Geistlicher Impuls

Beziehungen

Michael Braun, Kreispfarrer

Vieles im Leben dreht sich um Beziehungen. Kontakte mit anderen Menschen prägen so sehr  unsere Gefühle und unser Wohlergehen, dass kaum ein Mensch ohne ein Mindestmaß an zwischenmenschlichen Begegnungen auskommen kann, insbesondere an guten Begegnungen. Im Gegenteil, lange Einsamkeit kann zu körperlichen und seelischen Erkrankungen führen.  „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei“, steht deswegen schon ganz am Anfang der Bibel (1.Mose 2, 18).

Umso erstaunlicher ist, dass wir nicht mehr Wert darauf legen, dass unsere Beziehungen gelingen und unsere Kontakte gut verlaufen. Erschreckend häufig werden schlechte Gefühle nicht erst einmal verarbeitet, sondern ungefiltert in Form von Aggressionen und Stress an andere Menschen weitergegeben. Das wirkt zwar kurzzeitig wie ein Ventil, führt aber häufig nur dazu, dass andere auch noch unter meiner schlechte Launen leiden müssen. Eine Lösung ist das nicht.

„Was ihr einem meiner geringsten Brüder angetan habt, das habt ihr mir angetan“, sagt Jesus (Matthäus 25, 40). Das ist für mich weniger eine Warnung, sondern eine Einladung Jesu, anderen möglichst viel Gutes zu tun und so ein Stück vom Himmel schon jetzt und hier geschehen zu lassen. Ein anderer Mensch ist eben nicht eine zufällige Begegnung oder eine Selbstverständlichkeit, sondern jeder andere Mensch ist ein geliebtes Kind Gottes. Und es liegt eben auch an mir, wie es einem anderen geht und was er oder sie fühlt, wenn wir uns treffen. Das gilt sogar für den blöden Kerl, der nicht so schnell fährt, wie ich das wünsche; die Dame an der Kasse, die stundenlang ihre Centstücke zusammenzählt, wenn ich in Eile bin oder die Kinder, die ihre Müdigkeit wieder einmal in Quengeln und Meckern  ausleben, während gerade die eigene Mutter anruft….

Und wohin dann mit den eigenen schlechten Gefühlen? „Kommt her zu mir, alle die ihr mühselig und beladen seid“, sagt Christus (Matthäus 11, 28). Ärger muss verarbeitet werden, wenn man ihn nicht weiter verbreiten möchte. Und dazu ist ein Gebet eine wunderbare Gelegenheit, wenn man mit Gott über das Schwere im Leben reden kann.

Michael Braun, Kreispfarrer Oldenburger Münsterland