Geistlicher Impuls

 Streitlust

Michael Braun, Kreispfarrer

 

Ein Streit ist an sich nichts Schlechtes und Streitlust kann etwas sehr gutes sein, wenn Menschen mit Sachverstand, Verständnis füreinander und offenen Herzen miteinander ringen und Meinungen austauschen, um bei schwierigen Themen gute Lösungen zu finden. Solche Streitkultur verdient hohe Anerkennung und Respekt, weil sie  zu konstruktiven Ergebnissen, besserem Verständnis und guten Beziehungen führen kann –  egal ob es um politische, religiöse oder zwischenmenschliche Streitfragen geht.

Wenn ein Streit dagegen von Arroganz, Angst und Aggression bestimmt wird und zu wenig mehr als einem Austausch von Vorurteilen verkommt, dann geht es nicht um Lösungen, sondern darum andere Menschen zu verletzen und vermeintliche Stärke zu demonstrieren. Aus Streitlust mit guter Streitkultur wird Pöbelei. So etwas wünscht man niemanden und erwartet es schon gar nicht von der hohen Politik.

Umso bedauerlicher ist es, wie im türkisch – deutschen Verhältnis bei manchen Beteiligten die Streitereien jedes Maß und die Wortwahl jedes Niveau zu verlieren drohen und die Leittragenden wieder die normalen Menschen sind.

In den 1960er ist es gelungen, zahllose Menschen aus der Türkei nach Deutschland zu holen, weil Arbeitskräfte fehlten und wir uns über Zuwanderung freuten. So ist in Deutschland Vielfalt  und Miteinander gewachsen, was nun gestört und beschädigt werden könnte.

Deswegen  empfiehlt die Bibel gerade bei so aufgeladenen, schlechten Streitereien, sich nicht von negativen Gefühlen anstecken zu lassen, sondern mit Nächstenliebe an die vielen Menschen zu denken, die man als nette Nachbarn, freundliche Kollegen und tolle Mitspieler im Sportverein kennen und schätzen gelernt hat. Es wäre schade, wenn man wegen einem politischen Streit leichtfertig aufs Spiel setzen würde, was in vielen Jahren gewachsen ist und zu guten Begegnungen, auch  zwischen Kirchengemeinden  und Moscheen, geführt hat.

„ Es gibt keinen Weg zum Frieden, wenn nicht jeder einzelne Schritt schon Frieden ist“ (Martin Luther).

Michael Braun, Kreispfarrer Oldenburger Münsterland