Geistlicher Impuls

Göttlicher Beistand rückt in die Nähe Gottes

Holger Ossowski, Pfarrer in Garrel

Liebe Leserinnen und Leser, viele von uns sind es gewohnt, sich ihre Wünsche möglichst selbst zu erfüllen. Im digitalen Zeitalter ist das noch leichter: online bestellen und bezahlen. Oft wird die Ware dann als Paket schon am nächsten Tag direkt nach Hause geliefert.

Und doch gibt es Dinge, die wir uns nicht kaufen können, sondern um die wir bitten müssen. Dazu gehört der Segen: „Der HERR segne dich und behüte dich; der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden“, lautet der priesterliche Segen im Alten Testament (4. Mose 6, 24- 26).

Nach biblischem Verständnis ist es allein Gott, der durch die Worte und Hände der Menschen den Segen weitergibt. Umfassend und reich sind die Dinge, die Gott uns schenkt. Leiblich spürbar wird diese Zuwendung Gottes besonders in dem Segen mit Handauflegung. Sie ist ein Zeichen dafür, dass die Kraft Gottes am Menschen wirksam wird.

Der Segen Gottes an den Menschen ist durch Jesus Christus Wirklichkeit geworden. Das lateinische Wort signare bedeutet segnen: sich mit dem Kreuz bezeichnen und sich zu Christus bekennen. „Gehet hin im Frieden des Herrn“: Es ist die Zusage göttlichen Beistandes mit denen Christinnen und Christen in die Welt gesandt werden. Die lebensfördernde Kraft des Segens wird ihnen zuteil durch das Wort Christi. An Trinitatis, dem Fest der Heiligen Dreifaltigkeit, wird Gott als Vater, Sohn und Heiliger Geist bekannt. Es sind drei Wesensarten und doch ist Gott eins: Schöpfung, Erlösung und Heiligung zugleich. Es ist der Glaube daran, dass Gott mich geschaffen, sein Sohn Jesus Christus mich erlöst und der Heilige Geist mich berufen und geheiligt hat.

In diesem Vertrauen sprechen wir den Segen, der uns Menschen in die Nähe Gottes rückt. Lassen auch Sie sich in diesen bewegten Zeiten in Gottes Nähe rücken.

Holger Ossowski, ev.-luth. Pfarrer in Garrel, Kreisdiakoniepfarrer

Ich fühle mich getragen

Fürchte dich nicht, denn ich stehe dir bei, hab keine Angst, denn ich bin dein Gott! Ich mach dich stark, ich helfe dir und beschütze dich. (Jesaja 41,10).

Auf meinem Schreibtisch im Diakoniebüro Cloppenburg steht ein kleiner Kalender mit Tagessprüchen – und manchmal schafft es einer dieser kurzen Sätze an meine Pin-Wand im Büro. Der genannte Spruch von Jesaja gehört dazu.

Durch die Corona-Welle hat auch unser Diakoniebüro turbulente und unruhige Zeiten erlebt. Auch wenn Hilfesuchende in den letzten Wochen nur in Ausnahmefällen persönlich beraten werden konnten, waren alle Kolleginnen und Kollegen da und haben per Telefon, Mail oder auf dem Postweg Beratung durchgeführt. Probleme lösen sich nicht einfach auf, auch wenn ein Virus unser „normales Alltags- und Berufsleben“ total verändert. Oft mussten wir gemeinsam überlegen wie die Beratung unter den veränderten Bedingungen durchgeführt werden kann. Jeder Woche gab es Veränderungen auf die wir gemeinsam als Team reagieren mussten und auch haben.

Und was bleibt nach so vielen Wochen in der akuten „Corona-Krise“? Bei mir persönlich bleibt ein Gefühl, dass ich von Gott getragen werde. Die Situationen waren neu und herausfordernd, aber Angst habe ich nicht gefühlt. Gott war bei mir und hat mich beschützt. Ich hoffe, dass auch alle Hilfesuchenden, die in dieser schwierigen Zeit von meinen Kolleginnen und Kollegen beraten wurden, gespürt haben, dass wir alle zusammen mutig waren und uns mit all unserer Kraft für sie eingesetzt haben.

Und jetzt hat sich unser Beratung-Alltag wieder verändert – und wieder werden wir darauf reagieren und mit Zuversicht und Gottvertrauen unsere Arbeit angehen.

Martina Fisser, Geschäftsführung, Diakonisches Werk im Ev.-Luth. Kirchenkreises Oldenburger Münsterland

Sammeln Sie Treuepunkte?

Hiltrud Warntjen, Krankenhauspfarrerin in Vechta

Ja – sammeln Sie Treuepunkte? Beim Bäcker? Im Getränkemarkt? Oder im Lebensmittelladen? Sind Sie eine treue Kundin? Ein treuer Einkäufer? Sammeln Sie Treuepunkte?

Manchmal tue ich es, meistens aber nicht. Früher mehr als heute. Das Sammeln ist mir zu mühsam, noch ein Kärtchen im Portemonnaie, wie viele Punkte für was, wie lange läuft ist die Aktion. Ich verliere da recht schnell den Überblick – und die kleinen Klebepunkte sowieso. Doch auch ohne Punkte bin ich eine ziemlich treue Kundin.

Treuepunkte sammeln, wäre das nicht eine gute Idee für unsere Beziehungen? In der Familie und Verwandtschaft? In der Nachbarschaft oder am Arbeitsplatz? Wenn ich 100 Treuepunkte gesammelt habe, dann bleibt die Beziehung gut und fest, das wär doch was?

Und könnten wir dann nicht auch gleich noch Treuepunkte bei Gott sammeln? Durch regelmäßigen Gottesdienstbesuch, ordentliche Spenden, gute Taten der Nächstenliebe? Wär doch was?

Treue ist wichtig, sagen wir. Denn wir wissen: Treue kann verloren gehen, ja, kann sogar hintergangen werden. Auch für Gott sind Treue und Untreue ein Thema. Gott will Beziehung. Ja, Gott ist gesellig, könnte man sagen. Hat gern ein Gegenüber, von Anfang an. Hat mit den Menschen sogar einen Bund geschlossen: „Ich bin bei dir, ich bleibe dir treu. Du kannst dich immer auf mich verlassen.“

Gott und Menschen sind miteinander unterwegs. Viele gute Zeiten der gegenseitigen Treue. Aber auch schwere Zeiten. In denen Menschen kritisch fragten: „Was sollen wir mit den alten Geschichten? Alles völlig überholt. Ohne Bedeutung für uns. Wir steigen aus, wir kündigen.“

Und Gott? Gott setzt auf die Liebe. Bleibt seinen Menschen treu. Rechnet nicht auf, rechnet nicht vor. Gott verlangt keine Wiedergutmachung. Entscheidet sich klar und eindeutig für einen anderen Weg.

Gott setzt auf die Liebe. Will das Herz der Menschen berühren, ihr Innerstes, ihr Denken und Handeln. Ganz schön riskant, könnte man sagen. Riskant und auch ein bisschen naiv, nur auf das Herz zu setzen. Im Innersten, in unserm Herz ist oft viel los. Gefühle und Gedanken gehen durcheinander. Heute so und morgen so.

Doch Gott setzt auf die Liebe, trotz allem. Setzt dafür sogar sein Herzallerliebstes, Jesus, ein. Jesus berührt das Herz der Menschen. Kommt uns nah, hört uns aufmerksam zu. Spricht wohltuende, helfende Worte. Ermutigt so Menschen, ihr Herz zu öffnen und beschenkt sie mit Glaube, Liebe und Hoffnung. Wie das geht?

