiten erst recht. Rein darf nur, wer die Voraussetzungen erfüllt. Wer dazugehört. Wer eingeladen ist. Wer seinen Mund-Nasen-Schutz dabei hat. „Bitte informieren Sie sich vorab!“ Überall Regeln und Grenzen und Beschränkungen. Du kannst nicht einfach irgendwo hingehen. Von Broten essen, die nicht für dich gebacken wurden.

Trotzdem. „Kannst Du die Tür ein Stück auflassen?“ fragen Kinder. Damit es nicht so dunkel ist. Damit ich euch hören kann. Auch wenn die Worte und das Geklapper jetzt nicht mehr mir gelten. „Kannst Du die Tür bitte ein Stück auflassen?“

Und im Hebräerbrief, ganz zum Schluss, nach vielen komplizierten Gedanken,
im Grunde die gleiche Bitte: Könnt ihr die Tür bitte ein Stück auflassen? Und gastfrei sein? Bei Freunden. Zur Not auch bei Fremden. Könnt ihr euch und die Tische eures Lebens bitte nicht einschließen? Könnt ihr bitte? Auch wenn ihr mit diesem jemand jetzt nicht rechnet? Auch wenn er nicht dazugehört? Auch wenn sie nicht eingeladen ist? Könnt Ihr bitte die Tür ein Stück auflassen?

Ich nehme diesen Satz mit, wenn es klopft. Wenn das Telefon klingelt und jemand was will. Und erinnere mich: wie dankbar ich schon an Tischen saß! Und von Broten aß, die andern gehörten. Wie dankbar ich war für Worte, die mich gastlich empfingen. Wie beeindruckt ich war von Menschen, die mit herzlichster Gastlichkeit überraschten. Die offen waren, im Geist und als Gastgeber. Das Wichtigste zum Schluss: „Bleibt fest in der brüderlichen Liebe. Gastfrei zu sein vergesst nicht; denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt.“ Das Beste zum Schluss.

Diese Worte mitnehmen. Sie nicht vergessen. Sie zwischen alle Ordnungen rufen. Sie mit Klebestift über den Teil mancher Kirchenordnung kleben, die besagt, dass sogar am Tisch des Herrn der Zutritt beschränkt ist. Denn ich glaube, dass Gott, was seinen Tisch betrifft, ein Freigeist ist. Sperrangelweit offen. Ausnahmslos. Dieser Tisch des Herrn ist wirklich der einzige Tisch, an dem wir alle zusammenkommen. Meist lernen wir viel zu früh, nur da zu essen, wo wir die Voraussetzungen erfüllen. Umso wichtiger, dass wir ihn haben. An ihm zusammen kommen. Das Brot miteinander teilen. Das Beste zum Schluss.

Das Brot nehmen, essen … und schmecken. Hmm. Die größte Köstlichkeit, die das Christentum zu hüten hat, ist die Gnade. Hmmm. Die Gnade. Sie soll das letzte Wort haben. Bei Freunden und Fremden. Das Beste zum Schluss.

Könnt Ihr bitte die Tür ein Stück auflassen!

 

Sammeln Sie Treuepunkte?

Ja – sammeln Sie Treuepunkte? Beim Bäcker? Im Getränkemarkt? Oder im Lebensmittelladen? Sind Sie eine treue Kundin? Ein treuer Einkäufer? Sammeln Sie Treuepunkte?

Manchmal tue ich es, meistens aber nicht. Früher mehr als heute. Das Sammeln ist mir zu mühsam, noch ein Kärtchen im Portemonnaie, wie viele Punkte für was, wie lange läuft ist die Aktion. Ich verliere da recht schnell den Überblick – und die kleinen Klebepunkte sowieso. Doch auch ohne Punkte bin ich eine ziemlich treue Kundin.

Treuepunkte sammeln, wäre das nicht eine gute Idee für unsere Beziehungen? In der Familie und Verwandtschaft? In der Nachbarschaft oder am Arbeitsplatz? Wenn ich 100 Treuepunkte gesammelt habe, dann bleibt die Beziehung gut und fest, das wär doch was?

Und könnten wir dann nicht auch gleich noch Treuepunkte bei Gott sammeln? Durch regelmäßigen Gottesdienstbesuch, ordentliche Spenden, gute Taten der Nächstenliebe? Wär doch was?

