170 Besucher feiern ökumenischen Gottesdienst im Stadion von Amasyaspor Lohne: „Vielfalt feiern – ankommen und zusammen leben“

 

Im Zeichen der Hilfsorganisation „United4Rescue“: Am Ende eines hoffnungsfrohen Gottesdienstes freuen sich (von links) Ursula Große-Holthaus, Yullia Sivaieva, Luisa Ovelgönne, Pastor Christian Jaeger, Syrienflüchtling Sidra Alou, Christina Renner, Kerstin Sommer (beide Runder Tisch), Pater Karl Gierse, Kreispfarrerin Martina Wittkowski, Detlev Suhr (SeaEye4) und Imke Greve.
Foto: Steinke

 

„Dyakuyu! Danke auf Ukrainisch…“ sagte Yullia Sivaieva schlicht am Ende eines ökumenischen Gottesdienstes, zu dem gemeinsam eine ökumenische Arbeitsgruppe aus Lohne und Fladderlohausen in das Syntech-Amasyaspor-Stadion nach Lohne eingeladen hatten. Unter dem Titel „Vielfalt feiern – ankommen und zusammen leben“ hatten sich gut 170 Besucher auf der Stadiontribüne eingefunden.„Wir wollen Vielfalt feiern!“ versprach Kreispfarrerin Martina Wittkowski (Cloppenburg) in der Begrüßung. Nachdem Mitglieder des „Runden Tisches“ ihre Gedanken, Sorgen und ihre Freude in kurzen Beiträgen vor Gott gebracht hatten, berichteten drei Gäste eindrucksvoll über ihre Flüchtlingserfahrungen. Yullia Sivaieva kam mit ihrer Tochter aus Cherson in der Südukraine, wo ihre Eltern blieben, nach Lohne. Sie sprach auch im Namen der anderen Ukrainerinnen, die in Südoldenburg Zuflucht gefunden haben, als sie betonte: „Wir sind Deutschland so dankbar, dass es den Ukrainern hier in Deutschland so hilft.“Für sie als Mutter sei es ein großes Glück, ihre Tochter wieder aufleben zu sehen: „Niemand bei uns hatte den Krieg erwartet. Es ist jetzt eine Freude, wie mein Kind wieder glücklich zur Schule geht. Sie hat bereits Freunde.“ Sie betonte der Zukunft zugewandt, dass ein Neuanfang unabänderlich ist: „Wir brauchen eine Wohnung, einen Job; wir müssen aus der sozialen Hilfe aussteigen, um wieder auf die Beine zu kommen. Du verstehst, dass du weiterlebst, doch dein Herz weint vor Schmerz.“

Detlev Suhr berichtet von der Seenotrettung

Sidra Alou aus Holdorf war noch ein Kind, als sie mit ihrer Familie Aleppo in Syrien verließ. Die mittlerweile 21-jährige schilderte eindrucksvoll ihre Fluchtgeschichte und die Berührungsängste: „Ich hatte erst Angst, gleich in die 9. Klasse der Schule zu kommen. Doch die Leute waren echt sehr, sehr nett.“ In diesem Jahr schloss sie die Schule mit dem Fachabitur ab, um im Herbst ein Studium zu beginnen. Sie appellierte überzeugend: „Das Wichtigste für einen Flüchtling ist es, ihm Sicherheit und Mut zu geben, damit er das machen kann, was in seinem Land nicht mehr möglich ist.“

Um Sicherheit sorgt sich der 66-jährige Detlev Suhr (Bremerhaven) an Bord der „Sea Eye 4“, die unter deutscher Flagge im Mittelmeer Seeflüchtlinge rettet. Eigentlich sei das Schiff für 200 Leute angedacht, doch es gab Extremsituationen mit mehr als 850 zu Rettenden an Bord – und dem Warten, einen sicheren Hafen zugewiesen zu bekommen. In der Arbeit gehe es zunächst darum, die Flüchtenden zu beruhigen, ihnen ein Gefühl der Sicherheit zu geben: „Wir kümmern uns um unsere Gäste.“ Und auf Nachfrage gab er seiner Hoffnung Nachdruck, dass in Zukunft „kein Mensch mehr im Mittelmeer ertrinken muss, weil wir sichere Fluchtwege haben.“

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