Die feine Seelsorge des Herrn

Liebe Leserinnen und Leser,

es ist schon depremierend: Sie hatten in ihren Augen alles richtig gemacht und doch stellt sich kein Erfolg ein.

Holger Ossowski, Pfarrer in Garrel

Sie haben alles genauso wie immer vorbereitet und sich die Nacht um die Ohren geschlagen, und doch war alles umsonst. Dabei mussten sie Erfolg haben und Umsatz machen: für sich und ihre Familien. Lange würden sie sich solche Ausfälle nicht mehr leisten können, dafür waren die laufenden Kosten einfach zu hoch und die Konkurrenz zu groß. Was blieb war Müdigkeit und Enttäuschung.

In einer solchen Situation findet Jesus die Fischer vor: ihre Netze sind in der Nacht leer geblieben. Eigentlich erwarten wir an dieser Stelle einige verständnisvolle, ja aufmunternde Worte von Jesus. Aber davon wird uns nichts berichtet. Stattdessen bittet Jesus Simon, mit ihm wieder auf den See hinaus zu fahren. Simon lässt sich darauf ein. Er wird so seine Gründe gehabt haben: immerhin heilte Jesus seine Schwiegermutter. Und nachdem Jesus vom Schiff aus wie von einer schwimmenden Kanzel zu den Menschen am Ufer gesprochen hat, befiehlt Jesus Simon, an einer tiefen Stelle des Sees erneut seine Netze auzuwerfen. Das ist gegen jede menschliche Vernunft: niemand fährt am hellichten Tag hinaus, um seine Netze auszuwerfen. „Und Simon antwortete und sprach: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen …“ Lk 5,5

Die mit „Meister“ übersetzte Anrede (griech. epistáta) ist die Anrede eines höheren Aufsichtsbeamten. Hier erkennt Simon in Jesus den Bevollmächtigten und gehorcht: “ … aber auf dein Wort will ich die Netze auswerfen.“ Lk 5,5 Wider aller Berufserfahrung und Vernunft lässt sich Simon auf den Glauben ein und wird reich belohnt. Die Netze, die er einholt, sind nicht nur voll, sondern übervoll und beginnen schon zu reißen. Simon weiß nun, dass hier der HERR selbst eingegriffen hat. Johannes Chrysostomos (+407) sieht an dieser Stelle die „feine Seelsorge des Herrn“, wie er jeden durch diejenige Art und Form der Ausdrucksweise zu sich zieht, die ihm am vertrautesten ist. Lassen auch wir uns zum Herrn ziehen.

Holger Ossowski

ev.-luth. Pfarrer in Garrel,

Kreisdiakoniepfarrer

Frank Willenberg

Ev. Schulpfarrer in Cloppenburg. Administrator dieser Website, die im Auftrag des Kirchenkreises erstellt wurde.