Treue ist wichtig, sagen wir. Denn wir wissen: Treue kann verloren gehen, ja, kann sogar hintergangen werden. Auch für Gott sind Treue und Untreue ein Thema. Gott will Beziehung. Ja, Gott ist gesellig, könnte man sagen. Hat gern ein Gegenüber, von Anfang an. Hat mit den Menschen sogar einen Bund geschlossen: „Ich bin bei dir, ich bleibe dir treu. Du kannst dich immer auf mich verlassen.“

Gott und Menschen sind miteinander unterwegs. Viele gute Zeiten der gegenseitigen Treue. Aber auch schwere Zeiten. In denen Menschen kritisch fragten: „Was sollen wir mit den alten Geschichten? Alles völlig überholt. Ohne Bedeutung für uns. Wir steigen aus, wir kündigen.“

Und Gott? Gott setzt auf die Liebe. Bleibt seinen Menschen treu. Rechnet nicht auf, rechnet nicht vor. Gott verlangt keine Wiedergutmachung. Entscheidet sich klar und eindeutig für einen anderen Weg.

Gott setzt auf die Liebe. Will das Herz der Menschen berühren, ihr Innerstes, ihr Denken und Handeln. Ganz schön riskant, könnte man sagen. Riskant und auch ein bisschen naiv, nur auf das Herz zu setzen. Im Innersten, in unserm Herz ist oft viel los. Gefühle und Gedanken gehen durcheinander. Heute so und morgen so.

Doch Gott setzt auf die Liebe, trotz allem. Setzt dafür sogar sein Herzallerliebstes, Jesus, ein. Jesus berührt das Herz der Menschen. Kommt uns nah, hört uns aufmerksam zu. Spricht wohltuende, helfende Worte. Ermutigt so Menschen, ihr Herz zu öffnen und beschenkt sie mit Glaube, Liebe und Hoffnung. Wie das geht?

Eine kleine Geschichte erzählt es so: Ein Junge lässt am Strand bei herrlichem Wetter und gutem Wind seinen bunten Drachen steigen. Als seine Schnur völlig abgerollt ist, sieht man den Drachen gar nicht mehr, so hoch ist er in die Wolken hineingeschwebt. Eine ältere Frau kommt zu dem Jungen und fragt ihn, was er da mache.

Der Junge antwortet ihr, dass er seinen schönen bunten Drachen in den Himmel steigen lasse. Die Frau entgegnet ihm, wo er denn sei, sie könne gar keinen Drachen sehen. Da entgegnet der Junge, dass er ihn auch nicht sehen könne, so weit weg sei er. Aber dennoch wüsste er, dass er da ist. Er fühle, wie er an der Leine zieht.

Gott können wir nicht sehen, aber spüren. Eine unsichtbare Schnur verbindet Gott und uns. So spüren wir Gottes Kraft in uns, auch hinter dunklen Wolken. Wenn wir traurig sind, uns ganz hilflos fühlen, wenn wir Angst haben, uns große Sorgen machen, wenn das Herz weh tut, weil wir verletzt oder verlassen worden sind, Gott ist da. Gott ist eindeutig. Gott setzt auf die Liebe und wir müssen keine Treuepunkte sammeln.

 

Bleiben Sie behütet!

Ja – Sie haben richtig gelesen! Behütet bleiben! Davon will ich heute eigentlich schreiben. 

Denn dies andere, dies „Bleiben Sie gesund!“ oder „Bleib gesund!“, das hören wir in letzter Zeit viel öfter als sonst schon.

„Bleib gesund!“ Das hören meine Ohren erst mal als Aufforderung: nun streng dich mal ordentlich an, bleib gesund! Wie viele andere Menschen bin auch ich schon lange nicht mehr richtig gesund. Für uns mit den chronische Krankheiten, mit denen wir leben müssen, hört sich das seltsam an: „Bleib gesund!“ Wie denn bloß?

 „Bleib gesund!“ Ach so, nicht akut erkranken. Nicht noch eine Diagnose. Na gut. Aber liegt das überhaupt in meinen Händen? Kann ich dem wirklich gehorchen, diesem Auftrag „bleib gesund!“? Muss ich mich nur ordentlich anstrengen? Und dann bleibe ich einfach gesund?

