Blindes Vertrauen – Ein Beitrag von Pfarrerin Eva Hachmeister-Uecker

Wie so oft waren sie auch in dieser Nacht am See. Sie warfen ihre Netze aus und warteten.

Jeder hing seinen eigenen Gedanken nach. Gegen Morgen holten sie die Netze ein. Nichts!

Nicht einen einzigen Fisch haben sie gefangen! Wie sollen sie ohne Fisch zu Geld kommen, ihre Familien ernähren? Müde und erschöpft sind sie.

Ihr Blick fällt ans Ufer des Sees. Da steht er – Jesus! Aber sie erkennen ihn nicht. Noch nicht!

„Werft eure Netze wieder aus“ – so sagt der „Fremde“.

Am Morgen Netze auswerfen? Unmöglich, das bringt doch nichts!

Und doch machen sie genau das – ohne zu fragen, ohne Zweifel zu äußern.

Sie werfen ihre Netze aus – und können sie kaum an Land ziehen, so voll sind sie.

Da wissen sie es: Es ist Jesus! Er stand am Ufer und sah ihre Not.

Er bestärkte sie, es noch einmal zu versuchen.

Da können sie nicht anders. Die Fischer vertrauen blind! Einfach so, ohne zu wissen, was kommt.

Sie vertrauen – und es wird gut!

 

Ich höre die Zweifelnden:

„Es bringt doch nichts, hat doch alles keinen Zweck“.

 „Ich komme ja doch auf keinen grünen Zweig“.

„Die Mathearbeit war schon wieder eine 5 – so schaffe ich das Schuljahr bestimmt nicht“!

 „Ich werde wohl nie wieder gesund“.

Zweifel ermüden und lasten schwer.

Sie nehmen Mut und Zuversicht, nach vorn zu schauen.

 

Wie erfrischend zuversichtlich wirken da Menschen mit tiefem Vertrauen.

Sie wissen sich gehalten und geborgen – in Gottes Hand.

Obwohl nicht alles leicht ist in ihrem Leben – sie können es leichter nehmen.

Sie verlassen sich auf einen guten Hirten, der für sie sorgt, auf Gott!

 

Heute, am Sonntag des guten Hirten, ist es uns zugesagt:

Gott ist der gute Hirte. Er sorgt für jedes einzelne seiner Schafe.

In Jesus leidet er mit, wenn wir leiden. Er ist uns nahe in allem, was schwer ist.

Er freut sich mit uns, wenn wir Schönes erleben.

Auf uns wartet das Leben und setzt sich durch, immer wieder neu.

Das haben wir zu Ostern erst gefeiert. Jesus ist vom Tod auferstanden.

Er bringt Leben, in Zeit und Ewigkeit.  

 

Gott kümmert sich um seine Schafe; um die, die zweifeln und um die, die vertrauen.

Vertrauen strahlt nach außen. Es ermutigt und eröffnet den Blick nach vorn.

Solches Vertrauen wünsche ich uns: Den Mut zu wagen und anzupacken, was schwierig oder unmöglich scheint. Die Kraft zum Handeln, auch wenn wir nicht alles verstehen.

 

Die Fischer hatten solches Vertrauen. Auch sie haben nicht alles verstanden.

Weil Jesus sie ermutigt, wagen sie es – und werden belohnt mit einem Netz voller Fische am helllichten Tag.

Auch uns gilt: Wir müssen uns nicht allein mühen. Gott ist da.

Als guter Hirte geht er mit, alle Wege. Er sorgt für uns zu allen Zeiten.