Das neue Kleid verwandelt dich – Ein Beitrag von Kreispfarrerin Martina Wittkowski

Der Wecker klingelt. Es ist noch dunkel draußen. Doch es hilft nichts, der Tag beginnt. Vor dem Schrank überlegst Du, was du heute anziehst. Da wird dir ein Kleid gereicht: „Hier, probier mal das!“ Du betrachtest es. Es ist wertvoll. Goldene Fäden sind in den edlen Stoff eingearbeitet. Vorsichtig schlüpfst du hinein. Es passt wie angegossen. Das fühlt sich gut an! Du schaust in den Spiegel. So hast du dich noch nie gesehen! Du spürst, wie du dich aufrichtest. Du fühlst dich gleich größer, äußerlich und innerlich. Irgendetwas ist anders als bei anderen Kleidern. Plötzlich merkst du es: Du trägst nicht das Kleid, das Kleid trägt dich. So gehst du aus dem Haus. So gehst du in den Tag. Beschwingt. Getragen. Leicht.

Der Autor des Epheserbriefes schreibt von einem neuen Kleid. Es ist den Ephesern geschenkt. So wie dir und mir. Das Kleid hat einen Namen. Es heißt „Der neue Mensch.“: „Erneuert euch aber in eurem Geist und Sinn und zieht den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit.“ (Epheserbrief 4,24) „Der neue Mensch“ – wie ein Kleid ziehst Du ihn an. Der Stoff fühlt sich gut an auf der Haut. Die Liebe, mit der es gewebt ist, ist zu spüren. Du fühlst dich wohl darin, weil Du merkst: Der, von dem dieses Kleid kommt, nimmt mich so an, wie ich bin. Seine Liebe hüllt mich ein. Die goldenen Fäden glitzern im Licht und zeigen dir, wie wertvoll du für ihn bist. Das Kleid ist nicht von der Stange. Ihm ist nichts zu schade für dich. Er macht dich zu einem neuen Menschen. Durch ihn bist du gerecht. Du kannst aufrecht gehen. Er vergibt dir, was falsch läuft und hilft dir, es besser zu machen. Niemand kann dir etwas anhaben. Er kleidet dich mit Heiligkeit. Du gehörst zu ihm. Du bist etwas Besonderes. Du lebst nicht nur aus dir selbst und für dich selbst. Weil er dir das Kleid schenkt aus Gerechtigkeit und Heiligkeit.

Das Kleid macht dir Mut. Die Liebe, die darin eingewebt ist, bringt dich in Schwung. Es stärkt dein Selbstvertrauen. Du traust Dir etwas zu. Du fühlst dich sicher. So kannst du Neues wagen. Du kannst dich bewegen. Du kannst dich verändern. Du kannst auf andere zugehen. Mit ihnen zusammen sein und aufmerksam sein für sie. Du kannst teilen, was du hast, denn du bist selber beschenkt. Du kannst ehrlich sein, musst niemandem etwas vormachen. Du kannst andere loben und Gutes über sie reden. Kannst freundlich sein und herzlich. Du kannst Streit überwinden. Dich versöhnen. Denn dieses Kleid lässt dich spüren: Mir ist vergeben. Ich bin von Herzen angenommen. Ich bin ein neuer Mensch.

Du trägst das Kleid den ganzen Tag. Morgens beim Frühstück. Beim Einkaufen im Supermarkt. Bei der Arbeit im Büro. Beim Treffen mit Freunden. Du trägst es auch, als Du ein wenig einsam zu Hause sitzt. Das Kleid tut dir gut. Es adelt dich. Es schützt dich vor allem, was dir schaden könnte. Als der Tag zu Ende geht und du zurückschaust, fällt dir auf: Ich war anders heute. Weil ich es gewagt habe, das Kleid anzuziehen, das mir jemand reichte. Es ist wie aus einer anderen Welt. Es wird mir einfach so geschenkt. Von außen gegeben.

Gott hat es für dich gewebt. Seine Liebe hüllt dich ein. Jesus Christus ist das Modell für dieses Kleid. Er ist der neue Mensch. Und du bist es auch. Durch ihn.

Martina Wittkowski, Kreispfarrerin im Ev.-Luth. Kirchenkreis Oldenburger Münsterland