Geistlicher Impuls

Michael Braun, Kreispfarrer

Lebensorte und Lebenswege

Wie direkt oder verschlungen unsere Lebenswege verlaufen, ist bei allen Menschen unterschiedlich. Lediglich zwei Stationen sind bei allen Menschen gleich. Jeder hat einen Geburts- und einen Sterbeort.

Heutige Mobilität lässt uns in der weiten Welt herumkommen. Reiselust und berufliche Möglichkeiten machen die Welt klein. Dennoch gibt es viele Menschen, bei denen Geburts- und Sterbeort weiterhin (fast) übereinstimmen. Aber hat das etwas zu bedeuten?

Martin Luther war z. B. so ein Fall. Gestorben und geboren ist er in Eisleben. Geburtshaus mit benachbarter Taufkirche und Sterbehaus mit der benachbarten Stadtkirche, wo Luther seine letzten Predigten Tod hielt, liegen nur ein paar Gehminuten voneinander entfernt. Und dennoch war es bei Luther reiner Zufall, dass beide Orte fast identisch sind.

Schon kurz nach seiner Geburt zogen Luthers Eltern mit ihm  ins benachbarte Mansfeld. Luther hat Eisleben als Kind nie bewusst kennengelernt. Kurz vor seinem Tod kam er nur nach Eisleben zurück, um einen Streit der dortigen Grafenfamilie zu schlichten. Dabei hatte sein Frau Käthe geschimpft, dass er sich bei seiner schlechten Gesundheit mitten im Winter die Reise nicht zumuten dürfe.

Sicherlich überkommt uns alle immer wieder Fernweh, gerade jetzt, wenige Wochen vor den Sommerferien und bei viel zu kaltem Wetter. Doch eigentlich sind unsere Lebensorte alleine nicht wichtig. Viel bedeutender ist nicht wo wir leben, sondern welchen Menschen wir begegnen, welche guten und schweren Erfahrungen wir machen, wofür wir unsere Lebenszeit einsetzen und ob Gott uns seinen Segen dazu schenkst. Wichtig ist der Verlauf unserer Lebenswege.

„Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir“,  spricht deswegen der Psalmbeter und ergänzt hoffnungsvoll: „ Führe ich gen Himmel, so bist du da; bettete ich mich bei den Toten, siehe, so bist du auch da. Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten.“ (Psalm 139, 5 und 8 – 10).

Michael Braun, Kreispfarrer Oldenburger Münsterland