Andachten

Drei Tage am Meer …

Zuletzt aktualisiert am 31. August 2023

… und ich weiß wieder, wer ich bin, singt die Indie-Rockgruppe AnnenMayKantereit. Als ich diesen Song vor kurzem im Radio hörte, konnte ich sofort mitgehen. Ich bin total gerne am Meer. Rieche die salzige Luft. Höre das Rauschen der Wellen und die Schreie der Möwen und Austernfischer. Lasse mir den Wind um die Nase wehen. Ich freue mich schon auf meinen nächsten Urlaub an der Küste, auch wenn ich noch ein paar Wochen warten muss. Ein Freund, der ebenso meeresaffin ist, sagt: „Ich muss nur jeden Tag am Meer sitzen und in die Weite schauen, dann erhole ich mich bestens.“ Bald fährt er wieder. Nach anstrengenden Wochen und Monaten kommt er runter. Entspannt sich. Genießt die Unterbrechung, die Pause.

Urlaub, ein Sehnsuchtswort. So früh wie möglich trage ich ihn in meinen Kalender ein, damit ich mich darauf freuen kann. „Urlaub“ – ein altes deutsches Wort, das ursprünglich „Erlaubnis“ heißt. Ein Ritter bat seinen König um Erlaubnis, wenn er eine Weile außer Landes war. Er konnte ja in dieser Zeit keine Abgaben leisten. Bezahlt wurde die Abwesenheit von der Arbeit erst viel später – im deutschen Kaiserreich. – Was für ein Geschenk, Urlaub nehmen zu können! Ohne Zwang und Fremdbestimmung Zeit für mich zu haben. Die Erlaubnis zu haben, ich selbst zu sein. Raus aus meiner Rolle am Arbeitsplatz und im Verein. Einfach ich, so wie ich bin.

Urlaub, Erlaubnis, – das kommt einem Wort nah, das für den christlichen Glauben eine große Rolle spielt. Als ich vor ein paar Tagen meinen Kollegen in Emstek besuchte, fiel das Wort mir sofort ins Auge. Es steht in großen goldenen einzelnen Buchstaben auf einem Absatz im Gemeindehaus: GNADE. Der Kollege erzählte mir die Geschichte dazu: Der katholische Pfarrer hatte dieses kleine Kunstwerk zum Reformationsjubiläum 2017 für seine Gastpredigt mitgebracht, – und der evangelische Pfarrer hatte die goldenen Buchstaben als Geschenk verstanden und für seine Kirche behalten. Da steht sie nun, die GNADE, in großen Buchstaben. Und dahinter steht ein Spiegel. Ich schaue hinein und sehe mich, so wie ich bin, so wie es mir heute geht. Gnade, ich habe die Erlaubnis, ich selbst zu sein, weil Gott mich annimmt. In diesem Glauben kann ich ausruhen, kann ich Kräfte sammeln. Damit ich dann wieder loslegen kann, meine Gaben einsetzen, meine Fehler und Schwächen eingestehen und das Beste daraus machen.

„Drei Tage am Meer, und ich weiß wieder, wer ich bin.“ – Für mich haben Urlaub und Gnade viel miteinander zu tun. Ich hoffe für uns alle auf eine erholsame Urlaubszeit, drei Tage – oder besser sogar länger. Am Meer – da, wo ich eben gerne bin. Da passt Psalm 36,6: „Herr, deine Güte reicht, soweit der Himmel ist, und deine Wahrheit, soweit die Wolken gehen.“ – Das will ich spüren und danach wieder wissen, wer ich bin.

Martina Wittkowski