Eine kleine Geschichte erzählt es so: Ein Junge lässt am Strand bei herrlichem Wetter und gutem Wind seinen bunten Drachen steigen. Als seine Schnur völlig abgerollt ist, sieht man den Drachen gar nicht mehr, so hoch ist er in die Wolken hineingeschwebt. Eine ältere Frau kommt zu dem Jungen und fragt ihn, was er da mache.

Der Junge antwortet ihr, dass er seinen schönen bunten Drachen in den Himmel steigen lasse. Die Frau entgegnet ihm, wo er denn sei, sie könne gar keinen Drachen sehen. Da entgegnet der Junge, dass er ihn auch nicht sehen könne, so weit weg sei er. Aber dennoch wüsste er, dass er da ist. Er fühle, wie er an der Leine zieht.

Gott können wir nicht sehen, aber spüren. Eine unsichtbare Schnur verbindet Gott und uns. So spüren wir Gottes Kraft in uns, auch hinter dunklen Wolken. Wenn wir traurig sind, uns ganz hilflos fühlen, wenn wir Angst haben, uns große Sorgen machen, wenn das Herz weh tut, weil wir verletzt oder verlassen worden sind, Gott ist da. Gott ist eindeutig. Gott setzt auf die Liebe und wir müssen keine Treuepunkte sammeln.

Hiltrud Warntjen

Bleiben Sie behütet!

Hiltrud Warntjen, Krankenhauspfarrerin in Vechta

Ja – Sie haben richtig gelesen! Behütet bleiben! Davon will ich heute eigentlich schreiben. 

Denn dies andere, dies „Bleiben Sie gesund!“ oder „Bleib gesund!“, das hören wir in letzter Zeit viel öfter als sonst schon.

„Bleib gesund!“ Das hören meine Ohren erst mal als Aufforderung: nun streng dich mal ordentlich an, bleib gesund! Wie viele andere Menschen bin auch ich schon lange nicht mehr richtig gesund. Für uns mit den chronische Krankheiten, mit denen wir leben müssen, hört sich das seltsam an: „Bleib gesund!“ Wie denn bloß?

 „Bleib gesund!“ Ach so, nicht akut erkranken. Nicht noch eine Diagnose. Na gut. Aber liegt das überhaupt in meinen Händen? Kann ich dem wirklich gehorchen, diesem Auftrag „bleib gesund!“? Muss ich mich nur ordentlich anstrengen? Und dann bleibe ich einfach gesund?

„Bleib gesund!“ In letzter Zeit wird das reichlich oft gesagt. Mit dem Unterton „Krieg bloß nicht diese Krankheit! Steck dich bloß nicht an!“ Mmmmh. Also, für mich klingt das fast wie „bleib zuhause“, „schließ dich ein“, „pass bloß auf!“ Als gäbe es keine andere Krankheiten mehr. Oder anderes, was mir besser auch nicht passiert!

„Bleib gesund!“ Je länger ich drüber nachdenke, so scheint es mir jetzt: das ist wohl doch ganz anders gemeint. Das ist ein Segenswunsch, so wie „Viel Glück!“ „Bleib gesund“, das meint, ich wünsche Dir, dass Du nicht krank wirst, dass Du so gesund bleibst, wie Du bist. „Bleib gesund!“, ein Segenswunsch. Gerne gesagt beim Verabschieden, beim Auseinandergehen.

„Bleib gesund!“ als Segenswunsch. Ja, so kann ich das gut hören. „Viel Glück und viel Segen“ singen wir gern an Geburtstagen. Als Christin glaube ich: Gott segnet und behütet mich. Von meinem ersten Atemzug an bis zu meinem letzten. Darum wünsche ich meinen Lieben und meinen Mitmenschen gern:

„Bleib behütet!“ oder „Bleiben Sie behütet!“ Jeden Tag empfange ich Gottes Segen. Ich habe Brot zu essen und Kleider anzuziehen. Und eine Wohnung. Und eine Arbeit auch. Und Kinder habe ich geschenkt bekommen. Und einen lieben Mann. Was soll ich noch aufzählen?

„Bleib behütet!“ Zeichen von Gottes Segen gibt es jeden Tag. Ohne Bedingungen. Gott schenkt uns Leben in Fülle. Und gerade die Menschen, denen es nicht so gut geht, bei denen das Überlebensnotwendige knapp ist, die wissen genau: Sie verdanken ihr Leben und alles Gute darin Gott, Gottes Segen.

„Bleib behütet!“ Am Ende jedes Gottesdienstes empfangen wir den Segen. Und leben so aus dem Wissen heraus: Ja, ich bin angewiesen darauf, dass Gott bei mir ist. Dass Gott mich segnet. Und behütet. Und mir immer wieder einen neuen Anfang schenkt. Gott segnet mich und behütet mich. Gott lässt sein Angesicht leuchten über mir und ist mir gnädig.

„Bleib behütet!“ Gottes Segen bringt Klarheit in mein Leben. Nicht alles ist schön, was ich in diesem Licht sehe. Ich erkenne meine Fehler, beginne zu verstehen, was ich ändern muss. Gott beleuchtet mein Leben mit einem gnädigen Licht. Schaut zärtlich auf mein Tun und Lassen. Vergibt mir, wo ich fehle. Gott ist gnädig.

„Bleib behütet!“ Gottes Segen legt mir den Glauben ins Herz. Immer wieder. Und der Frieden kommt mir nah. Gott hebt sein Angesicht über mich und gibt mir Frieden. Legt seinen Geist über mich. Und ich sehe die Welt mit Gottes Augen. Halte es aus, schaue nicht weg. Weil mir Gott seinen Frieden ins Herz legt. Seinen Traum von einer gerechten Welt, in der alle Menschen in Würde leben können.

„Bleib behütet!“ Jeden Sonntag schickt uns der Segen Gottes in die neue Woche. Den Segen sollen wir in der Welt ausbreiten. Alles ist da, was wir brauchen, um die Welt zu erneuern. Mit Gutem sind wir beschenkt. Und von Gott behütet. Unser Leben leuchtet unter Gottes Klarheit und Gnade. Gottes Frieden für unsere Welt. „Bleibt behütet!“

Hiltrud Warntjen, Krankenhausseelsorgerin aus Vechta

 

Muttertag…

Hiltrud Warntjen, Krankenhauspfarrerin in Vechta

…fange ich mal bei mir an. Meine Mutter lehnt den Tag ab, bis heute. Als Kind fand ich das nur blöd…

Die anderen hatten Geschenke oder Blumen für ihre Mütter, da brauchte ich gar nicht erst mit anzufangen. Das wollte sie nicht. Sie fand es unangemessen. Viel zu wenig eben. Als Schulkind habe ich dann gerne am Muttertag in aller Frühe das Frühstück allein vorbereitet. Als Überraschung. Das hat sie dann doch gefreut, das hätte sie gerne bestimmt viel öfter erlebt.

Muttertag, ja. Als ich selbst Mutter geworden war, nahm ich das mütterliche Erbe an und verweigerte Begeisterung über Muttertagsgeschenke. Nun hatte ich selbst erlebt, was Muttersein bedeutet: hegen und pflegen, hüten und betreuen, umsorgen und verzärteln, helfen und kümmern. Rund um die Uhr. Dazu viel Praktisches wie wickeln und baden, kochen und backen, Wäsche machen und Geschirr spülen, aufräumen, putzen und einkaufen. Ein Haufen Arbeit. Ja.