„Bleib gesund!“ In letzter Zeit wird das reichlich oft gesagt. Mit dem Unterton „Krieg bloß nicht diese Krankheit! Steck dich bloß nicht an!“ Mmmmh. Also, für mich klingt das fast wie „bleib zuhause“, „schließ dich ein“, „pass bloß auf!“ Als gäbe es keine andere Krankheiten mehr. Oder anderes, was mir besser auch nicht passiert!

„Bleib gesund!“ Je länger ich drüber nachdenke, so scheint es mir jetzt: das ist wohl doch ganz anders gemeint. Das ist ein Segenswunsch, so wie „Viel Glück!“ „Bleib gesund“, das meint, ich wünsche Dir, dass Du nicht krank wirst, dass Du so gesund bleibst, wie Du bist. „Bleib gesund!“, ein Segenswunsch. Gerne gesagt beim Verabschieden, beim Auseinandergehen.

„Bleib gesund!“ als Segenswunsch. Ja, so kann ich das gut hören. „Viel Glück und viel Segen“ singen wir gern an Geburtstagen. Als Christin glaube ich: Gott segnet und behütet mich. Von meinem ersten Atemzug an bis zu meinem letzten. Darum wünsche ich meinen Lieben und meinen Mitmenschen gern:

„Bleib behütet!“ oder „Bleiben Sie behütet!“ Jeden Tag empfange ich Gottes Segen. Ich habe Brot zu essen und Kleider anzuziehen. Und eine Wohnung. Und eine Arbeit auch. Und Kinder habe ich geschenkt bekommen. Und einen lieben Mann. Was soll ich noch aufzählen?

„Bleib behütet!“ Zeichen von Gottes Segen gibt es jeden Tag. Ohne Bedingungen. Gott schenkt uns Leben in Fülle. Und gerade die Menschen, denen es nicht so gut geht, bei denen das Überlebensnotwendige knapp ist, die wissen genau: Sie verdanken ihr Leben und alles Gute darin Gott, Gottes Segen.

„Bleib behütet!“ Am Ende jedes Gottesdienstes empfangen wir den Segen. Und leben so aus dem Wissen heraus: Ja, ich bin angewiesen darauf, dass Gott bei mir ist. Dass Gott mich segnet. Und behütet. Und mir immer wieder einen neuen Anfang schenkt. Gott segnet mich und behütet mich. Gott lässt sein Angesicht leuchten über mir und ist mir gnädig.

„Bleib behütet!“ Gottes Segen bringt Klarheit in mein Leben. Nicht alles ist schön, was ich in diesem Licht sehe. Ich erkenne meine Fehler, beginne zu verstehen, was ich ändern muss. Gott beleuchtet mein Leben mit einem gnädigen Licht. Schaut zärtlich auf mein Tun und Lassen. Vergibt mir, wo ich fehle. Gott ist gnädig.

„Bleib behütet!“ Gottes Segen legt mir den Glauben ins Herz. Immer wieder. Und der Frieden kommt mir nah. Gott hebt sein Angesicht über mich und gibt mir Frieden. Legt seinen Geist über mich. Und ich sehe die Welt mit Gottes Augen. Halte es aus, schaue nicht weg. Weil mir Gott seinen Frieden ins Herz legt. Seinen Traum von einer gerechten Welt, in der alle Menschen in Würde leben können.

„Bleib behütet!“ Jeden Sonntag schickt uns der Segen Gottes in die neue Woche. Den Segen sollen wir in der Welt ausbreiten. Alles ist da, was wir brauchen, um die Welt zu erneuern. Mit Gutem sind wir beschenkt. Und von Gott behütet. Unser Leben leuchtet unter Gottes Klarheit und Gnade. Gottes Frieden für unsere Welt. „Bleibt behütet!“

 

Wohin geht dein Herz, wenn es ausgeht?

„Jetzt ist Sommer, egal ob man schwitzt oder friert. Sommer ist, was in deinem Kopf passiert. Es ist Sommer, ich hab das klar gemacht. Sommer ist, wenn man trotzdem lacht.“ So sangen es mal die Wise Guys. Eine bekannte a-cappella-Band. Sommer ist, was in deinem Kopf passiert. Ganz ähnlich, wie es der Dichter vieler Kirchenlieder, Paul Gerhardt, vor 350 Jahren seinem Herzen empfahl: Auszugehen. Und die Sommerfreuden zu suchen. Wohin geht dein Herz, wenn es ausgeht?

