Geistlicher Impuls

Na, das kann ja was werden

Pfr. J. Prunzel

Liebe Lesende,

mit dieser etwas spöttischen und auch ein wenig verunsicherten Aussage wird das erste Pfingsten von Außenstehenden beurteilt. Was das genau alles werden kann, das ist noch nicht abzusehen; ob das taugt oder nur eine spinnerte Schnapsidee ist, wer weiß das schon?

Manchmal habe ich so den Eindruck, als würden wir Menschen unserer Zeit ebenso Außenstehende sein, was dieses Pfingstfest angeht. Das ist viel zu krass: Flammenzungen über den Gläubigen, Reden in verschiedenen Sprachen über unglaubliche Dinge. Ja ist denn schon Karneval?

Eigentlich müssten unsere Kirchen am vergangenen Wochenende voll gewesen sein, denn genau genommen feiert unsere Kirche an Pfingsten Geburtstag; und da ist man doch wohl nicht ohne Not anderweitig beschäftigt, wenn ein guter Freund Geburtstag hat.

Das es anders ist liegt vielleicht daran, dass uns beides nicht mehr bewusst ist: unsere christliche Kirche hat Geburtstag uns ist unser guter Freund.

Warum eigentlich Geburtstag? In der Apostelgeschichte heißt es, dass die Menschen, die erlebt haben wie sich die Jüngerinnen und Jünger verändert hatten, tief beeindruckt waren. Allein an diesem ersten Pfingstfest ließen sich 3000 Menschen taufen und versuchten sich in der Nachfolge. Und es kamen täglich viele dazu. Sie glaubten und vertrauten darauf, dass Gott auf ihrer Seite ist und sie von seinem Segen begleitet werden. Außerdem wurden sie eine beeindruckende Gemeinschaft, die miteinander geradezu Berge versetzen konnte. Und wo das nicht klappte, da half man sich, bis man übern Berg war.

Heute werden wir von der Angst vor der Zukunft der Kirche schnell niedergedrückt und trauen uns nicht mehr zu aufzubrechen und Neues zu wagen, vielleicht dabei ein paar Sandhügel zu versetzen. Eigentlich schade, denn der Geist von Pfingsten wäre heute wertvoller als goldene Schätze.

Früher gab es einen Slogan: Es gibt viel zu tun, packen wirs – gemeinsam – an!

Geburtstage sind oft ein Anfang für neue Vorhaben; vielleicht würde es ja sogar Spaß machen die Menschen um uns herum zu erstaunen. Mit mutigem Geist und unerschrockener Begeisterung.

Übrigens heißt es in der Bibel genau, dass die Menschen damals zu Pfingsten sagten:

WAS WILL DAS WERDEN? !

Sie waren gespannt und viele wollten ein Teil dieses Aufbruchsdenkens werden. Vielleicht sehen wir uns ja demnächst in einer Kirche? Denn ganz genau genommen feiern Christinnen und Christen jeden Sonntag Ostern: den Geburtstag einer neuen Zeit, eines faszinierenden Anfangs, die Befreiung aus Zwängen, die uns niederdrücken, die Auferstehung Jesu. Seien Sie herzlich zum Mitfeiern eingeladen.

Ihr Joachim Prunzel, Pfarrer in Friesoythe