Muttertag. Für mein Gefühl und wohl auch das meiner Mutter (87) ist ein Tag im Jahr entschieden zu wenig Anerkennung für all die Plackerei. Lieber immer wieder mal gelobt werden, öfters ein Dankeschön, eine Anerkennung. Kleine Zeichen, dass andere sehen, was die Mutter leistet.

Muttertag 2020. Wir werden Kontakt haben! Das ist das Besondere in diesem Jahr! In den meisten Bundesländern sind Besuche bei den alten Müttern (und natürlich auch den Vätern) in den Pflegeeinrichtungen wieder erlaubt. Die werden aufatmen und durchatmen und sich freuen. Auch wenn manche von ihnen uns vielleicht nicht mehr wieder erkennen, weil die Demenz noch weiter fortgeschritten ist und die Isolation zu lang war.

Muttertag 2020. Wie mag es den jungen Müttern gehen? Nach vielen Wochen, wo ich sie kaum gesehen habe mit ihren Kindern, sind sie wieder sichtbar. Unsicher. Was wohl richtig ist in diesen Zeiten. Wenn sie mit dem Kleinkind auf dem Arm einkaufen gehen. Viel Gebrüll kleiner Kinder habe ich erlebt diese Woche. Das erst aufhörte, wenn die Mutter die Maske abnahm. Wieder erkennbar wurde, wieder wie die Mama aussah! Erleichterung bei den jungen Müttern, wenn die anderen im Geschäft das duldeten und mittrugen.

Muttertag 2020. In Krisenzeiten. Mit Isolation und Quarantäne. Mehr Frauen als bisher geht es schlecht. Angst und Panik, Stress und Enge, Geldnöte und andere Sorgen, dazu der Anstieg häuslicher Gewalt. Es gibt mehr verzweifelte Mütter und wütende Frauen. Erleben sie doch oft, dass sie es sind, die nun die Hauptlast der vorher fair geteilten Erziehungsarbeit tragen müssen.

Muttertag 2020. Ja, heute ist Muttertag. Die Gemeinden beginnen wieder ganz vorsichtig mit ihren Gottesdiensten. Mit strengen Regeln. Alles nach Vorschrift.

Vielleicht auch mit einem Dank für die mütterlichen Menschen, die weiblichen und die männlichen.

Muttertag. Gott danken für die mütterlichen Menschen. Weil sie uns etwas von der mütterlichen Liebe Gottes vorleben. Einer Liebe, die sich „verschwendet“, so wie Gott uns liebt. Danke für die mütterlichen Menschen, weiblichen und männlichen Geschlechts. Danke an Gott, unser aller Mutter, der uns heute begegnet in mütterlichen Menschen. Danke an Gott, die uns tröstet wie eine Mutter. Die uns das Laufen lehrt und in die Arme nimmt. Bei der wir Zuflucht finden. Gott trägt uns auf unseren schweren Wegen liebevoll und sicher wie eine Adlermutter ihr Kinder auf Flügeln trägt.

Muttertag 2020. Gottes mütterliche Gegenwart sei anwesend, zärtlich und liebevoll, bergend und schützend, geduldig und vergebend – und sich verschwendend. Schenke uns allen Geborgenheit und Zuflucht – und ein langen Atem denen, die ihn so sehr brauchen in diesen Zeiten. Mein Muttertagswunsch 2020.

Suchet der Stadt Bestes…

Pfr. J. Schwartz, Lastrup

Mitten hinein in die neuen Herausforderungen und zwischen die Corona-Eilmeldungen spricht mich ein Wort aus dem Alten Testament an. Beim Propheten Jeremia heißt es:
„Suchet der Stadt Bestes und betet für sie“. (Jeremia 29,7).
Für mich bedeutet das unter anderem: Verantwortung vor Gott und den Menschen!Das markiert dieser Satz. Und das gilt in besonderer Weise in den Herausforderungen unserer Tage.
Wie durch ein Brennglas gesehen bündeln sich in dieser Situation menschliche Verhaltensweisen der positiven wie der negativen Art. Neben der Haltung „Jeder ist sich selbst der Nächste“ gibt es Mut machende Beispiele der Verantwortungsübernahme für andere. Und so möchte ich Danke sagen:

  • Danke an all diejenigen, die dafür sorgen, dass Kranke, Alte und Menschen mit Behinderung versorgt werden.
  • Danke an all diejenigen, die die Supermärkte beliefern, die Kartons auspacken und Waren einsortieren.
  • Danke an die Lehrerinnen und Lehrer, Erzieherinnen und Betreuungskräfte, die zur Notversorgung für Kinder bereitstehen.
  • Danke an die Politikerinnen und Politiker, an die Verwaltungskräfte Mitarbeitenden, die sich hoffentlich gut beraten lassen und Entscheidungen treffen, die uns helfen.
  • Danke an die Mitarbeitenden bei Zeitung und Radio, im Fernsehen und in den „sozialen Kanälen“, die ihren Dienst machen und uns Nachrichten liefern.
  • Danke an die Paketdienste und die Postzustellenden, die uns versorgen mit Sachen, mit Briefen und Mitteilungen.
  • Danke an die Notdienste bei Feuerwehr, Polizei, Telefon und Heizung.

Ich könnte noch lange weitermachen. Und merke: Eigentlich ist das ganz einfach, „Danke“ zu sagen. Deswegen möchte ich mich heute einfach nur bedanken.Bei all denjenigen, die in dieser schwierigen Zeit ihren Mann und ihre Frau stehen. Bei all denen, die dafür sorgen, dass ich auch in Krisenzeiten sicher bin: Es wird weiter gehen.

Und ich merke: Mein Dank reicht noch weiter:

  • Danke sage ich meiner Familie und meinen Freunden. Ganz egal, wie blöd ich mich verhalten habe; sie waren für mich da.
  • Danke sage ich unseren Nachbarn für die kleinen Gespräche quer über den Gartenzaun. Sie gaben und geben mir ein Gefühl von Heimat und Vertrautheit und Normalität.
  • Danke sage ich meinen Kollegen, dass wir unterschiedlicher Meinung sein können und uns trotzdem immer wieder unterstützen.

Und ich bedanke mich heute bei all denen, die Trost spenden; die Hoffnung geben;die einfach da sind; die Einkäufe für andere erledigen; die anrufen und fragen: „Wie geht es Dir?“; die eine Nachricht auf das Handy schicken oder eine E-Mail schreiben … und so ein Lebenszeichen senden und Anteilnahme zeigen.

Danke.

All das sind Zeichen der Sorge für den Nächsten. Das ist Eintreten für den Nächsten.

Das ist Barmherzigkeit und Nächstenliebe pur. Gerade jetzt geht es nicht um ängstliche Hysterie, sondern um ein Handeln in Nächstenliebe und in ruhiger Verantwortlichkeit.

Gut überlegte Maßnahmen und die tägliche Situationsanalyse auf der einen Seite und das Gebet für erkrankte und gesunde Menschen auf der anderen Seiten – beides gehört zusammen.

Manch einer denkt an den Liedvers von Jochen Klepper: „Die Hände, die zum Beten ruhn, die macht erst stark zur Tat. Und was der Beter Hände tun, geschieht nach seinem Rat.“ (Evangelisches Gesangbuch, EG 457,11)

Darum: „Suchet der Stadt Bestes und betet für sie.“

Bleiben Sie behütet.