 

Mit „Ausgehen“ ist das momentan noch etwas schwierig. So viel geht da noch nicht. Essen gehen? Ins Theater gehen? Leute treffen, Konzerte besuchen – all das geht, aber immer noch sehr eingeschränkt. Mit  Abstand, mit Maske, mit Vorsicht. Spazieren, Joggen, Bummeln gehen? Schon eher und viel leichter möglich. Wohin geht dein Herz, wenn es ausgehen und dabei Freude finden soll?

 

Paul Gerhardt schickte sein Herz nach draußen, in die Natur. Und dichtete fröhlich: „Geh aus mein Herz und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben. Schau an der schönen Gärten Zier und siehe, wie sie dir und mir sich ausgeschmücket haben.“ Draußen ist es so schön. Bäume voller Laub. Grüne Wiesen, bunte Blüten: Narzissus und die Tulipan. Schön wie Samt und Seide. Nachtigallen singen, durch Berge, Hügel, Tal und Felder. Lerchen,  Tauben, Glucken, Störche, Schwalben haben Nester gebaut. Bäche rauschen und Bienen summen. Weinstock und Weizen gedeihen.

 

Paul Gerhardt geht das Herz auf, wenn es ausgeht, in Gottes schöne Welt. Da singt er mit, wenn alles singt. Da können wir grad nur neidisch werden. Sein Herz lacht und singt und schwärmt: Wenn es hier auf Erden schon so schön ist, wie schön muss es da wohl erst in Gottes Garten sein, im Paradies? Wie muss es da wohl klingen, mit tausend Seraphim und Engelsweisen? Halleluja! Aber noch ist er nicht tot und nicht im Paradies. Umso schöner, dass es schon auf Erden, hier und jetzt, so viel Freude zu finden gibt.

 

Wohin geht dein Herz, wenn es ausgeht und Freude suchen soll? Zum Sport, ins Theater? Liest es Illustrierte oder vertieft sich in ein Buch? Geht es nach draußen? Oder muss es gar nicht weit, sieht nur zur Seite, sieht die Liebe dort sitzen, mit der du dein Leben teilst? Was lässt dein Herz höher schlagen, dass es singen möchte vor Glück?

 

Natürlich, manchmal bleiben einem das Herz und die Freude auch im Hals stecken. In Ängsten oder Sorgen, in Nöten oder trüben Gedanken. So manches Herz kommt da gar nicht gut aus sich raus. Ja, manchmal muss ich mein Herz regelrecht vor die Tür jagen, wenn es Freude finden will. Da ist so viel zu entdecken! Natur und Sommer, so viel Schönes. Heute mit Paul Gerhardt auf Entdeckungsreise gehen! Nach dem, was das Herz aufblühen lässt. Und neue Kraft tanken. Geh aus, mein Herz und suche!

 

Wohin geht mein Herz, wenn es ausgeht und Freude suchen soll? Wunderbar, wenn das, was mir aus dem Herzen rinnt, auch anderen zur Freude und zum Segen wird. Wenn das, wovon ich lebe, auch anderen den Glauben an den Schöpfer stärkt. Damit die Hoffnung bleibt. Und ich erkenne: das Schönste im Leben, die Liebe, der Glaube, Hoffnung und Freude, Begabungen und Talente, ist doch immer nur Geschenk!

 

Schick dein Herz auf Entdeckungsreise. Das können wir alle. Ist nur eine Frage der Haltung. Schau, was dir Halt gibt, wer oder was dich interessiert. Erzähle den andern, was dich wirklich berührt. Danke und lobe, dann kommt die Freude von ganz allein. Und singe leis oder lauthals „Geh aus mein Herz“, Evangelisches Gesangbuch Nummer 503. Sommer ist, was in deinem Kopf passiert.

 

Gottes Liebling

„Öffne mir die Augen“ bete ich mit dem 119. Psalm. Wenn wir unsere Augen öffnen, was sehen sie dann? Vielleicht lauter Menschen, die verwirrt sind? Oder Menschen, die Spaß haben miteinander? Vielleicht Menschen, die sich mal übereinander ärgern? Oder lauter Menschen, die sich aneinander freuen?

 

Meine Augen sehen Menschen. Ganz unterschiedliche Menschen, mit verschiedenen Meinungen Angefüllt mit Gefühlen verschiedenster Art: mit Freuden und mit Sorgen, Ängsten und Glückseligkeiten. Meine Augen sehen Menschen, die aufmerksam zuhören. Und immer wieder auch Menschen, die lange vor sich hin starren, so als ob sie träumen. Nicht die ganze Zeit, aber immer mal wieder.

 

Träumen mit offenen Augen. Vom gemeinsamem Christsein. Von gemeinsamen Gottesdiensten, ganz ungezwungen. Ob es sie wieder geben wird? Aber man darf ja wohl noch träumen! Träumen muss man sogar! Träumen mit offenen Augen. Eine Ahnung bekommen, wohin die Reise gehen kann. Worauf das alles zielt. Ja. Wenn unsere Augen genau hinschauen, dann entdecken sie hoffentlich immer wieder: wie Träume mit offenen Augen Kraft und Mut und Energien freisetzen für die Zukunft.

 

„Öffne mir die Augen”, lese ich in Psalm 119 Vers 18. Und weiter: „Öffne mir die Augen, dass ich sehe die Wunder an deinem Gesetz.“ Die „Wunder an deinem Gesetz.“ Gibt es an einem Gesetz Wunder? Für mich ist „Gesetz“ ein Wort, da denke ich an „Du musst!“ An Vorschriften. Und vor allem an Strafen, die mich erwarten, wenn ich gegen ein Gesetz verstoße: Bußgelder und Gefängnisstrafen. Und das soll ein Platz für Wunder sein?

 

Der Psalm meint wohl anderes. Viel mehr. Der Psalm meint Gottes „Weisungen“. Die Zehn Gebote – und noch mehr als das. Im hebräischen Text steht dort das Wort “tora”. “Tora” umfasst die fünf Bücher Mose mit all ihren Geschichten. Alle Gottesgeschichten von Adam und Eva über die Sintflut und Noah, Abraham und Sara, Josef und seine Brüder, bis hin zu Mose und Mirjam und dem Auszug aus Ägypten. Geschichten über menschliche Größe. Von menschlichen Fehlern,  Mord und Geschwisterstreit. Über Liebe und Befreiung. Von Flucht und Genörgel und Geboten – all das meint „Gesetz“, „Tora“.

 

Und was ist jetzt das „Wunder an deinem Gesetz“? Wenn ich mir die ganze Tora,

alle fünf Bücher Mose anschaue, dann ist alles darin, was wir Menschen zu bieten haben. Alles Gute und alles Schlechte. Und mitten darin ist Gott und bleibt Gott. Und wir Menschen sind Gottes Lieblinge.

 

Das Wunder ist, dass in den menschlichen Geschichten immer wieder Energien frei werden. Für Neues, für Unbekanntes. Energie auch für liebendes Sorgen. Da kommt Freiheitsdrang auf. Man wehrt sich gegen ungerechte Behandlung. Da wird Segen weitergegeben. Gottes helfende Kraft wird in den menschlichen Geschichten spürbar.  Das ist das Wunder an Gottes Gesetz. Mitten in unseren Lebensgeschichten, spüren wir Menschen Gottes Energie. Gottes Kraft.

 

Und:  Ja, wir Menschen bleiben Gottes Lieblinge. In unserer Welt mit allen Problemen, die wir haben. Egal, ob Krankheit oder Klima oder Hunger oder Krieg. Wir hoffen auf Gottes befreiende Kraft für neue Wege. Lasst Gottes Energie auch unter uns hier in Vechta spürbar werden. Auch wenn wir unseren Glauben ganz unterschiedlich leben.

 

Gemeinsam unseren Glauben bekennen. Andachten feiern. Und Nachdenken. Vielleicht sogar manchmal miteinander streiten. Gemeinsam den Kopf schütteln über die komischen Vorstellungen des jeweils anderen. Aber einander erzählen. Von dem, was uns trägt im Leben. Von unsern Träumen. Gemeinsam beten und singen und Kerzen entzünden. So neue Kraft und Energie tanken. Wir Menschen, Gottes Lieblinge.