Mit einem herzlichen Gruß

Jürgen Schwartz, Pfarrer in Lastrup und Lindern

 

Vom Schrecken befreit

Holger Ossowski, Pfarrer in Garrel

Alle Türen sind verschlossen. Die Jünger haben sich nach außen hin abgeschottet. Sie lassen in ihrer Angst und Trauer niemanden herein. Doch plötzlich steht der auferstandene Jesus mitten unter ihnen. Die Jünger sind verwirrt und können keinen klaren Gedanken fassen. Etwas völlig Neues ist in ihrem Leben eingebrochen und will sich nicht in ihr Denken einfügen. Der Auferstandene weist die Jünger zurecht: „Was seid ihr so erschrocken, und warum kommen solche Gedanken in euer Herz?“ (Lk 24,38) Welche Gedanken gelangen in dieser Zeit in unser eigenes Herz und legen sich manchmal geradezu wie eine schwere Last auf unsere Brust und nehmen uns den Atem? Diese Angst soll um Christi Willen keine Macht mehr über uns haben. Darauf dürfen wir vertrauen: Frohe Ostern!

Holger Ossowski ist Kreisdiakoniepfarrer im Kirchenkreis Oldenburger Münsterland und ev.-luth. Pfarrer in Garrel

 

 

Halleluja, Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden!

Hiltrud Warntjen, Krankenhauspfarrerin in Vechta

Als der Sabbat vorüber war, kauften Maria Magdalena und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome duftende Öle, um zum Grab zu gehen und Jesus zu salben.

Sehr früh am Sonntag gingen sie zum Grab, als die Sonne gerade aufging.

Da sagten sie zueinander: »Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür?«

Doch als sie aufschauten, sahen sie, dass der Stein schon weggewälzt war. Dabei war er sehr groß.

Und als sie ins Grab hineingingen, sahen sie auf der rechten Seite eine jünglingshafte Gestalt sitzen, die ein strahlend helles Gewand trug. Da erzitterten sie vor Ehrfurcht.

Die Gestalt sagte zu ihnen: »Fürchtet euch nicht! Ihr sucht Jesus aus Nazaret, den Gekreuzigten. Er ist von den Toten auferweckt worden, er ist nicht hier; seht den Ort, wo sie ihn hingelegt hatten.

Nun aber geht hin, sagt seinen Jüngerinnen und Jüngern, auch dem Petrus: Er geht euch nach Galiläa voraus; dort werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat.«

Und die Frauen gingen hinaus und flohen von dem Grab, denn sie waren außer sich vor Zittern und Ekstase. Und sie sagten niemandem etwas, denn sie fürchteten sich.“

Osterevangelium nach Markus, Kapitel 16, 1 – 8

 

„Fürchtet euch nicht!“ Die schönsten, die wichtigsten drei Engelsworte an uns Menschen. Engel sprechen sie in der Christnacht zu den Hirten, gegen die Angst.

Engel sprechen sie am Ostermorgen zu den Frauen, die in der Dämmerung zum Grab Jesu kommen, gegen ihre Sorgen. Müde und zerschlagen sind sie, voll Trauer und Tränen. Und hören die Engelsworte „Fürchtet euch nicht!“

„Fürchtet euch nicht!“ Jedes Jahr höre ich das an Ostern in der dunklen Kirche. Dies Jahr ist es anders. Und doch vertraut. Und höre die vertrauten Engelsworte:

„Fürchte dich nicht!“, denn Glaube, Hoffnung und Liebe sind stärker als der Tod.

„Fürchte dich nicht!“, denn das Leben lässt sich vom Tod nicht unterkriegen.

„Fürchte dich nicht!“, allen Widerständen zum Trotz. Aller Krankheit, allen Toden, allen Kriegen zum Trotz. Das Leben ist am Ende stärker. Und wer lebt, der glaubt und liebt und hofft. Bis zuletzt. Und über den Tod und all die Tode hinaus.

Das größte Gottesgeschenk, das wir Menschen bekommen: dass das Leben immer wieder neu beginnt. Dass das Leben immer wieder neu anfängt, immer wieder neu aufersteht.

Dass ich neu anfangen kann, immer wieder, aufstehen und auferstehen, das glaube ich. Leben wagen, das liebe ich. Und dass es selbst mit meinem Tod damit nicht vorbei ist, das hoffe ich. Glaube, Liebe, Hoffnung.

Und es beginnt mit den drei Engelsworten, in meine Ohren geflüstert, während ihre Schwingen über meinen Rücken streichen: „Fürchte dich nicht!“

„Fürchte dich nicht!“, bei allem, was ist in diesen Tagen … Abstand halten, Masken tragen, in langen Schlangen stehen.

„Fürchte dich nicht!“, bei aller Sorge um geliebte Menschen, und wohin das alles noch führen soll.

„Fürchte dich nicht!“ bei allen Nachrichten, auch wenn sie dir den Schlaf rauben.

Fürchte dich nicht lebendig zu sein, fürchte dich nicht zu glauben, zu hoffen, zu lieben.

Fürchte dich nicht, Worte für wahr zu halten, Vertrauen zu haben und keinen Beweis einzufordern.

Fürchtet euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Halleluja! Er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja! Das Leben ist stärker.
Frohe Ostern.

 

 

Bleiben wir verbunden!

Pfarrerin Hiltrud Warntjen, Krankenhausseelsorgerin in Vechta

Viele Aufrufe gibt es und Initiativen zu gemeinsamen Tun. Glockenläuten zu bestimmten Uhrzeiten. Eine Kerze ins Fenster stellen. Stille werden zum Gebet. Sich verbinden. Untereinander und miteinander.

Mittags um halb eins in der Krankenhauskapelle. Ich unterbreche mein Tun. Höre auf den Glockenschlag von St. Georg. Mein Kopf und mein Herz sind voll. So vieles ist jetzt anders, so vieles muss neu bedacht werden. Was noch geht in der Seelsorge und was nicht. In Verbindung bleiben. Mit den Pflegenden. Mit den Patienten. Mit den Angehörigen.

Die Kamera läuft. Die Pforte hat den Hauskanal auf Sendung geschaltet. Die Patienten in den Krankenzimmern können am Bildschirm mitbeten. Ich versuche zur Ruhe zu kommen. Einatmen … ausatmen … alles lassen. Ruhig werden vor Gott. Mich verbinden mit Gott. Beten. Guter Gott, bete ich, ich bin hier. Und Du bist hier. Ich bete zu Dir. Und weiß: ich bin verbunden. Mit Dir. Mit anderen, die zu Dir beten. Genau jetzt. Genau so. Ich bin hier. Und du bist hier. Das genügt. Und ich bringe Dir alles, was ist.

Und nach einem Moment der Stille ende ich: Gott, höre mein Gebet. Amen. Ich singe ein Lied zur Gitarre: „Da wohnt ein Sehnen tief in uns, o Gott, nach dir, dich zu sehn, dir nah zu sein. Es ist ein Sehnen, ist ein Durst nach Glück, nach Liebe, wie nur du sie gibst.“

Und dann bete ich mit einem Psalm aus der Bibel weiter. Und sage ein Trostwort. Gott sagt: „Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.“ (Jes 66,13).

Nach einer weiteren Stille bete ich weiter: Lass dir erzählen, Gott, wie es uns geht. In diesen Tagen. Wo alles so anders ist. So durcheinander. Wo die Sonne lacht und wir die Freude vergessen. Wo die Natur neues Leben hervorbringt und wir in Ängsten sind. Tröste uns, wie eine Mutter tröstet.

Lass dir erzählen, Gott, wie es deinen Menschen geht. Den Alten in den Pflegeheimen, die wir nicht mehr besuchen dürfen wie sonst. Und den Kranken,
die meist ohne ihre Lieben in den Krankenhäusern sind. Allen Menschen, die in ihren Wohnungen bleiben müssen und die Einsamkeit fürchten. Tröste sie, wie eine Mutter tröstet.