 

Lasst uns hinsehen, lasst uns träumen. Mit offenen Augen. Lasst uns weiter gemeinsame neue Wege gehen mit unserem befreienden Gott. Dass Mauern und Grenzen durchlässig werden. Im Kopf und im wirklichen Leben, im Alltag. Lasst uns träumen mit offenen Augen und gemeinsam unterwegs bleiben. Wir bleiben Gottes Lieblinge. Gott, öffne uns die Augen für deine Wunder!

 

Muttertag…

…fange ich mal bei mir an. Meine Mutter lehnt den Tag ab, bis heute. Als Kind fand ich das nur blöd…

Die anderen hatten Geschenke oder Blumen für ihre Mütter, da brauchte ich gar nicht erst mit anzufangen. Das wollte sie nicht. Sie fand es unangemessen. Viel zu wenig eben. Als Schulkind habe ich dann gerne am Muttertag in aller Frühe das Frühstück allein vorbereitet. Als Überraschung. Das hat sie dann doch gefreut, das hätte sie gerne bestimmt viel öfter erlebt.

Muttertag, ja. Als ich selbst Mutter geworden war, nahm ich das mütterliche Erbe an und verweigerte Begeisterung über Muttertagsgeschenke. Nun hatte ich selbst erlebt, was Muttersein bedeutet: hegen und pflegen, hüten und betreuen, umsorgen und verzärteln, helfen und kümmern. Rund um die Uhr. Dazu viel Praktisches wie wickeln und baden, kochen und backen, Wäsche machen und Geschirr spülen, aufräumen, putzen und einkaufen. Ein Haufen Arbeit. Ja.

Muttertag. Für mein Gefühl und wohl auch das meiner Mutter (87) ist ein Tag im Jahr entschieden zu wenig Anerkennung für all die Plackerei. Lieber immer wieder mal gelobt werden, öfters ein Dankeschön, eine Anerkennung. Kleine Zeichen, dass andere sehen, was die Mutter leistet.

Muttertag 2020. Wir werden Kontakt haben! Das ist das Besondere in diesem Jahr! In den meisten Bundesländern sind Besuche bei den alten Müttern (und natürlich auch den Vätern) in den Pflegeeinrichtungen wieder erlaubt. Die werden aufatmen und durchatmen und sich freuen. Auch wenn manche von ihnen uns vielleicht nicht mehr wieder erkennen, weil die Demenz noch weiter fortgeschritten ist und die Isolation zu lang war.

Muttertag 2020. Wie mag es den jungen Müttern gehen? Nach vielen Wochen, wo ich sie kaum gesehen habe mit ihren Kindern, sind sie wieder sichtbar. Unsicher. Was wohl richtig ist in diesen Zeiten. Wenn sie mit dem Kleinkind auf dem Arm einkaufen gehen. Viel Gebrüll kleiner Kinder habe ich erlebt diese Woche. Das erst aufhörte, wenn die Mutter die Maske abnahm. Wieder erkennbar wurde, wieder wie die Mama aussah! Erleichterung bei den jungen Müttern, wenn die anderen im Geschäft das duldeten und mittrugen.

Muttertag 2020. In Krisenzeiten. Mit Isolation und Quarantäne. Mehr Frauen als bisher geht es schlecht. Angst und Panik, Stress und Enge, Geldnöte und andere Sorgen, dazu der Anstieg häuslicher Gewalt. Es gibt mehr verzweifelte Mütter und wütende Frauen. Erleben sie doch oft, dass sie es sind, die nun die Hauptlast der vorher fair geteilten Erziehungsarbeit tragen müssen.

Muttertag 2020. Ja, heute ist Muttertag. Die Gemeinden beginnen wieder ganz vorsichtig mit ihren Gottesdiensten. Mit strengen Regeln. Alles nach Vorschrift.

Vielleicht auch mit einem Dank für die mütterlichen Menschen, die weiblichen und die männlichen.

Muttertag. Gott danken für die mütterlichen Menschen. Weil sie uns etwas von der mütterlichen Liebe Gottes vorleben. Einer Liebe, die sich „verschwendet“, so wie Gott uns liebt. Danke für die mütterlichen Menschen, weiblichen und männlichen Geschlechts. Danke an Gott, unser aller Mutter, der uns heute begegnet in mütterlichen Menschen. Danke an Gott, die uns tröstet wie eine Mutter. Die uns das Laufen lehrt und in die Arme nimmt. Bei der wir Zuflucht finden. Gott trägt uns auf unseren schweren Wegen liebevoll und sicher wie eine Adlermutter ihr Kinder auf Flügeln trägt.

Muttertag 2020. Gottes mütterliche Gegenwart sei anwesend, zärtlich und liebevoll, bergend und schützend, geduldig und vergebend – und sich verschwendend. Schenke uns allen Geborgenheit und Zuflucht – und ein langen Atem denen, die ihn so sehr brauchen in diesen Zeiten. Mein Muttertagswunsch 2020.

Halleluja, Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden!

Als der Sabbat vorüber war, kauften Maria Magdalena und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome duftende Öle, um zum Grab zu gehen und Jesus zu salben.

Sehr früh am Sonntag gingen sie zum Grab, als die Sonne gerade aufging.

Da sagten sie zueinander: »Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür?«

Doch als sie aufschauten, sahen sie, dass der Stein schon weggewälzt war. Dabei war er sehr groß.

Und als sie ins Grab hineingingen, sahen sie auf der rechten Seite eine jünglingshafte Gestalt sitzen, die ein strahlend helles Gewand trug. Da erzitterten sie vor Ehrfurcht.

Die Gestalt sagte zu ihnen: »Fürchtet euch nicht! Ihr sucht Jesus aus Nazaret, den Gekreuzigten. Er ist von den Toten auferweckt worden, er ist nicht hier; seht den Ort, wo sie ihn hingelegt hatten.

Nun aber geht hin, sagt seinen Jüngerinnen und Jüngern, auch dem Petrus: Er geht euch nach Galiläa voraus; dort werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat.«

Und die Frauen gingen hinaus und flohen von dem Grab, denn sie waren außer sich vor Zittern und Ekstase. Und sie sagten niemandem etwas, denn sie fürchteten sich.“

Osterevangelium nach Markus, Kapitel 16, 1 – 8

 

„Fürchtet euch nicht!“ Die schönsten, die wichtigsten drei Engelsworte an uns Menschen. Engel sprechen sie in der Christnacht zu den Hirten, gegen die Angst.

Engel sprechen sie am Ostermorgen zu den Frauen, die in der Dämmerung zum Grab Jesu kommen, gegen ihre Sorgen. Müde und zerschlagen sind sie, voll Trauer und Tränen. Und hören die Engelsworte „Fürchtet euch nicht!“

„Fürchtet euch nicht!“ Jedes Jahr höre ich das an Ostern in der dunklen Kirche. Dies Jahr ist es anders. Und doch vertraut. Und höre die vertrauten Engelsworte:

„Fürchte dich nicht!“, denn Glaube, Hoffnung und Liebe sind stärker als der Tod.

„Fürchte dich nicht!“, denn das Leben lässt sich vom Tod nicht unterkriegen.

„Fürchte dich nicht!“, allen Widerständen zum Trotz. Aller Krankheit, allen Toden, allen Kriegen zum Trotz. Das Leben ist am Ende stärker. Und wer lebt, der glaubt und liebt und hofft. Bis zuletzt. Und über den Tod und all die Tode hinaus.

Das größte Gottesgeschenk, das wir Menschen bekommen: dass das Leben immer wieder neu beginnt. Dass das Leben immer wieder neu anfängt, immer wieder neu aufersteht.

Dass ich neu anfangen kann, immer wieder, aufstehen und auferstehen, das glaube ich. Leben wagen, das liebe ich. Und dass es selbst mit meinem Tod damit nicht vorbei ist, das hoffe ich. Glaube, Liebe, Hoffnung.

Und es beginnt mit den drei Engelsworten, in meine Ohren geflüstert, während ihre Schwingen über meinen Rücken streichen: „Fürchte dich nicht!“

„Fürchte dich nicht!“, bei allem, was ist in diesen Tagen … Abstand halten, Masken tragen, in langen Schlangen stehen.

„Fürchte dich nicht!“, bei aller Sorge um geliebte Menschen, und wohin das alles noch führen soll.

„Fürchte dich nicht!“ bei allen Nachrichten, auch wenn sie dir den Schlaf rauben.

Fürchte dich nicht lebendig zu sein, fürchte dich nicht zu glauben, zu hoffen, zu lieben.