Lass dir erzählen, Gott, wie es deinen Menschen geht. Den Kindern, die die Sorge der Erwachsenen spüren. Den Jugendlichen, für die Ruhe halten so schwer ist. Den Eltern, die jetzt so viele Lösungen finden müssen. Allen Menschen, die um ihre Existenz fürchten. Tröste sie, wie eine Mutter tröstet.

Lass dir erzählen, Gott, wie es deinen Menschen geht. Den Menschen, die sowieso schon am Ende ihrer Kräfte sind. In den Flüchtlingslagern in Griechenland und anderswo. In den griechisch-türkischen Grenzgebieten. Und lass dir erzählen von den vielen Menschen, dort und hier, die helfen und nicht müde werden. Tröste sie, wie eine Mutter tröstet.

Gott, schütte sanft deinen Trost über uns aus. Der uns umhüllt. Und Segen dazu. Der uns immun macht gegen die Panik. Sage zu unserem ängstlichen Herzen: „Beruhige dich.“ Sprich zu unserer verzagten Seele: „Ja, die Gefahr ist da. Aber ich bin bei dir.“  Und noch dazu und allem zum Trotz: Gib uns die Freude wieder. An der Sonne. An der aufbrechenden Natur. An den Menschen, die wir lieben. An dir, du Gott des Lebens. Damit wir mutig durch diese Zeit gehen.

Pfarrerin Hiltrud Warntjen, Krankenhausseelsorgerin

 

 

Kraft, Liebe und Besonnenheit

Pfarrer J. Schwartz, Lastrup

Liebe Leserinnen und Leser,

in dieser Zeit hilft mir ein Mutmach-Wort aus dem Neuen Testament, das ich gerne weitergebe:

 „Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit (2.Timotheus 1,7).

Kraft, Liebe und Besonnenheit – diese drei Tugenden und Haltungen brauchen wir im öffentlichen und im privaten Bereich.

Die Liebe drängt nach der Umarmung oder zumindest dem Handschlag. Die Besonnenheit lässt uns das freundliche Zunicken vorziehen – oder auch den Stups mit dem Ellenbogen als neue Form der Begrüßung.

Die Liebe zeigt uns aber ganz bestimmt den richtigen Weg. Die Liebe sagt: Rücksicht auf andere ist wichtiger als die eigene Gelassenheit.

Wenn wir jetzt unerwartet mehr Zeit haben durch abgesagte Veranstaltungen – oder weil wir zuhause bleiben müssen, dann können wir sie nutzen für Besinnung, Gebet, für das Lesen in der Bibel und im Gesangbuch.

Wir denken an die Menschen, die gesundheitlich mit den Folgen des Virus kämpfen. Wir denken auch an die Menschen, die spürbar unter den wirtschaftlichen Konsequenzen des Virus zu leiden haben. Menschen haben Angst um ihren Arbeitsplatz. Geschäftsleute bangen um das wirtschaftliche Überleben.

Für sie alle und für uns selbst wollen wir beten:

 „Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden. Amen.“

Kein Zweifel: Der Corona-Virus und seine gravierenden Folgen fordern uns heraus.

Den wissenschaftlichen Forschergeist, um einen Impfstoff zu finden.

Den verantwortlichen Umgang miteinander.

Auch den zeitweiligen Verzicht oder auf Änderungen im Blick auf beliebte Veranstaltungsformate. Bei Sport und Unterhaltung, in den Vereinen und in den Kirchen.

Aber wir müssen Gott deshalb nicht außen vorlassen. Zukunft hat Gott diesem Planeten und allen, die auf ihm leben, zugesagt. „Solange die Erde steht, sollen nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht“ (1.Mose 8,22). Das war Gottes großer „Deal“ mit den Menschen; das ist Gottes bleibende, lebensfreundliche Zusage nach der großen Flut.

Jedoch: Wir Menschen müssen das unsere mitbeitragen. Wir müssen die Erde zu unserem Schonraum, zu unserer Mit-Welt, erklären. Wir müssen unserer Bewahrungsverantwortung gerecht werden.

Mitnichten deutet sich der Untergang der Welt an – da gibt es andere, gefährlichere Themen, Gott sei es geklagt – sondern die Notwendigkeit der Intensivierung unserer Fürsorge für diesen Lebensraum – nicht nur für unsere Um-Welt, sondern für unsere Mit-Menschen, eben für unsere Mit-Welt.

Wir lernen neu, dass nichts selbstverständlich ist. Das Leben ist – alles in allem – ein Geschenk; es ist eines, das nicht selbstverständlich ist; wir sollten mit ihm sorgsam umgehen. Diese Einsicht bleibt. Oder: sie muss neu in Erinnerung gerufen werden. Auch dann, wenn die Corona-Krise überstanden ist. Vielleicht gerade dann erst recht!

Als Christinnen und Christen leben wir nicht aus der Angst, sondern aus dem Vertrauen. Bei allem, was jetzt an Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen ist, wissen wir: „Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“

Das ist die beste Voraussetzung, jetzt das Richtige zu tun, um Gefahren für die Zukunft zu vermeiden und gleichzeitig tief in der Seele zu spüren: „Gott ist bei uns – am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“ Auf ihn vertrauen wir, egal, was kommt.

Bleiben Sie behütet.

Pastor Jürgen Schwartz

Weltweit verbunden

 
Pfarrerin S. Prunzel

Liebe Lesende, waren Sie gestern beim Weltgebetstagsgottesdienst?

Wenn Sie jetzt mit „nein“ antworten, sage ich Ihnen: Sie haben wirklich etwas
verpasst. Sie haben verpasst, weltweit mit Menschen im Gebet und nicht nur über
Viren verbunden zu sein.
Hinter der Idee eines weltweiten Gebetstages steht die Überzeugung: „Informiert
beten und betend handeln“. Im Grunde ist es das Motto christlichen Handelns
schlechthin, informiert zu beten und betend zu handeln.
Jedes Jahr hören wir von Frauen eines anderen Landes. Gestern ging es um die
Menschen in Zimbabwe. Wir haben von ihren Problemen gehört und unterstützen sie
mit unserem Gebet und mit unserer Unterschrift, dass wir von Deutschland aus auf
die Zurückzahlung der Schulden verzichten wollen, damit von dem Geld in Zimbabwe
Krankenhäuser gebaut und Ärzte eingestellt werden können. Und wir unterstützen
sie mit Geld, das wir in den Gottesdiensten für ihre Projekte sammeln.
Immer wieder hören wir davon, wieviel Kraft das den Frauen gibt, dass sie weltweit
wahrgenommen und gehört werden.
Wie gut das tut, wenn uns jemand zuhört und mit uns solidarisch ist, wissen wir ja
selbst aus eigener Lebenserfahrung.
Das letzte Mal, dass der Weltgebetstag von Frauen aus Deutschland vorbereitet
wurde, war 1992. Da hatten Deutschland, Österreich und die Schweiz das Thema:
„In Weisheit mit der Schöpfung leben“. Das ist fast 30 Jahre her. Und wie aktuell ist
das Thema heute?
Die Frauen aus Zimbabwe haben uns gebeten für ihr Land zu beten, dass die
Herrschenden nicht in die eigene Tasche und das Land in den Ruin wirtschaften und
das Volk hungern oder die Heimat verlassen muss. Sie haben uns auch erzählt, was
gut in Zimbabwe funktioniert. Wo Lösungen für Probleme gefunden wurden. Junge
Frauen z.B., die sich weltweit mit anderen vernetzen. Kirchen haben dafür ihre
Räumlichkeiten und einen PC zur Verfügung gestellt, damit Frauen und auch Männer
das tun können.
Worum würden wir heute, wenn der Weltgebetstag von Deutschland aus vorbereitet
würde, weltweit um Solidarität bitten?
Ich würde mir Gebet und Unterstützung darin wünschen, dass wir uns als Land nicht
spalten lassen von Menschen, die einen Keil in die Gesellschaft treiben und
jahrzehntelang erkämpfte Grundrechte wieder aufheben wollen.
Und ich würde mir wünschen, dass in Umweltfragen Vernunft siegt und nicht
Lobbyismus und wirtschaftliche Interessen.
Dann würde ich davon erzählen, dass junge Menschen bei uns aktiv für ihre und
unsere Zukunft kämpfen. Dass alte Frauen, manche mit Rollatoren, in Bremen auf
die Straße gegangen sind mit Schildern „Omas gegen rechts“. Ich würde davon
erzählen, was wir ausprobiert und für praktikabel befunden haben, um die Plastikflut
einzudämmen und wo wir uns einschränken ohne dass wir deswegen schlechter
leben müssten. Ideen, die wir im weltweiten Netz gefunden haben.
Nach dem Weltgebetstag ist vor dem Weltgebetstag: der nächste ist -wie immer- am
ersten Freitag im März.
Sabine Prunzel
Pfarrerin in Bösel und Visbek – Langförden
 