Fürchte dich nicht, Worte für wahr zu halten, Vertrauen zu haben und keinen Beweis einzufordern.

Fürchtet euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Halleluja! Er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja! Das Leben ist stärker.
Frohe Ostern.

Bleiben wir verbunden!

Viele Aufrufe gibt es und Initiativen zu gemeinsamen Tun. Glockenläuten zu bestimmten Uhrzeiten. Eine Kerze ins Fenster stellen. Stille werden zum Gebet. Sich verbinden. Untereinander und miteinander.

Mittags um halb eins in der Krankenhauskapelle. Ich unterbreche mein Tun. Höre auf den Glockenschlag von St. Georg. Mein Kopf und mein Herz sind voll. So vieles ist jetzt anders, so vieles muss neu bedacht werden. Was noch geht in der Seelsorge und was nicht. In Verbindung bleiben. Mit den Pflegenden. Mit den Patienten. Mit den Angehörigen.

Die Kamera läuft. Die Pforte hat den Hauskanal auf Sendung geschaltet. Die Patienten in den Krankenzimmern können am Bildschirm mitbeten. Ich versuche zur Ruhe zu kommen. Einatmen … ausatmen … alles lassen. Ruhig werden vor Gott. Mich verbinden mit Gott. Beten. Guter Gott, bete ich, ich bin hier. Und Du bist hier. Ich bete zu Dir. Und weiß: ich bin verbunden. Mit Dir. Mit anderen, die zu Dir beten. Genau jetzt. Genau so. Ich bin hier. Und du bist hier. Das genügt. Und ich bringe Dir alles, was ist.

Und nach einem Moment der Stille ende ich: Gott, höre mein Gebet. Amen. Ich singe ein Lied zur Gitarre: „Da wohnt ein Sehnen tief in uns, o Gott, nach dir, dich zu sehn, dir nah zu sein. Es ist ein Sehnen, ist ein Durst nach Glück, nach Liebe, wie nur du sie gibst.“

Und dann bete ich mit einem Psalm aus der Bibel weiter. Und sage ein Trostwort. Gott sagt: „Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.“ (Jes 66,13).

Nach einer weiteren Stille bete ich weiter: Lass dir erzählen, Gott, wie es uns geht. In diesen Tagen. Wo alles so anders ist. So durcheinander. Wo die Sonne lacht und wir die Freude vergessen. Wo die Natur neues Leben hervorbringt und wir in Ängsten sind. Tröste uns, wie eine Mutter tröstet.

Lass dir erzählen, Gott, wie es deinen Menschen geht. Den Alten in den Pflegeheimen, die wir nicht mehr besuchen dürfen wie sonst. Und den Kranken,
die meist ohne ihre Lieben in den Krankenhäusern sind. Allen Menschen, die in ihren Wohnungen bleiben müssen und die Einsamkeit fürchten. Tröste sie, wie eine Mutter tröstet.

Lass dir erzählen, Gott, wie es deinen Menschen geht. Den Kindern, die die Sorge der Erwachsenen spüren. Den Jugendlichen, für die Ruhe halten so schwer ist. Den Eltern, die jetzt so viele Lösungen finden müssen. Allen Menschen, die um ihre Existenz fürchten. Tröste sie, wie eine Mutter tröstet.

Lass dir erzählen, Gott, wie es deinen Menschen geht. Den Menschen, die sowieso schon am Ende ihrer Kräfte sind. In den Flüchtlingslagern in Griechenland und anderswo. In den griechisch-türkischen Grenzgebieten. Und lass dir erzählen von den vielen Menschen, dort und hier, die helfen und nicht müde werden. Tröste sie, wie eine Mutter tröstet.

Gott, schütte sanft deinen Trost über uns aus. Der uns umhüllt. Und Segen dazu. Der uns immun macht gegen die Panik. Sage zu unserem ängstlichen Herzen: „Beruhige dich.“ Sprich zu unserer verzagten Seele: „Ja, die Gefahr ist da. Aber ich bin bei dir.“  Und noch dazu und allem zum Trotz: Gib uns die Freude wieder. An der Sonne. An der aufbrechenden Natur. An den Menschen, die wir lieben. An dir, du Gott des Lebens. Damit wir mutig durch diese Zeit gehen.