Hast du einen Moment Zeit?

Pfarrerin Martina Wittkowski

Als ich zwischendurch mal auf das Display meines Mobiltelefons schaue, steht da diese Frage: „Martina, hast Du einen Moment Zeit?“ – Absenderin ist meine neue App. Den Ton habe ich nicht aktiviert.

Meine Freundin kann sich für meine Neuentdeckung nicht begeistern. Dabei wird sie durch ihre Fitness-Uhr auch ab und an erinnert: Es wird Zeit, sich wieder zu bewegen!

Bei meiner App geht es nicht um körperliche Fitness oder um Ernährungstipps. „Hast Du einen Moment Zeit?“ Es geht darum, für einen Moment den Alltag zu unterbrechen. Mir Zeit zu nehmen. Die App überrascht mich jeden Tag mit einer neuen Frage, die mich ins Nachdenken bringt. Manchmal fällt mir die passende Antwort sofort spontan ein. Manchmal ploppt die Frage aus dem Gedächtnis immer wieder auf, und ich denke zwischendurch auf ihr herum.

Einmal ist es amüsant, der Frage nachzugehen. Ein anderes Mal werden meine Gedanken auf ernstere Gefilde geführt.

In jedem Fall tut es gut, aus dem Abarbeiten der alltäglichen To-Do-Liste herausgerissen zu werden. Abstand zu gewinnen, wenn auch nur kurz. Etwas Anderes, Größeres zu bedenken. Das ist wie einmal kurz das Fenster öffnen, um frische Luft hereinzulassen und den Blick zu weiten.

Die Frage aus dem „Off“, die mich irgendwann zu verschiedenen Zeiten des Tages erreicht, sie erinnert mich mitten im Alltagsgeschäft daran: Es gibt Wichtigeres als die nervenaufreibenden organisatorischen Dinge, die mich gerade beschäftigen. Es gibt Größeres als die kleinen Vorhaben, die für mich heute im Mittelpunkt stehen. Alles, was zu meiner Arbeit und zu meinem Leben gehört, steht in einem größeren Zusammenhang.

Manchmal wird in der Frage, die mir gestellt wird, Gott erwähnt. Das macht mir bewusst: Alles, was ich denke, fühle und erlebe, hat mit Gott zu tun. „Martina hast du einen Moment Zeit?“

Mir mitten im Alltag einen Moment Zeit zu nehmen, für mich und die großen Linien meines Lebens. Zeit auch für Gott. Darin übe ich mich mit dieser App.

Sie nennt sich „XCRS-Workout“ für die Seele – XRCS das steht für „excercise“, Übung.

Sie ist eine Art Fitness-Programm. Fitness für die Seele. Meine App erinnert mich daran: Es wird Zeit, Atem zu holen. Damit ich mich selbst im Kleinklein des Alltags nicht verliere. Damit ich das Große Ganze im Blick behalte. Damit der Kontakt zu Gott bleibt.

Martina Wittkowski, Pfarrerin an der Trinitatiskirche Löningen

 

Zielorientiert handeln

Liebe Leserinnen und Leser!

Pfarrer J. Schwartz, Lastrup

Wie schaffen wir es, unser Ziel zu erreichen? Das, was wir uns vorgenommen haben, was wir uns ersehnen: einen guten Abschluss in der Schule, die Fertigstellung eines Projektes oder …? – Eine kleine Geschichte hilft dabei.

Eines Tages entschieden die Frösche, einen Wettlauf zu veranstalten. Um es besonders schwierig zu machen, legten sie fest: Gewinner sei derjenige, der den Balkon von dem höchsten Schlossturm als Erster erreiche. Am Tag des Wettlaufes versammelten sich viele weitere Frösche in der Nähe des Schlossteiches, um zuzusehen. Endlich ging es los.
Nun war es so, dass keiner der zuschauenden Frösche wirklich glaubte, dass auch nur ein einziger der teilnehmenden Frösche tatsächlich das Ziel erreichen könne. Statt die Läufer anzufeuern, riefen sie: „Oje, die Armen! Sie werden es niemals schaffen!”; andere sagten: „Das ist einfach unmöglich!”, und wieder andere schüttelten nur den Kopf und sagten: „Das schafft Ihr nie!”

Und tatsächlich schien es so, als sollte das Publikum Recht behalten, weil nach und nach immer mehr Frösche aufgaben. Das Publikum schrie weiter: „Oje, die Armen! Sie werden es niemals schaffen!” Und wirklich: bald gaben alle Frösche auf … alle, bis auf einen einzigen. Dieser versuchte unverdrossen, an dem steilen Turm hinauf zu kletterten. Einige im Publikum amüsierten sich, andere schüttelten erneut den Kopf über so viel Uneinsichtigkeit.

Doch dann … geschah es: Der Frosch erreichte als einziger das Ziel.
Die Zuschauerfrösche waren vollkommen verdattert. Wie war das möglich?!

Nachdem der Siegerfrosch wieder unten war, stürmte eine ganze Schar von Froschreportern auf ihn zu und überhäufte ihn mit Fragen; alle wollten wissen: Wie haben Sie das geschafft, den Wettlauf zu gewinnen? – Alle Kameras, Scheinwerfer und Mikros waren auf ihn gerichtet. Es wurde mucksmäuschenstill. Die Spannung stieg. Da zog der Siegerfrosch umständlich seine Ohrstöpsel heraus  und bat darum, die Frage zu wiederholen. Ein Raunen und ungläubiges Staunen ging durch den Menge. Der Sieger war taub beim Lauf … Der Siegerfrosch zog seine Jacke an und drehte sich um. Die Kamera schwenkte auf den Text, der auf dem Rücken stand: „Sei mutig und entschlossen. Fürchte dich nicht; und lass dich durch nichts erschrecken. Denn ich, dein Gott, bin bei dir, wohin du auch gehst.“ (Josua 1,9). Bleiben Sie behütet.

Jürgen Schwartz ist evangelischer Pastor in Lastrup und in Lindern.

Umwege

Pfarrer J. Schwartz, Lastrup

Liebe Leserinnen und Leser,

er sitzt am Fenster mit seinem Laptop, neben ihm ein Taschenkalender mit Adressverzeichnis. „Setzen Sie sich“, sagt er zu mir. Den Ständer mit dem Tropf schiebt er beiseite. „Es war nur eine kleine Attacke. Ich bin zur Beobachtung hier. Nichts Ernstes. Ein bisschen Arbeit habe ich mir mitgenommen; man kann sich ja nicht gehen lassen.“

Eine Woche später liegt er auf der Intensivstation. Als er mich sieht, lächelt er. „Es ist doch ernster. Sie haben einen Umweg um mein Herz gelegt. – Nun muss ich wohl auch einen Umweg nehmen.“ Er zeigt auf die Schläuche und Kabel. „Jetzt haben sie mich an die Kette gelegt“. Traurig und blass sieht er aus.

Mein Blick wandert, und ich entdecke eine Postkarte. „Lesen Sie ruhig. Die ist von meinen Kollegen aus der Firma.“ Ich lese: „Lieber Erhard, wir vermissen dich. Aber lass dir alle Zeit, um gesund zu werden. Wir brauchen dich. Deine Kollegen.“ Er strahlt über das ganze Gesicht. „Das tut richtig gut“, sagt er.

Die einen haben keine Arbeit, die anderen haben zu viel. Da gibt es Angst vor Unterbrechungen. Solange es noch geht, besteht kein Grund zum Innehalten, gibt es keinen Grund zur Pause. Es gibt noch so viel zu tun. Packen wir es an.

So sah es lange auch Erhard, bis es nicht mehr ging. „Jetzt bin ich an die Kette gelegt. Sie haben einen Umweg um mein Herz gelegt. Nun muss ich auch einen Umweg machen.“

Er musste wohl diesen Umweg gehen, um eine solche Postkarte mit diesen lieben Zeilen zu bekommen – Zeilen, die der Seele gut tun. Es gibt offensichtlich noch mehr als nur die Arbeit und die Verpflichtungen. So gibt es auch Gefühle. Zuneigung, Sympathie und Freundlichkeit gehören auch zu unserem Leben.

Manchmal ist eine Krankheit auch eine Chance zu einem Neubeginn und zu einer Änderung. Es gibt Hilfen für diese Änderung, lange vor dem Infarkt: Ein Gespräch mit einem Menschen meines Vertrauens, das Beten, ein Gottesdienst: das Hören auf alte Worte, die tragen und Mut geben – wie etwa Jesu Wort: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“

Bleiben Sie behütet.

Jürgen Schwartz ist evangelischer Pastor in Lastrup und in Lindern.

Durch Mark und Bein

Pfarrer J. Schwartz, Lastrup

Der Schrei war so fürchterlich, so laut und so grässlich, so herzzerreißend und erschütternd, dass er mir durch „Mark und Bein“ ging.

Das Quietschen der Kreide auf der Tafel habe ich noch im Ohr, als ein Mitschüler zitternd die Aufgabe zu lösen versuchte.

Doch ich erinnere mich auch an den wohlig warmen Klang der Melodien, die die Gedanken in die Höhe mitnahmen; und an das liebe, fürsorgliche Lächeln und die helfende Hand mit den anteilnehmenden Worten am Krankenlager: „Schön, dass es dich noch gibt.“

Jeder und jede kennt Situationen, die einen – bis ins tiefste Innerste – erschüttern im Negativen oder auch im Positiven anregen; und wir erinnern uns an das Gefühl, wenn uns diese Gegebenheit dann durch „Mark und Bein“ geht: Ein Schauer läuft einem den Rücken herunter, entweder ein kalter oder ein wohlig warmer, oder wir bekommen Gänsehaut.

Das, was uns zur Redewendung geworden ist, stammt aus der Bibel. Dort geht „Gottes Wort“ durch „Mark und Bein“. Im Hebräerbrief heißt es: „Denn das Wort Gottes ist lebendig und kräftig und schärfer als jedes zweischneidige Schwert und dringt durch, bis es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein …“ (4,12).

Manchmal sind die biblischen Worte und Geschichten auch so: herausfordernd, ermutigend, entlarvend, wegweisend … – Es gibt Worte, die sind schön wie eine Melodie. Sie bringen etwas in uns zum Klingen. Sie berühren uns und bewegen uns. Und auch wenn die Worte verweht sind und die Silben verstummt, dann ist sie noch in uns, diese Melodie, uns begleitend und erfüllend, wo vorher nur Leere oder Stummheit waren oder Sorge und Gereiztheit oder ein Wust von Gedanken.

Es gibt Worte, die sind schön wie eine Melodie. Sie handeln nicht nur von Freude; sie handeln auch von Schmerz, von der Trauer darüber, nicht gelebt zu haben oder nicht leben zu können; von der Fröhlichkeit, da zu sein; von der Freude, auf dem Weg des Lebens zu sein – auch im Angesicht von Klage und Leid. Für mich selbst gehört Jesu Ruf dazu: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“ (Matthäus 11,28).

Worte, die uns umwerben, uns gewinnen wollen. Es ist eine Einladung zum Leben; eine Melodie, die auf Zukunft hin verweist. Wir werden auf unsere Sehnsucht angesprochen … erlösend, befreiend, belebend. Ein wohliger Schauer läuft über den Rücken, ein Glücksgefühl breitet sich im Bauch aus … es geht eben durch „Mark und Bein“.

Jürgen Schwartz ist evangelischer Pastor in Lastrup und in Lindern.

Vier-Punkte-Programm

Pfarrer J. Schwartz, Lastrup

Liebe Leserinnen und Leser,

nein, keine weitere Neujahrsansprache, sondern vier Tipps für unser Leben, für unser Zusammensein in Familie und Gesellschaft und für unseren Umgang mit unserer „Mit-Welt“. Sie stammen von Erich Kästner, dem Schriftsteller, der „Emil und die Detektive“, „Das fliegende Klassenzimmer“ und viele andere tolle Romane und Geschichten schrieb.

In all den Veränderungen braucht es Fixpunkte, von denen aus wir uns den Herausforderungen stellen, um gemeinsam die Zukunft zu gestalten, denn: „Jeder kann es spüren, wann die Mitverantwortung neben ihn tritt und schweigend wartet, dass wir handeln, helfen, sprechen oder uns weigern oder gar empören – je nachdem. Und wenn wir es nicht fühlen, so müssen wir es eben lernen.“

Jedoch: Wie geht das – angesichts so vieler verschiedener, zum Teil einander widersprechender Meinungen? Erich Kästner erinnert an den alten Archimedes. Dieser suchte für die physikalische Welt einen festen Punkt, von dem aus er sich zutraute, die Welt aus den Angeln zu heben. Nun aber, so meint Kästner, käme es darauf an, die politische, wirtschaftliche, soziale und moralische Welt in die richtigen Angeln hinein zu heben.

Und er benennt dafür „vier archimedische Punkte“.

Erstens. Jeder Mensch höre auf sein Gewissen. Denn das Gewissen ist wie eine Uhr, deren Ticken man zwar überhören kann, die aber meistens richtig geht.

Zweitens. Jeder Mensch suche sich Vorbilder. Einen Menschen, der im richtigen Augenblick gesagt und getan hat, wovor wir manchmal zögern.

Drittens. Jeder Mensch erinnere sich seiner Kindheit. Sich ihrer zu erinnern, heißt nämlich, ohne lange überlegen zu müssen, was gut und böse, was echt und falsch ist.

Viertens. Jeder Mensch erwerbe sich Humor. „Der Humor … lehrt uns die wahre Größenordnung und die gültige Perspektive. Er macht die Erde zu einem kleinen Stern, die Weltgeschichte zu einem Atemzug und uns selber bescheiden.“

Diese Empfehlungen von Erich Kästner atmen biblischen Geist: Das Gewissen als Kompass; das rechte Wort zur rechten Zeit; die Vergewisserung, was gut und böse ist; und schließlich der heitere Abstand zu sich selbst.

Das sind, wie ich meine, gute Wegweiser, an denen wir uns orientieren können – wie an dem von Gott gesandten Stern in dunkler Nacht. – Bleiben Sie behütet.

Jürgen Schwartz ist evangelischer Pastor in Lastrup und in Lindern.

Karotten, Eier  und Kaffeebohnen – Über den Umgang mit Problemen

Pfarrer J. Schwartz, Lastrup

Die Haustür knallte. Der Rucksack flog in die Ecke unter der Treppe. Stampfend und wutschnaubend kam er in die Küche. „Die sind doof. Das Leben ist ungerecht. Das ist mir alles zu viel“, so brach es aus ihm heraus.

Sie setzte sich zu ihm, hörte zu und versuchte, ihn zu trösten. Doch es gelang nicht.

Da nahm sie drei gleich große Töpfe, füllte sie halbvoll mit Wasser, stellte alle auf den Herd und brachte alle zum Kochen. Dann füllte sie den einen Topf mit Karotten und den zweiten mit Eiern; das heiße Wasser aus dem dritten Topf schüttete sie in ein Gefäß mit gemahlenen Kaffeebohnen. Nach einiger Zeit schüttete sie die Karotten durch ein Sieb, holte die Eier heraus und füllte den Kaffee in eine große Tasse. Sie fragte ihr Gegenüber: „Was siehst du?“

Er sagte: „Karotten, Eier und Kaffee.“ Sie forderte ihn auf: „Nun nimm die Karotten in deine Hand und fühle sie. Anschließend schäle die Eier und nimm diese in die Hand und sag mir, was du gefühlt hast.“ Nachdem er es gemacht hatte, sagte er: „Während die Karotten weich sind, sind die Eier hart.“ Sie forderte ihn nun auf, einen Schluck Kaffee zu trinken.

Er tat es. Auch wenn ihm dieser sehr schmeckte, fragte er, immer noch gestresst von den vorherigen Erlebnissen: „Was soll das?“

Sie sagte: „Sowohl die Karotten als auch die Eier und der Kaffee waren im heißen Wasser. Jedoch haben alle darauf ganz unterschiedlich reagiert. Die Karotten waren anfangs hart und wurden durch das heiße Wasser weich. Die ungekochten Eier sind zerbrechlich und innen weich; nach dem Wasserbad wurden sie hart. Der gemahlene Kaffee hat sich aufgelöst und das Wasser in aromatischen Kaffee verwandelt.“

„Ja, und?“, fragte er ein wenig genervt zurück.

„Schau“, sagte sie: „Die Frage lautet: Wie gehst du mit Problemen um? Wie eine Karotte, wie ein Ei oder wie eine Kaffeebohne? Verhältst du dich wie eine Karotte, die zuerst stark zu sein scheint; aber wenn sie mit Problemen in Berührung kommt, weich wird und ihre Stärke verliert? – Oder reagierst Du wie die Eier? Du hast ein weiches Herz, das allmählich versteinert und ganz hart wird, wenn Probleme auftauchen. – Oder ähnelst Du den Kaffeebohnen, die das heiße Wasser nutzen, um es in Kaffee zu verwandeln?

Hab einen anderen Blick auf die Dinge. Sieh die Probleme als Chance, um daraus etwas Neues zu machen.“

Er schaute sie lange an, dann lächelte er und gab ihr einen Kuss auf die Stirn.

Übrigens: diesen Tipp habe ich von dem Apostel Paulus; er schrieb: „Passt euch nicht den Maßstäben dieser Welt an. Lasst euch vielmehr von Gott umwandeln, damit euer ganzes Denken erneuert wird.“ (Römer 12,2). – Bleiben Sie behütet.

Jürgen Schwartz ist evangelischer Pastor in Lastrup und in Lindern.

 

Ich will einen ewigen Bund mit meinem Volk schließen, dass ich nicht ablassen will, ihnen Gutes zu tun. Jeremia 32, 40

Pfr. J. Prunzel

Liebe Lesende,

diese Worte Gottes an sein erwähltes Volk, die Israeliten, sind ja wohl ein gewaltiges Versprechen! Ewig, nicht ablassen, Gutes tun. Drei unglaublich erstrebenswerte Lebensaspekte. Wer mag dann verzagen, wenn das Leben einmal richtig hart zu einem ist? Es gibt ja Grund genug, sich wieder aufzurichten.

Als ich in der vergangenen Woche die Berichte über die Anschläge in Halle und Umgebung erfahren habe, dachte ich: Wie viel Mut und Gottvertrauen hatten die Vorfahren der jüdischen Menschen, die dort angegriffen worden sind. Nach den Erfahrungen der Überlebenden jüdischen Menschen unter den vermeintlichen Christen in Deutschland im vorigen Jahrhundert, sind sie geblieben oder wieder zurückgekehrt. Versöhnung, trotz allem nur zu berechtigten Misstrauen, das war ihre Motivation.

An Jom Kippur, dem großen Tag der Versöhnung zwischen Gott und Menschen, der in Halle und allen anderen Synagogen gefeiert  wurde, versucht man mit Gewalt Juden in Deutschland zu ermorden! Da gibt es keine Rechtfertigung und kein Argument zugunsten des Täters. Wie viel Glück – oder Schutz einer höheren Macht – hat den Tod von mehr als zwei sinnlos ausgelöschten Leben verhindert.

Wer von uns denkt, dass hier nur ein irrer Einzeltäter am Werke war, der täuscht sich gewaltig. Seit 75 Jahren ist der Ungeist der Antisemiten in Deutschland nie beendet gewesen. Genau deshalb laufen ihm auch wieder Unzählige nach. Nahrung bekommen sie inzwischen von politischen Parteien, die nichts aus der Vergangenheit lernen wollen. Und die – welche Schande für dieses Land – massenhaft gewählt werden.

Wer Juden wegen ihres Glaubens verfolgt, hat mit Gottes Wahrheit nicht zu tun und kein Recht, sich Christ zu nennen. PUNKT.

Und wer die Bibel richtig versteht, weiß, dass wir Christen die Adoptivkinder in dem großen Volke Gottes sind. Dazugezählt durch die Gnade Christi alleine. Wie unsinnig ist da jeder Hass auf Gottes erwähltes Volk.

Am 19. Oktober 1945, heute vor 74 Jahren, hat die evangelische Kirche in Deutschland zu diesem Thema eine Schulderklärung abgegeben. Wörtlich heißt es da: “aber wir klagen uns an, dass wir nicht mutiger bekannt, nicht treuer gebetet, nicht fröhlicher geglaubt und nicht brennender geliebt haben.“ Christinnen und Christen haben um Gottes Willen die Pflicht sich lautstark und mutig zu Wort zu melden, wo der Ungeist des Judenhasses sich regt.

Und warum das so ist, das lesen wir bei einem der klügsten Dichter, die unser Land hervorgebracht hat, Bertold Brecht:

„Ihr aber lernet, wie man sieht, statt stiert
Und handelt, statt zu reden noch und noch.
So was hätt‘ einmal fast die Welt regiert!
Die Völker wurden seiner Herr, jedoch
Dass keiner uns zu früh da triumphiert –
Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch.“

Wachsamkeit und mutiges Bekennen als Gottes geliebtes Volk der Juden und Christen ist Gottes großer Wunsch an uns, uns zum Segen und Ihm zur Ehre.

Joachim Prunzel, Pfarrer in Friesoythe